INTERVIEW/KINO: Sven Schelker von Goliath

INTERVIEW/KINO: Sven Schelker von Goliath
Der Hauptdarsteller vom Schweizer Film „Goliath“ ist kein Unbekannter: Sven Schelker kennen wir bereits aus „Der Kreis“. Wir haben ihn in Basel getroffen und zusammen ein Interview und ein Shooting realisiert.

„Goliath“, der zweite Spielfilm von Regietalent Dominik Locher („Tempo Girl“), feierte im Wettbewerb des Locarno Film Festival 2017 Weltpremiere. Der Film thematisiert rasant und erbarmungslos die hochaktuelle Problematik der Suche nach einer männlichen Identität. Sven Schelker legte für seine Rolle als David 9 Kilo an Muskelmasse zu - eine physische Transformation, die sich in seiner Körperhaltung niederschlägt und dem eindringlichen Schauspiel zusätzliche Kraft verleiht. Jasna Fritzi Bauer („About a Girl“) glänzt in der Rolle der kreativen Jessy, die hin- und hergerissen ist zwischen der heftigen Liebe einer jungen Frau zu ihrem Freund, und vom Beschützerinstinkt einer werdenden Mutter.

Wieso hast du Basel für Hamburg verlassen?
Des Berufes wegen. Aber nicht nur: In Deutschland hat man mehr Möglichkeiten, der Markt ist grösser. Aber ich vermisse Basel natürlich sehr.

In „Der Kreis“ spielst du in Frauenkleidern. War das neu für dich?
Nein, ich bin schon mal in die Rolle einer Frau geschlüpft.

Wie war dein Bezug zur Community davor?
Klar, man hat so seine schwulen Kollegen, aber durch die Geschichte von Ernst und Röbi habe ich doch einiges erfahren, dass ich nicht wusste, vor allem aus den „alten Zeiten“.

Hattest du nicht Bedenken, dass du nach dem Kreis nur noch schwule Rolle bekommst?
Solche Gedanken macht man sich nicht vorgängig. Es gibt schliesslich so viele Rollen, die man spielen kann. Wir drehen gerade einen neuen Film und da habe ich wieder eine ganz andere Rolle, als bei „Der Kreis“ oder bei „Goliath“…

Du spielst in Goliath den David und für diese Rolle hast du eine körperliche Veränderung vollzogen: Du hast an Muskelmasse zugelegt. Wie lange hast du daran gearbeitet?
Ich habe über ein halbes Jahr trainiert, wobei das nur ein kleiner Teil ist. Der wichtigste Teil ist die Umstellung der Ernährung.

Wieso hast du nun die Verwandlung wieder rückgängig gemacht. Du hättest den Muskel-Body ja behalten können…
Dann hätte ich weiterhin die ganze Trainingsarbeit machen müssen. Mir war von Anfang klar, dass ich wieder zu meinen Körper zurück möchte.

Denkst du heute anders über den Körperkult?
Es ist schon etwas besonders, wenn man das mal am eigenen Körper erlebt, aber ich bin ganz zufrieden mit meinem Körper, so wie er ist.

War die Rolle von David von Anfang an genau definiert, oder konntest du mitreden?
Wir haben vor dem Film viel über unsere Rollen gesprochen. Das war auch die Idee von Dominik, dass wir mitreden können. Er wollte uns nicht einfach eine fertige Figur „abgeben“. Als wir angefangen haben zu Drehen, waren die Figuren aber fertig definiert, da braucht es dann keine Anpassungen mehr.

Sowohl bei „Der Kreis“ als auch bei „Goliath“ gibt es Szenen, wo eine grosse Intimität gezeigt wird. Wie gehst du damit um?
Mit der Zeit kennt man sich, Schauspieler, Regisseur, das ganze Team… Man entwickelt eine Vertrauensbasis und dann spielt es keine Rolle, was man gerade spielt.

Hast du während den Dreharbeiten gedrehte Szene angeschaut?
Nein. Mir war einzig wichtig, dass ich vorher ansehen konnte, was man durch die Kamera sieht. So hatte ich das räumliche Gefühl von der Szene besser, welche wir gerade am Drehen waren.

Das einzige, was nicht zu beeinflussen ist, war wohl die Tatsache, dass man mit einem Baby spielt. Dem kann man ja keine Anweisungen geben…
Ja, und wenn dieses auch noch weinen soll. Wir haben folgenden Trick angewendet: Mit kalten Finger sein Hals zu berühren. Das hat gut geklappt.

Wie waren die Szenen für dich, welche Gewalt beinhalten?
Ich bin von Natur aus kein gewalttätiger Mensch, darum war es eine Herausforderung, solche Szenen zu spielen. Ich mag solche Herausforderungen.

Das Ende vom Film lässt alles offen…
Ja. Das bietet jedem die Möglichkeit sich sein eigenes Ende auszudenken. Wir hatten Szenen gedreht, in welchen ein Ende gezeigt wird, haben aber festgestellt, dass der Film mit offenem Ende besser funktioniert. Man hat auch während dem Film immer genug Freiraum, um sich seine Meinung über die Figuren zu bilden.

Genre:
Drama

Filmlänge:
87min

Regie:
Dominik Locher

Cast:
Sven Schelker, Jasna Fritzi Bauer, José Barros uam.

Kinostart:
30. November 2017

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