(11.01.12/dom)
Die Primaries, sprich die Vorwahlen der Republikaner sind am
Laufen: Ein gutes Beispiel dafür, wie schnell ein Politiker
seine Meinung ändern kann, je nachdem wo er gerade seine
Vorteile sieht, ist der aktuelle Kronfavorit Mitt Romney…
Ganz schön heftig ist die Kritik, mit welcher der
republikanische Kandidat Mitt Romney derzeit konfrontiert wird,
und zwar sowohl von Seiten der Demokraten, aber nicht minder
auch von seinen Gegenkandidaten aus den eigenen Reihen. Es sei
Wahlkampf, heisst es beispielsweise, und der Mitt den man nun
mal kenne, sei jener, der einfach sagt, was ihm Wählerstimmen
bringen wird. Nachdem er die Vorwahlen im US-Bundesstaat Iowa
mit nur acht Stimmen Vorsprung mehr als knapp „gewonnen“ hat, so
war das Resultat bei den gestrigen Wahlen in New Hampshire umso
deutlicher. Er hatte 16 Prozent Vorsprung auf den
Zweitplatzierten Ron Paul. Mit diesem Sieg werden seine Gegner
um die Nomination als offizieller Präsidentschaftskandidat der
Republikaner nun wohl noch schwereres Geschütz gegen ihn
auffahren – und das könnte sich noch zum Problem entwickeln.
Bereits jetzt ist Mitt Romney als Flip-Flopper verschrien, also
als jemand, der seine Meinung dahingehend anpasst, was ihm
gerade ein paar Stimmen bringen könnte – ein Wendehals
sozusagen. Dies macht sich auch deutlich, wenn es um die Rechte
der Schwulen, Lesben und Transgender geht. 1994 als er für den
Bundesstaat Massachusetts im Rennen für den US-Senat war,
umgarnte er die schwullesbischen Wähler mit der Aussage, dass er
sich besser für die Rechte der LGBTs einsetzen werde, als sein
Konkurrent Kennedy. 2002, als Romney für das Amt des Gouverneurs
von Massachusetts kandidierte, verteilte er an der Gay Pride
Flyer mit der Aufschrift “Alle Bürger verdienen dieselben
Rechte, egal welcher sexuellen Neigung”. Und nun am
Dienstagmorgen bekräftigte er diese Aussage noch, in dem er
erneut erklärte, dass er für „Equal rights“ einstehe. Doch nun
kommt das Überraschende: Als er gestern Nachmittag auf diesen
Flyer angesprochen wurde, dementierte er plötzlich, dass diese
von ihm veranlasst und verteilt wurden. Was war passiert?
Wieder kommt der Vorwurf, Mitt Romney würde stets versuchen,
derjenige zu sein, welcher er gerade im Moment sein muss, um
gewählt zu werden. Und diese Taktik scheint er auch diesmal
angewandt zu haben. Da die Vorwahlen am Dienstag in New
Hampshire stattfanden, war Mitt Romney besonders unter Druck.
Als ehemaliger Gouverneur des Nachbarstaats Massachusetts genoss
er in New Hampshire grosse Bekanntheit, und so musste er die
Vorwahlen als haushoher Favorit auch mit grossem Vorsprung
gewinnen. Da New Hampshire einer von nur sechs US-Bundesstaaten
ist, welcher die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare geöffnet
hat, war es auch klar, dass Romney bis zuletzt um die Stimmen
der Schwulen und Lesben kämpfen wird – etwas, welches die teils
ultrakonservativen Wähler mit Sicherheit nie machen würden.
Zudem konnten in New Hampshire auch jene Bürger wählen gehen,
welche nicht bei den Republikanern eingeschrieben sind, sprich,
Romney versuchte mit dieser Taktik die Stimmen der Mitte auf
sich zu ziehen.
Doch weshalb nun das Dementi am Dienstagnachmittag wegen dem
Flyer: Die nächsten Primaries finden nämlich am 21. Januar in
South Carolina statt – ein weiterer der so genannten
Schlüsselstaaten. Dort hätte er mit seinen Ansichten bezüglich
der Öffnung der Ehe für schwullesbische Paare wohl keine
Chancen, gilt der Staat doch als einer der konservativsten im
ganzen Land. Entsprechend verwirrt reagiert einerseits die Gay
Community, aber auch die politischen Gegner: Beide klingen in
ihren Aussagen überraschend ähnlich. So erklärt der
LGBT-Koordinator der Regierung Obama, dass es so einfach nicht
gehe. Wenn er der offizielle Präsidentschaftskandidat der
Republikaner werde, dann könne man erwarten, dass er dann wieder
auf "best friend" mit den LGBT-Wählern mache, fügte er hinzu.
Dies ist nicht das einzige Mal, dass sich Mitt Romney als
Flip-Flopper entpuppt. Als er damals Gouverneur von Massachusetts
war, führte er eine Gesundheitsreform durch mit einer
Krankenkasse für alle, genauso wie es der aktuelle US-Präsident
Barack Obama im ganzen Land einführen will. Als Romney das
Gesetz in Massachusetts in die Tat umsetzte, erklärte er
staatsmännisch, dass dieses Gesetz am besten gleich für das
ganze Land umgesetzt werden solle. Da nun aber Barack Obama
gerade durch diese Gesundheitsreform massiv an Popularität
eingebüsst hat, will nun Romney plötzlich auch nichts mehr von
seinen früheren Aussagen wissen.
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