INTERVIEW: Lukas Dhont (Girl)

INTERVIEW: Lukas Dhont (Girl)
Der Regisseur Lukas Dhont ist ein belgischer Regisseur, der mit seinem Film «Girl» im Nu sich einen Namen in der Welt der alternativen Film-Szene gemacht hat. Wir haben ihn getroffen.

 «Girl» ist ein starker Film über ein 15-Jähriger, den am Anfang seiner Umwandlung zum Mädchen steht, der Weg dahin aber doppelt so schwer ist, denn ebenso im Fokus seines Lebens steht sein Bestreben, eine Ballerina zu werden.

Lukas Dhont stand während dem Zürich Film Festival den Journalisten für ein Gespräch über seinen Film «Girl» zur Verfügung. Bisher hat  entweder Kurzfilme oder aber Dokumentationen aufgenommen. Auch «Girl» hätte eigentlich ein Dokumentarfilm werden sollen, doch «die Protagonistin, Nora, war noch mitten in der Geschlechtsumwandlung», erzählt uns Lukas. Es war also quasi zu früh, obwohl sich Nora und Lukas schon seit einiger Zeit kannten: «Als ich 18 war, befand ich mich in einer schwierigen Zeit, wo ich mit meiner sexuellen Ausrichtung nicht ganz im Klaren war. Damals las ich in einer Zeitung über einen 15-jährigen, der im falschen Körper ist und in der Ballett-Schule von der Jungen- zur Mädchen-Klasse wechseln will, dies aber nicht bewilligt wird.» Die Geschichte liess ihn nicht mehr los und ermutigte ihn zu seinem Coming-Out. Sie war für ihn zum Beispiel geworden, dass man seinen eigenen Weg einschlagen soll und schliesslich nahm er mit Nora Kontakt auf. Sie wurden Freunde. Und, obwohl Nora nicht vor der Kamera stehen wollte, so schrieb Lukas zusammen mit Nora ein Drehbuch für einen Film, der auf ihre Geschichte fundiert ist: «Sie war oft dabei, als wir gedreht haben. Besonders bei den Tanz-Szenen war sie gerne dabei!»

«Girl» lebt auch vom herausragenden Hauptdarsteller Victor Polster. Diese Figur zu finden erwies sich jedoch als keine leichte Aufgabe. Kein Wunder: «Die Anforderungen an die Hauptrolle waren hoch: Die Person musste 15 sein, tanzen und schauspielern sowie Diversität und Eleganz transferieren können. Nach dem rund 500 Junge, Mädchen und Trans-Mädchen gecastet wurden, war wir immer noch nicht fündig geworden. Wir konzentrieren uns schliesslich auf Tanzschulen. Als unser Choreograph Sidi Larbi Cherkaoui bei der Suche unterstützt hat, sind wir auf Victor gestossen, der mit ihm arbeiten wollte. Als Victor getanzt hat, haben wir seine Eleganz und Disziplin gesehen und waren sofort überzeugt die Verkörperung der Hauptrolle vor stehen zu haben.»

Was an diesem Film sicherlich auch aussergewöhnlich ist, ist die Art, wie die Geschichte erzählt wird: «Wenn man über Geschlechtsanpassung spricht, dann meistens, wie Menschen im Umfeld denken und handeln. Ich wollte lieber die innere Welt der Protagonistin aufzeigen.» Denn der grosse Kampf, so Lukas, spielt sich vor allem im Kopf der Person, welche sich im falschen Körper fühlt…

«Girl» ist seit dem 18. Oktober in den Kinos zu sehen.