GESUNDHEIT: Erweiterte Zulassung für HPV-Impfung in der Schweiz
Zwischen 85 und 90 Prozent der sexuell aktiven Menschen infizieren sich zeit ihres Lebens mit Humanen Papillomaviren, womit HPV die bei weitem häufigste sexuell übertragbare Infektion weltweit ist. Während ungefähr 90 Prozent der Fälle vom Körper selber erfolgreich bekämpft werden können, rechnen Forschende damit, dass trotzdem gegen fünf Prozent aller Krebserkrankungen weltweit auf HPV zurückzuführen sind.
Mittlerweile sind über 200 HPV-Typen bekannt, welche verschiedenste gesundheitliche Risiken mit sich bringen können. Dabei zeigen neue Untersuchungen, dass fast jeder dritte Mann mit mindestens einem genitalen HPV-Typ infiziert ist und jeder fünfte Mann mit einem oder mehreren Hochrisiko-Typen. Gerade HPV-bedingte Krebsarten nehmen zu. Wie die Zeitschrift "Sexually Transmitted Infections" berichtet, sollen insbesondere Männer, die Sex mit Männern haben (MSM), einem 15-mal höheren Risiko für Analkrebs ausgesetzt sein als heterosexuelle Männer.
Jährlich erkranken in der Schweiz zudem rund 1'500 Männer und 600 Frauen an Kopf- und Halskrebs. Diese Fälle nehmen mit zunehmendem Alter zu, wobei die meisten Betroffenen zwischen 50 und 70 Jahre alt sind. Doch auch bei jüngeren Menschen nimmt die Häufigkeit zu, insbesondere bei Männern und bei jenen Infektionen, die durch HPV verursacht werden. Auch diesbezüglich gilt: Je früher Kopf- und Halskrebs erkannt wird, desto besser sind die Heilungschancen.
Wogegen schützt die HPV-Impfung?
Die HPV-Impfung kann dich vor sieben Hochrisiko-HPV-Typen schützen, welche zusammen für 90 Prozent der von HPV verursachten Krebsarten verantwortlich sind. Bei Analkrebs, der durch HPV verursacht wird, liegt der Schutz sogar bei 95 Prozent. Weiter wird auch ein Impfschutz bei Niedrigrisiko-Typen gewährleistet, die für 90 Prozent aller Genitalwarzen verantwortlich sind. Auch wenn du bereits eine Infektion mit einem Hochrisiko-HPV-Typ hast, kann dich die Impfung vor anderen Virentypen schützen sowie vor einer Reinfektion mit demselben Virentyp.
Neu gibt es zudem eine Indikationserweiterung für die derzeit erhältliche HPV-Impfung, welche auch die Prävention von Oropharyngeale- und anderen Kopf-Hals-Karzinomen (Krebserkrankungen im Hals- und Rachenraum) miteinschliesst.
Für wen ist diese Impfung geeignet?
Da Männer, und dabei vor allem MSM mit häufig wechselnden Sexualpartnern, zunehmend von HPV-ausgelöstem Krebs betroffen sind, fokussieren sich aktuelle Präventionsbemühungen verstärkt auch auf diese Zielgruppe. Das Ziel besteht dabei insbesondere darin, chirurgische Eingriffe aufgrund von Krebsvorstufen sowie neue Krebsfälle zu verhindern. Die Impfung vermag zwar keine bereits vorhandene HPV-Infektion zu heilen – dagegen gibt es auch noch keine direkte Behandlungsmöglichkeit –, doch sie wirkt gegen die anderen HPV-Typen, für welche die Impfung einen Schutz bietet. Hinzu kommt der Schutz vor einer Reinfektion.
Am wirkungsvollsten wäre die Impfung vor dem ersten sexuellen Kontakt. Aus diesem Grund gibt die Eidgenössische Kommission für Impffragen (EKIF) eine Impfempfehlung für alle Jugendlichen von 11 bis 14 Jahren ab. Im Rahmen von kantonalen Programmen ist die Impfung zudem für alle Personen zwischen 11 und 26 Jahren von der Franchise befreit. Während die Zulassung der Impfung bis anhin nur für Personen bis zum vollendeten 26. Lebensjahr galt und die Verabreichung ab dem Alter von 27 Jahren ein Off-Label-Use war, gab es nun eine Indikationserweiterung bis zum vollendeten 45. Altersjahr. Damit wird neuen Forschungsergebnissen Rechnung getragen, die durch die Impfung einen Schutz vor HPV-verursachten Krebserkrankungen sowie Genitalwarzen zeigten.
Für Männer gibt es derzeit keine medizinisch anerkannten HPV-Tests, wie es sie für Frauen in Bezug auf Gebärmutterhalskrebs gibt. Eine umsichtige Prävention bleibt somit der beste Schutz für den Mann und damit der Gang zum Urologen oder zum Dermatologen bei einem Verdacht auf eine HPV-Infektion.
Hast du Fragen zum Thema HPV oder anderen sexuell übertragbaren Infektionen, brauchst Du Informationen oder möchtest Du dich impfen lassen?
Auf der Webseite von www.drgay.ch findest Du Informationen, sowie Adressen zu Beratungsgesprächen rund um HPV-Impfungen, sowie Impfstandorte.
Ebenfalls weiterhelfen können Dir die Checkpoints in Basel, Bern, Genf, Luzern, Waadt und Zürich.
Weitere Informationen zu Humanen Papillomaviren (HPV) gibt es zudem auf der Seite des Bundesamt für Gesundheit BAG und auf der Seite von HPV Alliance Schweiz.