(13.03.12/dom)
Er ist einer der bekanntesten Katholiken des Landes, der
ehemalige britische Premierminister Tony Blair, doch trotzdem
unterstütze er die Initiative des derzeitigen Premier David
Cameron sehr, die Ehe auch für gleichgeschlechtliche Paare zu
öffnen.
Eine breite Front von Geistlichen hat sich in
Grossbritannien mit Vehemenz gegen die Öffnung der Ehe für
schwullesbische Paare ausgesprochen, darunter der Erzbischof von
Canterbury, Rowan Williams, der Erzbischof von York, John
Sentamu, sowie dem Führer der Katholischen Kirche Schottlands,
Keith O'Brien. Rückenwind haben sie auch von Papst Benedikt XVI
erhalten, welcher am vergangenen Freitag einmal mehr alle
Katholiken aufgefordert hat, den kraftvollen politischen und
kulturellen Strömungen, welche die Definition der Ehe ändern
wollen, entgegenzutreten.
Dem hat sich nun aber eine andere bekannte Stimme
Grossbritanniens gegenüber gestellt. Er unterstütze das
Engagement des derzeitigen Premierministers David Cameron sehr,
die Ehe auch für gleichgeschlechtliche Paare zu öffnen, erklärte
der ehemalige Premier Tony Blair. Diese Aussage dürfte mit unter
den Vatikan verärgert haben, ist Tony Blair doch damals im Jahr
2007 mit offenen Armen empfangen worden, als er der katholischen
Kirche beigetreten war. Blair unternahm diesen Schritt rund
sechs Monate nachdem er das Amt des Premierministers abgab, und
zwar in erster Linie aufgrund seiner Familie. Seine Ehefrau
Cherry ist selber Katholiken, und auch seine vier Kinder.
Tony Blair hat sich während seiner Amtszeit stets offen für
schwullesbische Belange gezeigt, in Bezug auf Marriage Equality
hat er sich bislang aber noch nie geäussert. So hat er noch im
Amt das Partnerschaftsgesetz aufgegleist, das Schutzalter bei
gleichgeschlechtlichen Paaren jenem der Heteros angepasst und
die Clause 28 abgeschafft, welche unter der Premierministerin
Margaret Thatcher eingeführt wurde, und das positive Darstellen
von Homosexualität verbot. Das Gesetz wurde zwar seit längerem
nicht mehr angewendet, stand aber nach wie vor im Gesetz.
David Cameron hat am Parteitag im vergangenen Jahr angekündigt,
dass er die Öffnung der Ehe für schwullesbische Paare
unterstützen werde, und zwar nicht obwohl er eigentlich
konservativ sei, sondern gerade weil er konservativ ist (gay.ch
berichtete). Die Gesellschaft sei stärker, wenn man sich binde
und wenn man einander unterstütze, betonte er weiter. Sein
Kabinett, allen voran die Gleichstellungsministerin Lynne
Featherstone, arbeiten derzeit an einem entsprechenden
Gesetzesentwurf. Dabei betonte sie, dass die Ehe den Menschen
gehöre, und nicht der Kirche. Zahlreiche Abgeordnete haben sich
bereits dafür ausgesprochen, dass sie Marriage Equality
unterstützen werden.
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