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UGANDA: Todesstrafe wird möglicherweise aus Anti-Gay-Gesetz gestrichen
family image(29.04.11/dom) Das Anti-Gay-Gesetz wird derzeit in Uganda wieder heftig diskutiert und eine mögliche Abstimmung und die damit verbundene Einführung könnte kurz bevorstehen. Nun mehren sich die Anzeichen, dass die Todesstrafe aus dem Gesetz gestrichen werden könnte.

International hat das Gesetz zu grossen Protesten geführt, und sogar US-Präsident Barack Obama hatte sich damals in die Debatte eingeschalten, um seinen Unmut über das in Uganda geplante Anti-Gay-Gesetz auszudrücken (gay.ch berichtete). Daraufhin war es für längere Zeit ruhig um das umstrittene Gesetz, vor allem, da auch noch Wahlen im Land stattgefunden haben. Doch der Schein trügt, und seit kurzem wird wieder intensiv über die Einführung des Anti-Gay-Gesetz diskutiert. Derzeit befindet sich der von David Bahati ausgearbeitete Entwurf vor einer parlamentarischen Kommission, welche sich vor der Parlamentsdebatte schon mal über das geplante Gesetz berät.

Falls die Kommission die Empfehlung abgebe, dass die Todesstrafe aus dem Gesetzesentwurf gestrichen werden soll, dann würde er dies bewilligen, erklärte David Bahati in einem Interview. Sein Entwurf sieht nämlich vor, dass Schwule mit HIV oder schwule Vergewaltiger mit der Todesstrafe bestraft werden. Man bewege sich in Uganda allerdings generell von der Todesstrafe weg, fügte Bahati hinzu, daher würde er diese Änderung in seinem Entwurf auch gutheissen. Im Interview erklärte Bahati weiter, dass er sich als Abgeordneter in seiner ersten Amtszeit befinde, welche am 12. Mai zu Ende gehe. Das von ihm eingebrachte Anti-Gay-Gesetz habe ihm geholfen, seine Bekanntheit massiv zu vergrössern. Es ist nicht das erste Mal, dass gegen die LGBT-Community gehetzt wird in Uganda, um damit die Popularität zu vergrössern. Auch die damals neu gegründete Zeitung "Rolling Stone" forderte auf der Titelseite dazu auf, Schwule zu erhängen, und veröffentlichte gleichzeitig rund hundert Bilder von Homosexuellen mit Namen und Wohnadresse (gay.ch berichtete). Die Zeitung schaffte es damit in die internationalen Schlagzeilen und wurde in Uganda selber innert kürzester Zeit äusserst populär.

Nicht zuletzt als Folge dieser Schlagzeile wurde im Januar der bekannte ugandische Schwulenaktivist David Kato ermordet (gay.ch berichtete). Auch Frank Mugisha, der Leiter der Organisation "Sexual Minorities Uganda", kurz SMUG, erklärte, dass sich das schwulenfeindliche Klima seit der Gesetzesentwurf vorgestellt wurde, stark verschlimmert habe. Es seien vermehrt Schwule attackiert worden, nicht zuletzt durch die Medienberichterstattung im Land und durch die religiösen Führer, welche ebenfalls gegen Homosexualität wettern und so für das Gesetz werben. Davon will David Bahati allerdings nichts wissen: Er bedaure den Mord an David Kato, erklärte er im Interview, und er habe der Familie kondoliert. Der Mord habe aber nichts mit seinem Gesetzesentwurf zu tun.

Gegen David Bahati wurden aber nun auch neue Vorwürfe erhoben: So könnte das Gesetz auch von amerikanischen Evangelikalen gesteuert worden sein. Kurz bevor der Politiker das Gesetz im 2009 vorgestellt hat, traf er sich in der ugandischen Hauptstadt Kampala offenbar mit einer Delegation von religiösen Führern aus Amerika. Auch sie sehen Homosexualität als Sünde und sie glauben daran, dass Schwule und Lesben heterosexuell werden können, in dem sie beten und sich in Behandlung begeben. Aufgrund dieses Treffen wird nun spekuliert, dass die amerikanischen Evangelikalen auch ihre Mitschuld an diesem drastischen Anti-Gay-Gesetz haben.

Doch auch wenn nun die Todesstrafe aus dem Gesetz gestrichen würde, so drohen LGBTs immer noch hohe Haftstrafen. Durch die Stigmatisierung von Homosexuellen werden sie auch immer wieder mit dem Tod bedroht von Seiten der Bevölkerung - denn die Bevölkerung in Uganda steht mehrheitlich hinter dem Anti-Gay-Gesetz. Wie Stephen Tashobya, der Vorsitzende der Kommission für Gesetzes- und Parlamentsangelegenheiten zudem erklärt hat, werde über das Gesetz wohl noch in dieser Session, welche am 12. Mai endet, abgestimmt.

Übersicht über die Berichterstattung zu Uganda: LINK