SCHWEIZ: Homophobe Diskriminierung im Bistro Schleuse in Thun

SCHWEIZ: Homophobe Diskriminierung im Bistro Schleuse in Thun
Roger wollte einen Freiwilligeneinsatz im Bistro Schleuse in Thun leisten, welches vom Blauen Kreuz betrieben wird. Dort erhielt er von der zuständigen Sozialarbeiterin aber quasi eine Absage mit der Begründung, dass gleichgeschlechtliche Partnerschaften nicht befürwortet werden, und dass entsprechend Angebote für Menschen unterstützt werden, die sich in diesem Bereich Veränderung wünschen. Das Blaue Kreuz teilte gay.ch nach Bekanntwerden des Falls mit, dass man sich bereits offiziell bei Roger entschuldigt habe und zudem unterstreicht der Geschäftsführer der Organisation, dass dies die persönliche Meinung der Mitarbeiterin sei und keinesfalls jene des Blauen Kreuz...

Roger wollte einen Freiwilligeneinsatz im Bistro Schleuse in Thun absolvieren. Um sich zu informieren und sich entsprechend zu bewerben, rief er bei der Fachstellenleitung und Suchtberatung an und sprach mit der zuständigen Leiterin, einer diplomierten Sozialarbeiterin FH, welche die Projektleitung des Schleuse Bistro unter sich hat. Roger erklärt ihr seine Situation und lässt im Gespräch auch einfliessen, dass er in einer Partnerschaft mit einem Mann lebt. Dass gerade dies zu einem Problem werden könnte, dachte er nicht.

Ein paar Tage später erhielt er nun von der Sozialarbeiterin eine Rückmeldung mit äusserst diskriminierenden und homophoben Äusserungen. Sie gehe davon aus, da Roger seine Beziehung zu einem Mann erwähnte, dass er damit erfahren wolle, ob dies für einen Freiwilligeneinsatz im Bistro relevant sei. Beim Zusammenarbeiten im Bistro würden sich immer wieder Situationen ergeben, etwa in der Pause, wo Mitarbeiter/ Freiwillige über irgendwelche Lebensthemen diskutieren, führt sie weiter aus. Sollte es sich irgendwann mal ergeben, dass etwa über das Thema gleichgeschlechtliche Beziehungen diskutiert werde, so die Sozialarbeiterin, dann würden sie - die Mitarbeitenden im Bistro - offen und ehrlich darlegen, dass sie diese Partnerschaftsform nicht befürworten und entsprechend Angebote für Menschen unterstützen, die sich in diesem Bereich Veränderung wünschen. Ob sie damit gar so genannte Conversion Therapien meint, ist nicht bekannt.

Matthias Zeller, Geschäftsführer des Blauen Kreuz Bern – Solothurn – Freiburg, unterstreicht auf Anfrage von gay.ch umgehend, dass dies die private Meinung einer Mitarbeiterin sei, und dass das Blaue Kreuz diese nicht teile. Man achte die Integrität und Würde jedes Menschen – unabhängig von Geschlecht, Alter, Herkunft und Religion. Dies stehe so in ihrem Leitbild, so Zeller. Er habe Roger via dessen Facebook-Eintrag bereits um Entschuldigung gebeten und ihm einen persönlichen Austausch bei Kaffee oder Tee im Bistro Schleuse in Thun angeboten. Auch werde er sich noch bei ihm direkt melden. Die personalinternen Richtlinien [des Blauen Kreuz] verbieten Diskriminierungen in dieser Form. Insofern werden entsprechende Massnahmen getroffen, er könne aber zum aktuellen Zeitpunkt noch keine Details nennen, so der Geschäftsführer des Blauen Kreuz, welcher sich aktuell im Ausland befindet, weiter.

Solche diskriminierenden und LGBTI+ feindlichen Äusserungen einer Sozialarbeiterin von einer respektierten und angesehenen Organisation wie dem Blauen Kreuz sind äusserst stossend. Aus diesem Grund hoffen und fordern wir, dass  umgehend entsprechende Massnahmen im Bistro Schleusen, aber auch bei der Organisation vom Blauen Kreuz eingeleitet und umgesetzt werden. Eine solche Haltung soll in unserer Gesellschaft keinen Platz haben, insbesondere nicht in sozialen Einrichtungen. Das Blaue Kreuz setzt sich dafür ein, dass Suchterkrankungen verhindert, oder - wo es bereits zu spät ist - zumindest gemindert werden.

Folgend die Rückmeldung an Roger:

Guten Tag Roger [vollständiger Name der Redaktion bekannt]

Da ich Sie heute telefonisch nicht erreichte, schicke ich Ihnen die Rückmeldung auf unser Telefonat von letzter Woche per Mail.
Sie haben von Ihrer Situation sehr offen erzählt und dabei auch gleich zu Beginn erwähnt, dass Sie in einer Partnerschaft mit einem Mann leben. Ich gehe davon aus, dass Sie dies erwähnten, um zu erfahren, ob dies für einen Freiwilligeneinsatz im Bistro Schleuse relevant ist. Deshalb greife ich das Thema auf. Beim Zusammenarbeiten im Bistro ergeben sich immer wieder Situationen (z.B. in der Pause), wo Mitarbeitende/Freiwillige über irgendwelche Lebensthemen diskutieren. Sollte es sich z.B. irgendwann mal ergeben, dass gleichgeschlechtliche Partnerschaften thematisiert würden, würden wir (Mitarbeitende im Bistro) offen und ehrlich darlegen, dass wir diese Partnerschaftsform nicht befürworten und entsprechend Angebote für Menschen unterstützen, die sich in diesem Bereich Veränderung wünschen. Uns ist es wichtig, auch über heikle Themen offen und ehrlich sprechen zu können. Wenn dies für Sie ein Problem darstellen sollte, wären Sie bei uns vermutlich auf die Dauer nicht wohl. Wenn Sie hingegen unser Bestreben ehrlich und authentisch zu sein unterstützen, möchten wir Sie gerne zu einem Vorstellungsgespräch (ev. verbunden mit einem Schnuppereinsatz) einladen. Den Termin können Sie direkt mit der Leiterin des Bistros [Name der Redaktion bekannt] vereinbaren.


Zur Zeit haben wir grossen Bedarf für Hilfe in der Küche, aber auch in der Gästebetreuung können wir Ergänzung brauchen. Dies können Sie mit Frau [Name der Redaktion bekannt] anschauen.
Für allgemeine Fragen stehe ich gerne zur Verfügung.



Freundliche Grüsse

[Name det Redaktion bekannt]


dipl. Sozialarbeiterin FH

Fachstellenleitung und Suchtberatung

Projektleitung Bistro Schleuse

Fachstelle für Alkohol- und Suchtprobleme

Kasernenstrasse 17

3600 Thun



Hast Du Probleme und brauchst Du Hilfe - die Schweizer LGBT-Helpline ist kostenlos während 24 Stunden für Dich da: Telefon: 0800 133 133 / Webseite:  lgbt-helpline.ch / eMail: hello@lgbt-helpline.ch