SCHWEIZ: Co-Präsidentin der Jungen EVP tritt wegen queerfeindlichen Anfeindungen zurück

SCHWEIZ: Co-Präsidentin der Jungen EVP tritt wegen queerfeindlichen Anfeindungen zurück
Sie ist Co-Präsidentin der Jungen EVP, im Parteivorstand der EVP Schweiz und ebenso im Kantonalvorstand der EVP Baselland - doch im April tritt Lea Blattner von sämtlichen Ämtern zurück. Der Grund sind massivste Anfeindungen bis hin zu Morddrohungen seit sie im vergangenen Frühling ihr Coming Out gewagt hat. Damals machte sie auch öffentlich, dass sie Opfer von Konversionsmassnahmen wurde.

Im Frühling 2025 hatte Lea Blattner ihr öffentliches Coming Out und nun teilt sie in den Sozialen Medien mit, dass sie bei der Mitgliederversammlung im April von allen politischen Ämtern zurücktreten werde, sowohl als Co-Präsidentin der Jungen EVP, wie auch als Vorstandmitglied der EVP Schweiz und der EVP Baselland. Diese Entscheidung falle ihr nicht leicht, denn die Partei und viele Menschen in der Partei würden ihr am Herzen liegen, doch es sei das Ergebnis einer längeren Entwicklung, welche sie schwer belaste.

Seit sie im vergangenen Frühling am Lesbian Visibility Day ihr öffentliches Coming Out wagte, habe sie einerseits sehr viel Liebe aus der EVP und deren Umfeld erhalten, so Blattner, aber auch wiederholt Anfeindungen und Hass bis hin zu Morddrohungen. Deren Inhalte würden nahelegen, dass sie von Personen aus Parteinähe stammen. Diese Anfeindungen hätten sich weder gegen ihre politische Arbeit noch gegen ihre Positionen gerichtet, sondern gegen sie selber als queere Person.

Diese Erfahrungen seien zutiefst erschütternd gewesen, erklärt Lea Blattner in ihrem Post weiter, und hätten ihre eigene Sicherheit in Frage gestellt, ihre psychische Gesundheit angegriffen und ihr Vertrauen in politische Schutzräume beschädigt. Politisches Engagement brauche sichere Rahmenbedingungen. Sie habe versucht weiterzumachen, auszuhalten und zu differenzieren, doch es sei ihr klar geworden, dass diese Situation Spuren hinterlassen habe. Es habe sie erschöpft und in Teilen gebrochen.

In ihrer Mitteilung hält sie aber auch fest, dass sie nicht zurücktrete, weil sie sich von den Grundwerten der EVP distanziere. Sie mache ihren Rücktritt zudem bewusst öffentlich, auch für die Menschen, die nach ihr kommen, denn queere Menschen werden auch zukünftig ein Teil der EVP sein. Sie sollen dabei politische Verantwortung übernehmen können ohne zusätzlich unter Druck zu gelangen. Sie thematisiere dies auch daher öffentlich, damit Engagement möglich bleibt, ohne dass die eigene Identität zur Belastung wird, so Blattner weiter.

Lea Blattner hatte im Frühling 2025 ihr Coming Out. In einem weiteren Zeitungsinterview im Sommer erklärte die 31-jährige Politikerin zudem, dass sie innerhalb einer Freikirche auch Opfer von Konversionsmassnahmen wurde. Sie habe während acht Jahren Dämonenaustreibungen erlebt und ihr sei vorgelebt worden, dass Homosexualität etwas schlechtes sei. Es sei wie Folter gewesen.

Der Rücktritt hat unter anderem auch zu einer Reaktion der Juso geführt. Sie fordern einerseits Solidarität mit Lea Blattner, rufen aber auch die EVP dazu auf, diese Vorfälle lückenlos aufzuarbeiten.

Brauchst Du Hilfe und möchtest Du mit jemandem sprechen? Hier findest Du Hilfe:

Die Schweizer LGBT+ Helpline steht Dir unter der Nummer 0800 133 133 kostenlos zur Verfügung. Mehr Infos: lgbt-helpline.ch

Weitere Information erhältst Du auch unter:
Du-bist-du.ch: Beratung und Information
Milchjugend: Übersicht über queere Jugendgruppen
Transgender Network Switzerland: Dachorganisation für trans Menschen
LOS: Lesbenorganisation Schweiz
Pink Cross: Dachorganisation schwuler und bisexueller Männer