2RAUMWOHNUNG
electro pop aus deutschland

interview am montag 12. august 2002 in zürich

people image
2 Raumwohnung: Inga Humpe und Tommi Eckart.

(12.08.02/lp) Gays dürfen am Deutschen Pop-Duo nicht vorbeihören. 2Raumwohnung machen Elektro-Pop, haben schwule Freunde (u.a. Rosenstolz) und ihre Inspiration kommt auch von der schwulen Party-Szene. Der Underground-Groove ist in ihrer Musik nicht zu überhören.

Am Montag 12. August 2002 haben wir Inga und Tommi um 16h20 im Hotel Rössli in Zürich getroffen. Fotos dürften wir keine machen. ("Es gibt von uns ja schon schöne Pics"). Das hat sie noch sympathischer gemacht. Die Musik ist das, was zählt. 2Raumwohnung sind eine Ausnahmeerscheinung.
WETTBEWERB
people image
5 cds "in wirklich"
5 maxis "ich und elaine"

click hier


Inga Humpe und Tommi Eckart: Unspektakulär, einfach gekleidet; das Interview war locker und offen. Rund 30 Minuten nahmen sie sich Zeit. Wenn das Wetter nicht so unsicher gewesen wäre, dann hätten wir das Hotelzimmer gegen die Terrasse eIngatauscht. 

Sie traten am Tag der Streetparade in der Toni Molkerei auf. Trotzdem haben sie das Ganze miterlebt. Unsere erste Frage wurde dementsprechend ohne Zögern beantwortet:

Wart ihr an der Streetparade?
Tommi:
Ja. Der Regen war unfreundlich. Dafür die Stimmung umso besser.

Wie ist der Name 2Raumwohnung entstanden?

Tommi: Wir suchten nach einem Namen mit der Zahl 2 und erinnerten uns plötzlich daran, dass in Ost-Deutschland für eine 2-Zimmer-Wohnung der Ausdruck "2Raumwohnung" gebraucht wurde. Und was man auch oft vergisst (oder inzwischen vergessen hat): Die Ossis waren nicht so materiell eIngastellt. Welchen Auto man fuhr, spielte eine untergeordnete Rolle.

Welcher Bezug habt ihr zu Gays?

Inga: Sie können sich gehen lassen. Der sozialer Austausch ist anders. Die Hetero-Szene ist verkrampfter. Gays feiern gute Partys. Wir haben viele schwule Kollegen. Da unsere Musik unkonventionell ist, fühlen wir uns mit dieser Szene verbunden. Man könnte fast sagen, dass wir mit unserer Musik ebenso zu einer - sozusagen - "Minderheit" angehören.

Inga, Du singst über eine "sexy Girl" und die neue Single heisst "Elaine und ich"...
Inga:
Wenn eine Frau über eine Frau singt, dann ist das eine Erweiterung des Horizonts und ein Zeichen der Toleranz. Als Hetero finde ich Frauen auch toll. Hatte da auch so meine Erfahrungen. Nähe kann sexy sein. Man kann ohne Sex eine sexy Beziehung zu einem Menschen haben. So, wie man zu einem Mann eine unsexy Beziehung haben kann. Es gibt viele Formen von Liebe und Sex. Ich lasse mich nicht gerne in einer Schwarz/Weiss-Welt hineinpressen.

Rosenstolz - die kommende CD hat ja 2Raumwohnung-Spuren - ist für euch ja auch kein Fremdwort...

Inga: Wir haben sie einmal an der Popkomm (die grösste Musikmesse in Europa mit rund 15'000 Besucher) kennen gelernt. Sie arbeiten, wie wir, schon lange im Markt. Die Musikindustrie ist kein einfaches Pflaster.
Tommi: Auch die Radiostationen tun sich manchmal schwer unsere Musik abzuspielen. Das liegt u.a. auch an der Deutschen Sprache.
Inga: Wir sind Freunde geworden - besonders mit Peter - tauschen unsere Meinungen aus, spielen unsere Musik ab...

Habt ihr auch, nebst Rosenstolz, für andere Künstler einen Remix realisiert?

Inga: Momentan fehlt uns ein Bisschen die Zeit dazu. Wir haben mit "Sieg über die Sonne" beim Song "i am not a sound" mitgewirkt.
Tommi: Wir haben aber auch den DJ Takkyo Ishino aus Japan kennen gelernt und durch diese Begegnung können wir am 30. August 2002 in Japan am Whire Festival auftreten. Das ist spannend. Japaner sind kulturell ein offenes Volk.

Welche Musik hört ihr den Privat?
Inga:
Von Filmmusik bis ihn zu neuen Sachen auf Vinyl. Momentan hören wir aber auch jazzige Musik von Lee Hazelwood.

Wie, wo und wann entsteht eure Musik?
Inga:
In jeder Form, überall und zu jeder Zeit. Im Studio, im Traum, im Zug...

(zu Inga) Und unter der Dusche ?
Inga:
Ich bade lieber. Bei der Entspannung kann es schon mal vorkommen, dass sich die Muse meldet... Wir lassen uns aber auch von der Musik an Partys genauso inspirieren!
Tommi:
Unsere Musik entsteht ohne Plan. Wir haben weder eine Formel noch einen Ablauf. Manchmal ist eine Melodie zuerst da, manchmal der Text und manchmal macht der Beat den Anfang. Kommt, wie es kommt!