WELTWEIT: Weltbank baut LGBT-Büro auf

WELTWEIT: Weltbank baut LGBT-Büro auf
Die Weltbank-Gruppe stellt weltweit gesehen am meisten Finanzierungsinstrumente für langfristige Entwicklungs- und Aufbauprojekte zur Verfügung. Daher überrascht es kaum, dass damit auch eine gewisse Macht mit einher geht. Diese will die Weltbank nun auch dazu nutzen, um die Akzeptanz und Toleranz gegenüber Schwulen, Lesben und Transgender zu fördern.

Ursprünglich wurde die Weltbank gegründet, um den Wiederaufbau Europas nach dem Zweiten Weltkrieg zu organisieren. Mittlerweile verfügt die Weltbank über ein jährliches Budget von 65 Milliarden US-Dollar, welches sie vor allem in Afrika, Asien und Lateinamerika dafür einsetzt, um die ärmsten Länder dieser Welt wirtschaftlich zu stärken und um ihnen damit neue Möglichkeiten auf dem Weltmarkt zu bieten. Da besonders in Afrika die ärmsten Länder oftmals auch die LGBT-feindlichsten Staaten sind, hat die Weltbank-Gruppe nun ein Stellenangebot veröffentlicht, um ein Büro innerhalb der Institution zu gründen, welches die Bank in LGBT-Belangen berät. Ziel ist es dabei, dass auch Schwule, Lesben und Transgender bei den jeweiligen Entwicklungsprojekten berücksichtigt werden. Damit will man versuchen, die LGBT-Community und ihre Rechte zu stärken, oder wenigsten möchte man verhindern, dass sie durch entsprechende Projekte noch mehr ins Abseits gedrängt werden.

So stehen unteranderem folgende Projekte im Fokus: Werden etwa Schulen durch die Weltbank finanziert, so sollen die Lehrpersonen dazu angehalten werden, explizit auch LGBT-Schüler und Studenten willkommen zu heissen, und das Thema Bullying an Schulen soll ebenfalls behandelt und thematisiert werden. In die gleiche Richtung zielt auch die Finanzierung von Kliniken und Spitälern. Dort soll dafür gesorgt werden, dass Schwule, Lesben und Transgender nicht abgewiesen werden, zudem sollen sie sich aufgrund ihrer sexuellen Orientierung oder ihrer Geschlechteridentität nicht stigmatisiert fühlen. Wird in einer Region beispielsweise ein Staudamm zur Stromproduktion gebaut, welcher zur Folge hat, dass Menschen umgesiedelt werden müssen, dann soll auf die Schwulen, Lesben und Transgender besonders Acht gegeben werden. So sollen sie nur an Orte umgesiedelt werden, wo die Akzeptanz der LGBT-Community mindestens so gut oder wenn möglich besser ist, als in ihrer ehemaligen Heimat.

Für die LGBT-Organisation Human Rights Campaign ist dies ein längst fälliger Schritt, denn sie hat schon länger darauf gepocht, dass die in Washington D.C. beheimatete Weltbank ihre Pflichten in Bezug auf die Menschenrechte verstärkt wahrnimmt. Man freue sich auch, diesbezüglich künftig enger mit der Bank zusammenzuarbeiten, um den Schutz am Arbeitsplatz und die Verteidigung der Rechte und der Würde aller Menschen weiter voranzutreiben. Doch, dies sei auch erst ein erster Schritt, denn die Forderungen der HRC gehen noch weiter. So sollen auch Studien in Entwicklungsländern finanziert werden, welche die wirtschaftliche Situation der LGBT+ in diesen Ländern untersucht, zudem solle auch der Einfluss der Anti-LGBT-Haltung auf die Wirtschaft in diesen Staaten studiert werden. Des Weiteren wird auch gefordert, dass die Weltbank-Vertreter sich jeweils auch mit der lokalen LGBT-Community zu Gesprächen trifft, um deren Bedürfnisse besser zu erkennen. Dies gelte insbesondere, wenn Weltbank-Präsident Jim Kim unterwegs ist.