Inga Humpe und Tommi Eckart: Unspektakulär, einfach gekleidet; das Interview war
locker und offen. Rund 30 Minuten nahmen sie sich Zeit. Wenn das Wetter nicht so unsicher
gewesen wäre, dann hätten wir das Hotelzimmer gegen die Terrasse eIngatauscht.
Sie traten am Tag der Streetparade in der Toni Molkerei auf. Trotzdem haben sie das Ganze
miterlebt. Unsere erste Frage wurde dementsprechend ohne Zögern beantwortet:
Wart ihr an der Streetparade?
Tommi: Ja. Der Regen war unfreundlich. Dafür die Stimmung umso besser.
Wie ist der Name 2Raumwohnung entstanden?
Tommi: Wir suchten nach einem Namen mit der Zahl 2 und erinnerten uns plötzlich
daran, dass in Ost-Deutschland für eine 2-Zimmer-Wohnung der Ausdruck
"2Raumwohnung" gebraucht wurde. Und was man auch oft vergisst (oder inzwischen
vergessen hat): Die Ossis waren nicht so materiell eIngastellt. Welchen Auto man fuhr,
spielte eine untergeordnete Rolle.
Welcher Bezug habt ihr zu Gays?
Inga: Sie können sich gehen lassen. Der sozialer Austausch ist anders. Die
Hetero-Szene ist verkrampfter. Gays feiern gute Partys. Wir haben viele schwule Kollegen.
Da unsere Musik unkonventionell ist, fühlen wir uns mit dieser Szene verbunden. Man
könnte fast sagen, dass wir mit unserer Musik ebenso zu einer - sozusagen -
"Minderheit" angehören.
Inga, Du singst über eine "sexy Girl" und die neue Single heisst "Elaine
und ich"...
Inga: Wenn eine Frau über eine Frau singt, dann ist das eine Erweiterung des
Horizonts und ein Zeichen der Toleranz. Als Hetero finde ich Frauen auch toll. Hatte da
auch so meine Erfahrungen. Nähe kann sexy sein. Man kann ohne Sex eine sexy Beziehung zu
einem Menschen haben. So, wie man zu einem Mann eine unsexy Beziehung haben kann. Es gibt
viele Formen von Liebe und Sex. Ich lasse mich nicht gerne in einer Schwarz/Weiss-Welt
hineinpressen.
Rosenstolz - die kommende CD hat ja 2Raumwohnung-Spuren - ist für euch ja auch kein
Fremdwort...
Inga: Wir haben sie einmal an der Popkomm (die grösste Musikmesse in Europa mit
rund 15'000 Besucher) kennen gelernt. Sie arbeiten, wie wir, schon lange im Markt. Die
Musikindustrie ist kein einfaches Pflaster.
Tommi: Auch die Radiostationen tun sich manchmal schwer unsere Musik abzuspielen.
Das liegt u.a. auch an der Deutschen Sprache.
Inga: Wir sind Freunde geworden - besonders mit Peter - tauschen unsere Meinungen
aus, spielen unsere Musik ab...
Habt ihr auch, nebst Rosenstolz, für andere Künstler einen Remix realisiert?
Inga: Momentan fehlt uns ein Bisschen die Zeit dazu. Wir haben mit "Sieg über
die Sonne" beim Song "i am not a sound" mitgewirkt.
Tommi: Wir haben aber auch den DJ Takkyo Ishino aus Japan kennen gelernt und durch
diese Begegnung können wir am 30. August 2002 in Japan am Whire Festival auftreten. Das
ist spannend. Japaner sind kulturell ein offenes Volk.
Welche Musik hört ihr den Privat?
Inga: Von Filmmusik bis ihn zu neuen Sachen auf Vinyl. Momentan hören wir aber auch
jazzige Musik von Lee Hazelwood.
Wie, wo und wann entsteht eure Musik?
Inga: In jeder Form, überall und zu jeder Zeit. Im Studio, im Traum, im Zug...
(zu Inga) Und unter der Dusche ?
Inga: Ich bade lieber. Bei der Entspannung kann es schon mal vorkommen, dass sich die
Muse meldet... Wir lassen uns aber auch von der Musik an Partys genauso inspirieren!
Tommi: Unsere Musik entsteht ohne Plan. Wir haben weder eine Formel noch einen Ablauf.
Manchmal ist eine Melodie zuerst da, manchmal der Text und manchmal macht der Beat den
Anfang. Kommt, wie es kommt!
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