(19.01.11/dom)
Homosexualität wurde zwar erst im Jahr 2009 durch ein Gericht
in New Delhi legalisiert (gay.ch
berichtete), doch man kann bereits von einer
"stillen Revolution" sprechen: Es gibt bereits erste Anzeichen
von Toleranz gegenüber Schwulen und Lesben.
Langsam aber sicher entsteht in Indien eine lebendige Gay
Kultur. Seit Juli des vergangenen Jahres etwa, erscheint mit "Fun"
ein neues Gay Magazin, welches in New Delhi vertrieben wird. Die
Nachfrage ist jeweils so gross, dass die Ausgabe bereits
innerhalb kürzester Zeit vergriffen ist. Insgesamt sind derzeit
mindestens acht Print- oder Onlinemagazine bekannt, welche sich
an die schwullesbischen Leser in Indien richten. Das älteste
davon wurde bereits 1990 in Mumbai erstmals veröffentlich und
völlig im geheimen vertrieben. Nach 12 Jahren stellte es jedoch
den Betrieb ein, bevor es jüngst zu einen Re-Release kam. Obwohl
Homosexualität von der überwiegenden Mehrheit der indischen
Bevölkerung immer noch als Tabu behandelt wird, sind doch erste
Anzeichen vorhanden, dass das Thema vermehrt auch von der
Öffentlichkeit wahrgenommen wird.
Mittlerweile haben es verschiedene Gay Prides in diversen
indischen Metropolen geschafft, einerseits ein poltisches
Zeichen zu setzen, aber auch ein Kulturelles (gay.ch
berichtete). Es fällt dabei
auch auf, dass vermehrt Eltern mit ihren schwulen Söhnen
respektive lesbischen Töchtern mitlaufen, um ihrerseits für mehr
Toleranz und Solidarität zu werben. Auch Valentinstagskarten,
welche explizit auf gleichgeschlechtliche Paare zugeschnitten
sind, gibt's zu kaufen, und schwullesbische Inhalte beginnen
selbst Bollywood zaghaft zu erobern. So sorgte der Film "Dostana"
einerseits für Schlagzeilen, weil darin eine Mutter voller stolz
den Freund ihres schwulen Sohnes in der Familie begrüsst, doch
trotz dieser für ihnen mehr als fortschrittlichen Thematik
entwickelte sich der Streifen erfreulicherweise zu einem wahren
Kassenschlager.
Was bislang jedoch noch fehlt ist eine Identifikationsfigur: Sei
es für die Schwulen, Lesben und Transgender selber, aber auch
die übrige Bevölkerung. Bis jetzt hat sich nämlich noch keine
prominente Persönlichkeit zu outen gewagt, sei es im
Unterhaltungssegment, bei der Politik oder im Sport.
Einen nicht unwesentlichen Teil trägt auch das Internet bei:
Gerade Schwule und Lesben fühlen sich, wie in den meisten
Ländern, durch die Anonymität des Internets sicher. Das hilft
stark mit, dass eine Online Community aufbebaut werden konnte,
sei es um eigene Erfahrungen auszutauschen, aber auch um
aufzuzeigen, dass man nicht alleine ist. Gerade in ländlichen
Gebieten haben es Schwule und Lesben nach wie vor sehr hart, da
Homosexualität von konservativen Kreisen nach wie vor als
Krankheit angesehen wird.
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