MILOW
interview am 20.04. in zürich

Mit "Ayo Technology" ist der Belgier zur Zeit auf den Vormarsch. Wir haben den sympathischen Sänger vor einem Showcase in Zürich getroffen.



gay.ch: Sagt dir der Name Sandra Kim etwas?
Milow: Natürlich, das war der bisher einzige Eurovision-Gewinner-Titel aus Belgien. Die hat damals mit dem Alter geschummelt!

Sie sagte sie sei 16, nicht?
Ich glaube sie war 14. Auf jeden Fall könnte man heute so etwas nicht mehr machen. Man kann ja jeden googlen heutzutage...

Du heisst eigentlich Jonathan. Für was steht der Name Milow?
Keine Ahnung (lacht). Ich habe einfach mal mit Buchstaben experimentiert. Ist also kein Band-Name, wie viele meinen. Von mir wird es in dem Fall nie eine "Reunion" geben oder so.

Du kannst verdammt gut Englisch. Wo hast du es gelernt?

Ich habe als Kind schon immer englische Song gehört und die Lyrics genau gelesen. Und ich habe immer englische Games-Zeitschriften gelesen. Zudem habe ich ein Jahr lang in Kalifornien an der High School Englisch gelernt. Ich wusste damals schon: Falls ich mal auf der Bühne stehe, dann muss mein Englisch gut sein. Wenn man die Kandidaten von Casting-Shows zuhört... Viele singen ein grässliches Englisch.

Hast du 50 Cent um Erlaubnis bieten müssen, dass du "Ayo Technology" singen darfst?
Wenn man einen Song 1 zu 1 nachsingt, dann muss man nicht um Erlaubnis fragen, aber ich habe ja den Text zum Teil geändert. Also musste ich sicher gehen, dass sie das OK geben, sonst würde ich vielleicht erschossen werden (lacht). Ich habe aber nicht mit 50 Cent selber, sondern mit der Publishing-Firma gesprochen.

Auf YouTube und in Blogs fragt man sich, zum Clip von "Ayo Technology", welche Flüssigkeit auf deinem Kopf und Mund ist. Man tipp auf Honig.
Genau! So eine grosse Menge Honig im Mund zu haben, das ist nicht so fein. Ich habe noch drei Tage danach das Gefühl gehabt, ich schmecke das Zeug noch in meinem Mund. Aber die Idee vom Clip ist, dass die goldige Frau die Bienenkönigin ist. Und es geht ausserdem um Voyeure und Cybersex. Die goldige Frau ist übrigens natürlich von James Bond inspiriert. Der Clip wurde von Kollegen von mir gemacht, mit denen ich an einer Filmschule war.

Im Song "Stephanie": Geht es da tatsächlich um ein Mädchen das ermordet wurde?
Ja, die Geschichte ist tatsächlich 2004 in Belgien passiert. Sie war eine Kollegin von meiner Stiefschwester. Das tragische ist, dass dieses Mädchen kurz davor war die Schule zu beenden und dann wäre sie frei und hätte von zu Hause ausziehen können. Sie war erst noch 18 und hatte das Beste vom Leben noch vor sich. Sie wurde von ihrer Stiefmutter und Stiefbruder ermodert. Beide waren eifersüchtig auf sie. Man sprach damals von ersten "SMS-Mord", weil sie ihrem Vater eine SMS schrieb und von den Auseinandersetzungen erzählte, die gerade am Laufen waren. So konnten die Mörder auch sehr rasch gefunden werden.

Und um was geht es beim Song "Canada"? Möchtest du wirklich mal dort hinziehen?
Den Song hab ich geschrieben, bevor ich einen Plattenvertrag hatte. Es geht um die Vision, einfach mal wegzuziehen und berühmt zu werden. Ich sehe mich da als Europäer, der in die weite Welt hinaus möchte. Meine Idole - Songwriter und Sänger - sind hauptsächlich aus den USA, aber Amerika als Songtitel zu nehmen, das wäre nicht sexy, das macht doch jeder. Darum hab ich einfach Kanada gewählt. 

