SCHWEIZ: Grosse Anteilnahme für Berlin aus der Schweiz
Der Anschlag auf den CSD Berlin sorgt für grosse Betroffenheit in der LGBTI+ Community weltweit und in der Schweiz. In einer gemeinsamen Mitteilung drücken die queeren Dachverbände LOS, Pink Cross, Transgender Network Switzerland und InterAction sowie die Organisationskomitees der verschiedenen Schweizer Prides ihre Anteilnahme aus. Auch Städte wie Basel, Bern und Zürich haben in den Sozialen Medien ihre Anteilnahme bekundet. Lichtensteig im Toggenburg, in dem jeweils die Mini.Pride stattfindet, hat zudem als Zeichen der Betroffenheit Pride-Fahnen mit schwarzem Trauerflor gehisst.
Die traurigen Nachrichten bewegen die Community stark und bereiten Sorgen um die eigene Sicherheit. Alessandra Widmer, Co-Geschäftsführerin der Lesbenorganisation LOS, erklärt dazu, dass eine starke Community wichtig sei – sie solle aber nicht allein die Verantwortung tragen müssen. Es brauche die klare Haltung, den Schutz und das entschlossene Handeln von Gesellschaft und Politik, damit LGBTIQ+ Menschen überall frei, sicher und ohne Angst leben können.
Dass queere Menschen einer wachsenden Bedrohung ausgesetzt sind, anerkennt auch der Bund. Aus diesem Grund hat der Bundesrat bereits im letzten Jahr zusätzliche finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt, um Massnahmen zur Unterstützung der Sicherheit von Minderheiten umsetzen zu können. Dabei wurde auch das besondere Schutzbedürfnis der LGBTI+ Community anerkannt. Dies ermöglichte es unter anderem, dass Prides einen Antrag auf Finanzhilfe stellen konnten, um einen Teil der immer grösser werdenden Sicherheitskosten zu decken.
Doch es gibt noch sehr viel Arbeit, gerade auch vonseiten der Behörden. Der Bundesrat hat zwar einen neuen Aktionsplan gegen Hate Crimes vorgestellt, doch darin fehlen nach wie vor wichtige Punkte. Wie Jann Kraus, Vorstandsmitglied von Transgender Network Switzerland, erklärt, fehlen beispielsweise Täterprävention, Massnahmen gegen Hassgruppen sowie jegliches Monitoring von Aufwiegelung gegen queere Personen.
Trotz einer relativen Sicherheit steigen hier in der Schweiz die Zahlen der Hassverbrechen; zudem erhalten queerfeindliche Positionen ein zunehmendes mediales Echo, gibt auch Adrian Knecht, Co-Präsident von Pink Cross, zu bedenken. Es fehlt ein Bewusstsein dafür, mit wie viel Aufwand Projekte wie die LGBTIQ-Helpline von der Community getragen werden und wie bitternötig sie sind und bleiben, um die Ängste und Sorgen von queeren Menschen aufzufangen. Dazu ist auch eine aktivere Haltung der Schweiz nötig.
Die Pride-Veranstaltenden sind sich ihrer Verantwortung durchaus bewusst und werden auch in Zukunft umso entschlossener Demonstrationen und Veranstaltungen für die queere Community organisieren. Nach Prides in Lichtensteig, Zürich, Lausanne, Winterthur, Basel, Liestal und am vergangenen Wochenende in Bern stehen in dieser Saison noch Prides in Chur und Aarau an. Dies bietet eine weitere Gelegenheit, um selbstbewusst queere Sichtbarkeit auf der Strasse zu zeigen.
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Brauchst Du Hilfe und möchtest Du mit jemandem sprechen? Hier findest Du Hilfe:
Die Schweizer LGBT+ Helpline steht Dir unter der Nummer 0800 133 133 kostenlos zur Verfügung. Mehr Infos: lgbt-helpline.ch
Über die Webseite stophate.ch kannst Du zudem einfach online und in verschiedenen Sprachen Hate Crimes an die LGBTIQ Helpline, der offiziellen Meldestelle für queerfeindliche Hassverbrechen, melden.
Weitere Information erhältst Du auch unter:
Du-bist-du.ch: Beratung und Information
Milchjugend: Übersicht über queere Jugendgruppen
Transgender Network Switzerland: Dachorganisation für trans Menschen
LOS: Lesbenorganisation Schweiz
Pink Cross: Dachorganisation schwuler und bisexueller Männer