BRAVO / DR. SOMMER TEAM
eveline von arx
interview per mail

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bravo©M.Wilfling

"Wir sind für dich da! Egal ob Trouble mit dem Freund, Stress mit den Eltern oder Probleme beim Sex . . .": Seit mittlerweile 37 Jahren kümmert sich "Dr. Sommer" von BRAVO um die Anliegen der Jugend. Seit drei Jahren ist das Team übrigens unter Schweizer Führung. gay.ch hat die Leiterin Eveline von Arx zu ihrer Arbeit und dem "Dr.-Sommer-Team" generell befragt.

Völlig revolutionär startete im Oktober 1969 der heute 79-jährige Martin Goldstein, Leiter einer Jugendberatungsstelle der Stadt Köln, erstmals mit dem Beantworten von Leserbriefen für die BRAVO in der Rubrik "Was Dich Bewegt...". Da es damals für einen Psychotherapeuten als unseriös galt, bei einer Jugendzeitschrift zu arbeiten, trat er unter dem fiktiven Pseudonym "Dr. Jochen Sommer" auf.

Das Novum schlug ein wie eine Bombe und er wurde überrannt mit Fragen von Jugendlichen, welche froh waren endlich eine Ansprechperson für ihre intimen Probleme zu haben. Anders sah es da allerdings bei den Eltern aus: BRAVO polarisierte. In manchen Haushalten war die Zeitschrift das Verbotenste überhaupt, während andere Eltern gerade froh waren, dass sie sich nicht selber um die Aufklärung ihrer Kinder kümmern mussten.

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alle titelbilder: bravo©

KAPAZITÄTSENGPÄSSE
Schon bald reichte die Kapazität nicht mehr aus um alle Briefe der BRAVO-LeserInnen zu beantworten, und so hiess es ab 1976 "Dr. Jochen Sommer und sein Team". Sechs Jahre später stand die nächste grosse Veränderung ins Haus: "Dr. Sommer" verlässt nach dreizehn Jahren Beratungsarbeit die Zeitschrift. Sein Name wurde längst zum Sinnbild für Aufklärung und seriöse Jugendarbeit, weshalb der Name nur gering zum heute noch bestehenden "Dr.-Sommer-Team" geändert wurde. Seit dem 1. Juli 2003 stehen die sechs erfahrenen Berater und Beraterinnen (4 bei BRAVO, 2 bei BRAVO.de) - alle Spezialisten aus pädagogischen, psychologischen und sexualtherapeutischen Fachrichtungen - unter der Leitung der Schweizer Pädagogin Eveline von Arx.

SERIÖS, OFFEN, INDIVIDUELL
"Ich habe an der Uni in Zürich promoviert und wurde durch eine Kollegin und wissenschaftliche Mitarbeiterin darauf aufmerksam gemacht, dass BRAVO offenbar eine Leitung für das "Dr.-Sommer-Team" sucht." führt Eveline von Arx aus. "So habe ich mich für die Stelle beworben, wurde zum Vorstellungsgespräch eingeladen und erhielt dann positiven Bescheid, dass ich die Stelle per 1. Juli 2003 antreten kann." Auf die Frage, wie das Internet die Arbeit des "Dr.-Sommer-Teams" beeinflusst hat, meinte von Arx gegenüber gay.ch: "Jugendliche haben heute allgemein mehr Informationsquellen, doch wenn es um individuelle und persönliche Probleme geht, dann wenden sie sich immer noch ans "Dr.-Sommer-Team" bei BRAVO; per Brief oder indem sie in die Telefonsprechstunde anrufen." Besonderen Wert setzt das "Dr.-Sommer-Team" nach wie vor auf Offenheit und Seriosität. "Das "Dr.-Sommer-Team" nennt die Dinge beim Namen und unsere Veröffentlichungen repräsentieren die Anfragen der Leser. Natürlich in gekürzter und anonymisierter Form."

BESTÄRKEN, MUT MACHEN
Homosexualität ist natürlich auch beim "Dr.-Sommer-Team" ein ständiges Thema. "Es geht meistens um die Frage: Bin ich schwul/lesbisch? Oder auch darum, wie sie ihren Eltern sagen sollen, dass sie homosexuell sind. Viele wollen auch wissen, wie sie andere homosexuelle Jugendliche kennen lernen können." erklärt Eveline von Arx uns gegenüber. Während "heterosexuelle Mädchen" generell neugieriger und "schreibfreudiger" sind, erhält die Redaktion bei den Homosexuellen jedoch mehr Anfragen von jungen Schwulen als von Lesben: "Wir bekommen in der Tat mehr Anfragen von Jungen. Bei Mädchen ist es allgemein üblicher, körperliche Nähe untereinander zuzulassen und zu zeigen." Und fügt an: "Gleichgeschlechtliche Liebe ist heute sicher akzeptierter als in den Anfangszeiten von Doktor Sommer. Es ist ganz wichtig, Jugendliche darin zu bestärken, dass sie okay sind und so fühlen dürfen, wie sie fühlen - egal, ob sie schwul, lesbisch, bi- oder heterosexuell sind. Bezüglich Coming-Out (v.a. gegenüber den Eltern) weisen wir Jugendliche darauf hin, sich vorher an eine andere Person zu wenden, der sie wirklich vertrauen. Auch schwul-lesbische Jugendgruppen sind sinnvoll, denn da können sich homosexuelle Jugendliche über ihre Erfahrungen austauschen."

Wer nun allerdings denkt, das "Dr.-Sommer-Team" habe längst gegen das Internet verloren, der hat sich getäuscht. Noch immer bekommt die BRAVO-Redaktion mehrere hundert Anfragen pro Woche und steht auf Platz drei in Sachen Aufklärung für Jugendliche. So dürfen wir uns also auch weiterhin über Probleme, wie "Wie geht Küssen?" oder "Mein Penis ist krumm", freuen.