INTERVIEW: Ellen Page

INTERVIEW: Ellen Page
Um ihren aktuellen Film "Freeheld" in Zürich zu präsentieren, schaute Ellen Page, zusammen mit Regisseur Peter Sollett und Produzent Michael Shamberg, am Zurich Film Festival vorbei. Dass ihr der Film am Herzen liegt, zeigte sich schon alleine daran, dass Ellen Page bereits seit vielen Jahren eng an der Umsetzung dieses Projekts mithalf...

Sie stand nicht nur neben Julianne Moore vor der Kamera, sondern, sie trat auch als Produzentin von "Freeheld" auf. Schon alleine dies zeigt, wie stark ihr dieser Film am Herzen liegt. Dies kommt auch nicht von ungefähr, ist der Film doch einerseits ein Liebesfilm, aber auch ein wichtiger Beitrag über die Geschichte der LGBT-Rights-Bewegung in den USA. Es war im vergangenen Jahr, just am Valentinstag, als sich Ellen Page während ihrer Rede an der Konferenz der LGBT-Organisation Human Rights Campaign geoutet hat. Damals erklärte die heute 28-Jährige, dass sie hoffe, dass sie eines Tages heiraten könne. Dieser Wunsch wurde ihr nun mit dem Urteil des US-Supreme Courts ermöglicht.

"Freeheld" basiert auf der wahren Geschichte von Laurel Hester und Stacie Andree. Nachdem Laurel, eine amerikanische Polizistin aus New Jersey, die Diagnose Lungenkrebs erhält, möchte sie ihre Ansprüche auf ihre Pension an ihre Lebensgefährtin Stacie überschreiben, doch die Behörden stellen sich quer. Lange vor Marriage Equality begann für Laurel der Kampf um die Rechte für gleichgeschlechtliche Paare, denn diese sollen im Sterbefall ebenfalls jene Rentenansprüche erhalten, wie sie auch heterosexuellen Paaren zustehen.

Ein Shortfilm mit dem Namen "Freeheld" wurde bereits im Jahr 2008 mit einem Oscar ausgezeichnet. Darin erzählt Laurel persönlich über ihren Kampf um die rechtliche Anerkennung von LGBT-Paare. Von dieser grossen Auszeichnung erfuhr Laurel aber leider nicht mehr: Sie verstarb am 18. Februar 2006 im Alter von 49 Jahren. Zwei Jahre nach den Oscars kündigte Drehbuchautor Ron Nyswaner an, aus dieser Doku einen Kinofilm zu machen. Dabei ging es den Filmemachern vor allem darum, das doch sehr limitierte Publikumssegment einer Doku auf die breitere Öffentlichkeit zu erweitern, denn der Film hat eine derart wichtige Botschaft. Ebenfalls bereits an Bord war zu dieser Zeit Ellen Page, welche die Rolle von Andree übernehmen sollte. Im Februar 2014 konnte zudem auch noch Julianne Moore als Hauptdarstellerin dazu gewonnen werden.

Wann hast Du das erste Mal von der Geschichte von Laurel und Stacie gehört und was hat das in Dir ausgelöst?
Mit 21, das war vor Jahren, erhielt ich die Dokumentation "Freeheld", und sie fragten mich, ob ich es mir vorstellen könnte "Stacie" in einem Film zu spielen. Ich schaute mir also die Dokumentation an und war zu Tränen gerührt. Ich sagte ihnen sofort zu, und war sehr dankbar und empfand es als sehr grosszügig von den Machern, dass ich auch derart eng bei der Ausarbeitung dieses Projekts mithelfen durfte. So begann das also.

Und was hat die Geschichte in Dir ausgelöst?
Nun, ich denke mal, dass es einfach mal eine wunderschöne Liebesgeschichte ist. Diese Frauen hatten soviel Zuneigung und Hingabe für einander, und Lauren musste etwas durchmachen, was einfach unvorstellbar ist. Als Polizisten lebte sie ihr Leben lang dafür, die Menschen von New Jersey zu beschützen, und dann am Ende werden ihr einfach ihre Rechte verweigert, damit also auch der Frau, mit der man das ganze Leben zusammen sein möchte, mit der man ein gemeinsames Haus hat, und das beginnt sich dann einfach alles langsam aufzulösen. Das ist einfach so herzzerreissend, und es ist auch einfach so unnötig. Und ja, ich fühlte mich sehr dankbar, dass ich ihre Geschichte erzählen durfte, denn was die Beiden gemacht haben ist sehr beeindruckend und war auch extrem wichtig.

Du warst auch oft mit Stacie Andree zusammen?
Ja, genau, wie auch Julianne und andere Cast-Mitglieder. Stacie war so grosszügig uns allen gegenüber. Wie Du Dir vorstellen kannst, war es auch für sie sehr emotional über diese harte Zeit und die Erlebnisse mit Laurel zu sprechen. Doch sie wusste auch, dass wir wollten, dass sie sich bei uns geborgen fühlt, denn es war unser Anliegen, einen möglichst authentischen und lebensnahen Film zu drehen. Es war sehr wertvoll sie am Set zu haben, damit sie uns ihre Geschichte persönlich erzählen konnte.

