ANNETT LOUISAN
interview nach dem showcase im kaufleuten am 2.2.05
(08.02.05/lp) "Ich will doch nur spielen...": Annett Louisan erobert langsam auch die Schweizer Charts. Wir haben sie getroffen und über Liebe, Musik und über ihre Karriere gesprochen.

Dienstagabend, 1. Februar 2005: Der Club Kaufleuten ist voll. Alle warten auf die Newcomerin aus Deutschland. Mit einem tobenden Applaus wird sie begrüsst. Auf der Bühne Annett Louisan und zwei Gitarristen. Ruhig hören die Zuschauer zu. Sie singt laszive Texte mit Charme und Witz.

"Ich bin überrascht, wie herzlich ich empfangen wurde. Ich bin das erste Mal hier und die Leute singen schon mit. Das ist unglaublich!"

Deine erste CD "Boheme" erschien im Oktober 2004. Innert kürzester Zeit kletterte sie die Deutschen Charts rauf, obwohl du noch ein Nobody war. Wie konnte es soweit kommen?

"Kaum spielte eine Radiostation ein Lied von mir, erkundigten sich viele Leute danach. So klapperten wir die Stationen ab und baten sie nur einmal einen Song zu spielen. Und alle hatten die gleichen Reaktionen. Die Zuhörer fragten nach. Schliesslich habe ich nur ein paar Demos an einigen Labels verschickt und schon hatte ich den Plattendeal!"

Und die Medien fragten sich wohl dann alle, woher du plötzlich auftauchst...
"Oh ja. Im Moment ist es schon fast pervers. All die Superstar-Sendungen machen es fast unmöglich, dass andere Künstler an die Front kommen. Die Medien sehen hinter jedem Baum etwas Konstruiertes. Sie haben mich dann sogleich bei meinem Aussehen gepackt: Blond, klein, Lolita... Aber ich wusste ja schon, dass sie hauptsächlich diese Themen anschneiden werden und so habe ich ihnen den gewünschten Stoff von Anfang gegeben, den sie wollten. Ich habe einfach ein bisschen mitgespielt. Doch: Ich bin ein Mädchen und ich hatte deswegen noch nie Nachteile."

Hört man deine Texte, dann bekommt das Gefühl, du wärst wohl schon ein paar Mal von Männern enttäuscht worden und nun schlägst du auf dieser Weise zurück...
"Eigentlich nicht. Es ist nun mal so, dass ich an gewissen Stellen der Songs etwas charmant und unverschämt zu gleich bin. Es gibt ja auch genug Blondinenwitze... Die Texte sind ein Spiel zwischen meiner Person und der Selbstironie. Ich bin eine Romantikerin. Bei romantischen Personen geht oft etwas schief. Die Leute hören besser hin, wenn etwas nicht ganz perfekt ist. Und natürlich sind ein paar Sachen etwas überspitzt. Vielleicht sind da auch ein paar Klischees dabei. Das hat mich gereizt."

Deine Texte klingen manchmal wie bei "Sex And The City"...
(lacht): "Ich liebe Sex And The City! Ich bin ein frenetischer Gugger. Ich habe alle Folgen zu Hause! Ich finde es auch gut, dass sie aufgehört haben."
 
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foto: sven-oliver durke
"Ich liebe Sex And The City! Ich bin ein frenetischer Gugger."
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foto: mathias bothor
"Im Moment ist es schon fast pervers. All die Superstar-Sendungen machen es fast unmöglich, dass andere Künstler an die Front kommen!"
 
Wie geht es dann mit deiner Musik weiter nach diesem Debüt?
Ich will auf diesem Niveau bleiben, mich aber weiterentwickeln. Die Leute erwarten, dass da etwas Neues kommt, es aber nicht gleich klingt. Und das Thema Liebe hat so ein breites Spektrum... Ich möchte mehr auf das Alltägliche eingehen, anstatt nur auf die Mann/Frau-Beziehung. Musikalisch kann ich mir vorstellen mit ein paar Gästen zusammenzuarbeiten, damit noch mehr Farbe reinkommt.

Was hast du vor dem Singen gemacht?

Ich war Studentin. Malerei und so. Das gab mir auch genug Zeit meine musikalische Seite auszuleben. Irgendwann wurde aus dem Nebenbei ernst und ich fing an damit Geld zu verdienen, z.B. als Studiosängerin. Dadurch gingen viele Türen auf. Viele Leute haben auch an mich geglaubt. Ich hatte auch Glück, dass ich an die richtige Leute gelangt bin.

Beschreibe dich mal in neun Adjektive!

Süss: Dieses Wort kann ich nicht auslassen. Ich kriege das viel zu hören. Man sagt nicht "du bist schön" sondern "du bist süss". Wahrscheinlich will man ja oft das Gegenteil von dem, was man bekommt. (Pause) Eh, chaotisch, dickköpfig, energisch, schüchtern, leidenschaftlich - wahrscheinlich zu leidenschaftlich - zu wenig rational, wehmutig und... (denkt...) faul!

Hast du schwule oder lesbische Kollegen?

Ja. Was mich stolz macht, ist dass meine Musik bereits am Anfang bei Schwulen und Lesben sehr gut angekommen ist. Diese Leute haben einen guten Musikgeschmack und sie lassen sich nicht alles andrehen. Das ist ein Kompliment!