Bist du das erste Mal in der Schweiz?
Als Sänger schon, aber vor ein paar Jahren war ich schon mal hier, um ein Kollegen zu besuchen. Im Sommer komme ich aber dann wieder in die Schweiz, dann trete ich u.a. am Gampel in St. Gallen auf.

Und wohin geht es morgen, auf deiner Promo-Tour?

Nach Wien.

Dann viel Spass und Erfolg...

Hat dir meine CD gefallen?

Ja.

Du würdest es mir aber sagen, wenn sie dir nicht gefallen hat.

Sicher doch. Am besten haben mir "Stephanie" und "Canada" gefallen.
Guter Geschmack (lacht).

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milow - --- (764822)

Milow, eigentlich Jonathan Vandenbroeck - diesen Namen kennen hierzulande wohl nur wenige. Stichwort Belgien? Bö! Akustikgitarre? Ach, da gibt es doch so viele die Gitarre spielen!

Stundenlang könnte das so weiter gehen, doch spätestens beim Stichwort "Ayo Technology" fällt wohl jedem Radiohörer der Groschen.

Milow ist der der Justin Timberlake & 50 Cent gecovert hat. So gut, dass es sich um Längen besser als das Original anhört und von den Radiostationen zurzeit auf und ab gespielt wird.

Das selbstbetitelte dritte Album des Singer-Songwriters ist sein Debütalbum ausserhalb Belgiens. In seiner Heimat und in den Niederlanden ist der junge Kerl bereits seit 2007 ein kleiner Musikstar und mit seiner lässig-coolen "Ayo Technology"-Version stürmt er nun auch die Charts der deutschsprachigen Region.

Doch wie so oft kann gerade der grösste Hit zugleich den Todesstoss eines jeden Künstlers bedeuten. Was kommt einem zum Beispiel in den Sinn bei dem Namen Sarah Jessica Parker? Natürlich Sex and the City. Und weiter? Erstmals zehn Minuten studieren und vielleicht kommt da noch was anderes.

t.A.T.u? Ach, das sind doch diese vormals Möchtegern-Lesben aus Russland! Und weiter? All the things she said und Eurovision. Das wars dann so. Nek? Laura non c'e! Und weiter? Ja, lassen wir das mal.

Hat man einmal ein Image erworben, egal ob bewusst oder nicht, reduziert man natürlich nur auf das eine. Und solch ein ähnliches Schicksal könnte nun auch dem armen Milow vorschweben. Schubladisieren nennt man das und dabei hat er sich so viel Mühe gegeben mit seine CD: Ganze fünfzehn Tracks sind drauf, allesamt schön arrangiert, mit süssen stimmlichen Harmonien und viel Gitarre und Gefühl. Alles selbst geschrieben.

Nach dem Über-Hit "Ayo Technology" folgen vierzehn weitere, zwar weniger "coole" aber dafür überaus zarte und emotionale Songs. Facettenreich singt er zu den abwechslungsreichen Arrangements - mal rockiger, mal folkiger, mal ruhiger.

Milows kehlige, ein wenig ins Rauchige tendierende Stimme, kommt dem Gesamtkonzept des entspannt musizierenden Belgiers dabei sehr entgegen. Entspannt heisst hier jedoch nicht unbeschwert, denn Songs wie "You Don't Know", mit der er in Belgien den Durchbruch schaffte, können sich unter Umständen schwer wie ein Bleischuh anfühlen und zartbesaitete Gemüter in dunkle emotionale Tiefen ziehen.

Zwischenzeitlich verirrt er sich zwar in abgelutschte Mainstreamrock-Gefilde, doch das ist schnell verziehen, denn wandelbar ist der Junge. Mal erklingt Südstaaten-Sound ("The Priest"), nur um im nächsten Song den Irländer rauszuhängen ("House by the Creek")

Mit der wunderschönen Gitarren-Geige-Glockenspiel-Ballade "Born in the Eighties" endet die wundersame Reise im Milows Musik-Universum - nach einer ganzen Stunde Spielzeit.

Fazit: Milow ist definit mehr als nur ein One-Hit-Wonder und mit etwas Geduld wird das auch hoffentlich von anderen Radiohörern und -hörerinnen erkannt.