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DEUTSCHLAND: Schwule und Lesben in der Bravo
family image(01.09.10/dom) Die Teenie-Zeitschrift hat viel zur Aufklärung von Jugendlichen beigetragen, doch wie hat "Bravo" Homosexualität jeweils dargestellt, und wie hat die Berichterstattung sich im Laufe der Jahre geändert: Eine Ausstellung in Köln und ein neues Buch haben sich damit auseinandergesetzt.

Eines gleich vorweg: Wer glaubt, dass "Bravo" seit Bestehen immer fortschrittlich über das Thema berichtet hat, der hat sich getäuscht. Zu diesem Schluss kommt der Buchautor und Diplom-Bibliothekar Erwin In het Panhuis, welcher sich für sein Buch "50 Jahre Schwule und Lesben in der Bravo" intensiv mit diesem Thema auseinander gesetzt hat. Für das Buch und die gleichnamige Ausstellung hat In het Panhuis rund 2700 Magazine durchgesehen und gegen tausend Beiträge zum Thema gelesen. Und so kam der Autor zum Schluss, dass die "Bravo" gerade in den Anfängen mit homophoben Äusserungen gespickt gewesen ist.

Als "Die Zeitschrift für Film und Fernsehen" 1956 gegründet, entwickelte sich "Bravo" erst nach einigen Jahren zur Jugendzeitschrift, für welche das Heft noch heute bekannt ist. Als mit "Knigge für Verliebte" die erste Aufklärungsserie gestartet wurde - noch nicht Dr. Sommer, sondern "Dr. Christoph Vollmer" - waren Äusserungen ausdrücklich gegen Homosexualität normal. Für die Serie wurden Leserbriefe beantwortet und abgedruckt, und zwar von der Liebesromanschriftstellerin Marie Louise Fischer, welche sich eben das Pseudonym des "Dr. Vollmer" gab. 1966 wurde Homosexualität erstmals nicht mehr als völlig negiert, dafür aber mit dem Vorurteil verbunden, dass Schwul- resp. Lesbischsein bei 99 Prozent der Homosexuellen bis zum 24. Altersjahr geheilt werden könne.

Die Wende kam 1969: Damals löste Doktor Martin Goldstein die Autorin Fischer ab - der "Dr. Sommer" war damit geboren. Mit diesem Wechsel fand auch Homosexualität erstmals vermehrt den Weg in die Kolumne - und zwar wertungsfrei und für die damalige Zeit auch sehr liberal. Doch die Offenheit hatte auch Konsequenzen, so wurden 1972 zwei Ausgaben wegen eben dieser Aufklärungsserie auf den Index gesetzt, da sie zu freizügig über Sex, in diesem Fall, Selbstbefriedigung, erzählt habe. Erst etwas später, in den 80er Jahren, wurde Homosexualität vollends zur Selbstverständlichkeit, so quasi unter dem Stichwort "Schwukl, na und?".

Die Palette von Themen, welche die "Bravo" seither abgedeckt hat ist äusserst breit: Von der Eingetragenen Partnerschaft bis hin zu heikleren Themen wie Kinderprostitution in Thailand. Dabei wurde auch immer wieder über Stars und deren Homosexualität berichtet. Ausgelöst vor allem durch das öffentliche Outing von Jimmy Sommerville und "Erasure"-Andy Bell, begann "Bravo" auch des öfteren darüber zu berichten - und zwar ausschliesslich positiv. Wie der Buchautor Erwin In het Panhuis weiter ausführt, sie auch das Zwangsouting von Hape Kerkeling ausgewogen Berichtet worden. Kerkeling wurde am 10. Dezember 1991 neben anderen Prominenten in der RTLplus-Talkshow "Explosiv - Der heisse Stuhl" von Regisseur Rosa von Praunheim öffentlich geoutet. Ignorant, so beschreibt es In het Panhuis, geht "Bravo" leider noch heute mit dem Thema HIV und Aids um. Da sei noch Verbesserungspotential vorhanden.

Die Ausstellung in Köln widmet sich all diesen Berichterstattungen - zeigt Original-"Bravo"s und Leserbriefe aus dieser Zeit, und gibt auch Hintergrundinformationen, zudem sind auch Vorträge geplant. Aussergewöhnlich wie der Inhalt dieser Ausstellung ist auch der Ort: So konnte die Kölner Christuskirche als Raum gewonnen werden. "50 Jahre Schwule und Lesben in der Bravo" ist noch bis zum 2. Oktober geöffnet - der Eintritt ist frei.

Mehr zur Ausstellung: LINK