Wie war es für Dich mit Julianne Moore zusammenzuarbeiten?
Wir haben etwas zusammen geprobt, nicht sehr viel. Es hat aber gleich sehr gut harmoniert zwischen uns. Ich kann nicht für Julianne sprechen, aber klar, ich war natürlich sehr nervös mit ihr zusammenzuarbeiten. Wir mochten uns gleich und wir konnten so eine Partnerschaft aufbauen, und, was wichtig war, nicht nur vor der Kamera, sondern auch sonst am Set. Es war ehrlich gesagt schon fast so, als wären wir ein Paar. Wir neckten uns immer wieder, berührten uns, und dadurch fühlte sich das Ganze sehr natürlich an für uns, nicht irgendwie aufgezwungen. Ich hoffe, das spürt man auch, wenn man uns auf der Leinwand sieht.

Welches war für Dich die emotionalste Erfahrung während den Dreharbeiten?
Die wohl intensivste Szene war wohl, als wir drehten, wie Stacie erfährt, dass Laurel sterben muss, dass es keine Heilungschancen mehr gibt und dass die gemeinsame Zeit, welche ihnen noch bleibt, sehr stark limitiert ist. Des weiteren war es auch noch die letzte Szene mit Julianne. Es war vor allem auch daher so emotional und intensiv, weil wir wussten, dass es das wahre Leben zweier Menschen ist, und über jemanden, den wir nun auch persönlich kannten, mit dem wir viel Zeit verbrachten und viel darüber sprachen, wie es sich damals für sie angefühlt hat. Natürlich ist es auch hart, wenn man es sich selber vorstellt, dass die Liebe deines Lebens stirbt. Das war sehr niederschmetternd, nicht zuletzt auch, weil ich mich so gut in Stacie hineinversetzen konnte.

Wie hat Stacie auf den Film reagiert?
Es ist sehr schwierig zu sagen. Ich kann nicht sagen, sie war glücklich darüber, denn wäre Laurel nicht gestorben, bräuchte es diesen Film nicht. Ich kann mir auch gut vorstellen, was es für Stacie bedeutet, diesen Film zu sehen. Sie ist insofern zufrieden damit, da der Film authentisch und wahr ist, und dass sie sich gut dargestellt sieht. Um für uns alle zu sprechen, dass war auch unser Hauptanliegen, den Film so real und echt wie nur möglich zu machen.

Wie wichtig ist dieser Film deiner Meinung nach für die LGBT-Bewegung?
Ich denke, er hat sicher eine Bedeutung gerade für lesbische Frauen. Wir hatten grossartige Filme wie "Philadelphia", "Brokeback Mountain" und "Milk", doch lesbische Frauen hatten bislang kaum die Möglichkeit ihren Beitrag im Kampf für Equality zu zeigen. Für mich ist es auch ein freudiges Zeichen um zu zeigen, wie weit Amerika schon gekommen ist. Die Geschichte passierte ja vor noch nicht allzu langer Zeit. Der Film zeigt, was Diskriminierung bewirkt und auf wessen Kosten es gehen kann. Wir hatten ja erst gerade die Entscheidung des Supreme Court, und dies ist derart erfreulich. Es gibt aber auch immer wieder Rückschläge, und ich hoffe, dass der Film aufzeigen kann, weshalb es derart wichtig ist, dass wir die absolute Gleichstellung erreichen müssen.

Nun eine Frage zu Hollywood: Wie ist es für Dich als Frau in Hollywood zu arbeiten, und auch noch als lesbische Frau?
Also, offensichtlich und statistisch gesehen gibt es weniger Frauen hinter der Kamera, weniger Frauen die Musik komponieren, weniger Frauen, welche die Geschichten schreiben, weniger Frauen, welche schauspielern. Ich denke aber, dass diesbezüglich nun ein Dialog entstanden ist, und dass sich da etwas bewegt. Ich hoffe dabei, dass es sich dabei generell in Richtung mehr Diversity bewegt, also auch in Bezug etwa auf afroamerikanische Frauen etwa. Diese haben es ebenso schwer, dass sie es schaffen, dass ihre Geschichten erzählt werden. Aber ich denke, wir sehen es gerade jetzt im Fernsehen, dass sich das Publikum eigentlich mehr Vielfalt wünscht. Sie wollen andere Geschichten sehen, und sie fühlen sich davon angesprochen. Die Filmindustrie wird dies hoffentlich bald auch honorieren. Als lesbische Frau in Hollywood, hmmm, nun, es gibt nicht gerade viele lesbische Frauen, welche sich geoutet haben. Es ist also schwierig zu beurteilen, was das genau bedeutet. Ich persönlich bin sehr dankbar und fühle mich privilegiert, und ich habe viele wunderbare Möglichkeiten erhalten, konnte mit vielen wunderbaren Menschen zusammenarbeiten und etwas realisieren. Ich bin also sehr dankbar für all die Optionen und Möglichkeiten, welche ich habe.

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Freeheld startet bei uns im Frühjahr 2016 in den Kinos...

Genre:
Drama, LGBT

Filmlänge:
103min

Regie:
Peter Sollett

Drehbuch:
Ron Nyswaner

Cast:

Julianne Moore, Ellen Page, Michael Shannon, Luke Grimes, Steve Carrell uam.

Kinostart:
DCH: 07.04.2016
FCH: 10.02.2016

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