RUSSLAND: Gay Pride in St. Petersburg abgesagt
family image(24.06.10/dom) Same procedure as every year: Wieder sollte in Russland eine Gay Pride stattfinden - zum ersten Mal in St. Petersburg - und wie schon in der Hauptstadt Moskau wurde der Event nun auch dort wieder für verboten erklärt.

Ans Aufgeben denken die Organisatoren der ersten Gay Pride in St. Petersburg aber auch nach der gestrigen Absage nicht. Die Parade hätte an diesem Samstag stattfinden sollen, doch die Behörden lehnten alle sechs Routen ab, welche die Organisatoren ausgearbeitet haben.

Bereits am vergangenen Freitag erhielten die Veranstalter eine erste Absage für drei Routen, welche sie vorstellten. Daraufhin reichten sie drei alternative Routen ein, welche nun gestern erneut abgelehnt wurden - selbstverständlich mit der wortwörtlich selben Antwort. Die Behörden erklärten zudem, dass es in diesem Jahr keine Gay Pride in St. Petersburg geben werde.

Ein Anwalt, welcher sich für die Belange der Veranstalter einsetzen will, erklärte, dass man das Verbot der Pride zwar vor Gericht anfechten könne. Doch es sei unmöglich, denn Prozess zu beschleunigen, damit man noch ein Urteil vor der Pride erreichen könne. Die Veranstalter wollen mit einer Klage geltend machen, dass das Verbot die Menschenrechte verletze.

Viele internationale Pride-Veranstalter, darunter von Sydneys Mardi Gras, haben sich derzeit bei den Organisatoren in St. Petersburg gemeldet und ihnen Unterstützung zugesagt, vor allem auch, nachdem verschiedenste Anti-Gay-Gruppen zu Gewalt gegen die Teilnehmer der Pride aufgerufen haben. Derweil versuchten die Veranstalter der Gay Pride St. Petersburg auch noch selber mehr internationalen Druck aufzubauen: So haben sie insgesamt 13 Botschaften verschiedenster EU-Staaten, und auch jene der USA, von Kanada, Norwegen und von der Schweiz angeschrieben, damit diese den Event mit einem öffentlichen Statement unterstützen. Doch leider hat sich bislang noch kein Diplomat zu einer Erklärung durchgerungen. Russland scheint - vor allem wirtschaftlich - ein zu wichtiger Partner für diese Staaten zu sein: Die gleichen Botschaften veröffentlichten nämlich ein gemeinsames Statement, als es um die Gay Pride in Vilnius, Bukarest, Belgrad und Bratislawa ging, erklärten die Veranstalter von St. Petersburg.

Die Behörden in St. Petersburg setzten derweil noch einen obendrauf: Sie erteilten kurzfristig einem Demonstrationszug die Genehmigung, der von konservativer Seite organisiert wird und sich für die traditionellen Werte von Familien einsetzen will.

Vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Strassburg liegen bereits mehrere Klagen gegen Russland vor - auch von den Veranstaltern in Moskau, welche gegen das dortige Verbot der Pride klagten. Da Russland aber auch in anderen Belangen mit Klagen eingedeckt wurde, spielen sie auf Zeit und verlangten vom Gericht mehr Zeit, damit sie sich korrekt auf die Prozesse vorbereiten können. Derweil werden in Russland munter alle weiteren Gesuche für Gay Prides angelehnt, obwohl das Gericht in Strassburg den Veranstaltern nach Einschätzungen das Recht auf Durchführung der Paraden wohl zusprechen wird.