DEUTSCHLAND: Das La Gata in Frankfurt wurde zwangsgeräumt
Sie habe die Miete immer pünktlich bezahlt, trotz ihren mittlerweile 84 Jahren wollte die Betreiberin Erika „Ricky“ Wild das La Gata weiterführen. Sie hat es damals vor etwas über 50 Jahren eröffnet und zu einem weltweit einzigartigen Ort lesbischer Geschichte gemacht. Das Lokal war nicht einfach nur eine Bar, sondern ein Zufluchtsort, ein Safe Space und ein wichtiger Treffpunkt insbesondere für die lesbische Community.
Doch dann kam im vergangenen Februar ein herber Rückschlag: Das Vermieterehepaar löste das Mietverhältnis überraschend auf. Nicht etwa wegen Fehlverhalten der Barbetreiberin, sondern einzig wegen Profitmaximierung. Man habe nach Lösungen gesucht, bot sogar an, mehr Miete zu bezahlen, doch alles wurde abgelehnt. Schliesslich organisierte man eine Petition, eine Demo und auch eine Spendenaktion für Wild, damit sie allfällige Gerichtskosten decken kann. Selbst die Politik mischte sich ein und versuchte zu vermitteln - doch zwecklos.
Das Vermieterpaar beharrte auf ihrem Vorhaben und war auch bereit, bis ans äusserste zu gehen. Als zuletzt auch noch ein Eilantrag von Wild beim hessischen Landesgericht abgelehnt wurde, waren sämtliche Möglichkeiten ausgeschöpft. Nun kam es zur Zwangsräumung. Das Vermieterehepaar kam zusammen mit der Gerichtsvollzieherin und sie liessen alles abtransportieren was noch in der Bar war - von Barhockern bis hin zum Geschirr.
Die Stimmung vor der Bar war sehr angespannt und die Neven lagen blank. Neben Stammgästen waren auch verschiedenste Medienvertreter vor Ort. Der Vermieter ging dabei sogar einen der Journalisten tätlich an, da er nicht fotografiert werden wollte.
Erika „Ricky“ Wild selber geht es gesundheitlich schlecht: Sie habe kaum noch schlafen können, habe viele Kilos aufgrund des Stress abgenommen. Sie habe in den vergangenen Wochen Zuschriften aus aller Welt bekommen: Von Russland bis in die USA. Vielen haben ihre Geschichten mit ihr geteilt, welche sie mit dem La Gata verbunden haben. Die Bar sei ihr Kind, das ist nun das Ende, erklärte die 84-Jährige gegenüber Journalisten.
Am Freitag will man sich nun nochmals gemeinsam am Mainufer in der Nähe des La Gata treffen um sich gemeinsam über die schönen Zeiten auszutauschen, gemeinsam Geschichten zu erzählen und sich zusammen zu erinnern, und vielleicht auch um Pläne für eine neue Zukunft zu diskutieren, damit die Freundschaften und die Gemeinschaft aus dem La Gata auch ohne die Bar weiterbestehen können.