CHINA: Mann wehrt sich vor Gericht erfolgreich gegen Conversion Therapie

CHINA: Mann wehrt sich vor Gericht erfolgreich gegen Conversion Therapie
Aktivisten sprechen bereits von einem Meilenstein für die LGBT-Bewegung: Ein Mann hat in China eine psychiatrische Klinik verklagt, weil diese ihm eine Conversion Therapie aufgezwungen hat… und er bekam Recht zugesprochen. Die Klink muss ihm nun umgerechnet rund 740 Schweizer Franken als Wiedergutmachung bezahlen und sich bei ihm öffentlich entschuldigen.

So genannte Conversion Therapien, als die Methoden zum Umpolen von Homosexuellen, ist auch in China weitverbreitet. Und viele Schwule, Lesben und Transgender werden zu diesen Therapien gezwungen. Ein Mann wollte dies nun nicht auf sich sitzen lassen und reichte eine Klage gegen eine psychiatrische Klinik ein, welche ihm eine solche Behandlung gegen seinen Willen aufzwang. Der 37-jährige Mann wurde im vergangenen Jahr durch seine Familie in die Klinik eingewiesen, nachdem er sich bei ihnen geoutet hat und ihnen erklärte, dass er sich deshalb auch von seiner Frau scheiden lassen wolle. Wie der Mann gegenüber der Presseagentur AFP weiter erklärte, habe die Klinik eine Störung in Bezug auf die sexuelle Neigung festgestellt und ihn darauf eingesperrt. Er sei während 20 Tagen in der Klinik festgehalten und gezwungen worden, Pillen zu schlucken, welche ihn angeblich von seiner Homosexualität heilen sollten.

Nachdem er eine Klage gegen die Klinik eingereicht hat, gaben ihm die Richter in der Stadt Zhumadian nun Recht: Er sei nicht suizidgefährdet gewesen, und aus diesem Grund sei die Behandlung auch eine Verletzung der persönlichen Freiheiten gewesen. Die Klinik wurde vom Gericht nun dazu gezwungen, sich öffentlich beim Opfer zu entschuldigen. Zudem muss eine Wiedergutmachung von rund 740 Schweizer Franken an den Mann bezahlt werden.

Verschiedenste LGBT-Aktivisten feierten das Urteil als wichtigen Meilenstein und sie forderten zugleich, dass diese gefährlichen und schädlichen Therapieformen endlich verboten werden sollen. Peng Yanhui von LGBT Rights Advocacy China erklärte gegenüber der AFP, dass dieses Urteil sehr wichtig sei, da es bislang kein Gesetz gebe, welches einen Schutz vor solchen Behandlungsmethoden biete. Dies war bereits das zweite Urteil in diese Richtung: 2014 hat ein Mann erfolgreich gegen das Xinyupiaoxiang-Beratungszentrum in Chongqing geklagt, nachdem er mit Elektroschocks und Hypnose von seiner Homosexualität hätte geheilt werden sollen.

China hat Homosexualität im Jahr 1997 vollständig entkriminalisiert und 2001 auch aus der Liste der Geisteskrankheiten gestrichen. Die Regierung und die Behörden senden jedoch nach wie vor gemischte Signale, wenn es um die Rechte der LGBT-Community geht. So wurde etwa erst vor wenigen Tagen beschlossen, dass künftig Video- und Audiodateien im Internet verboten werden, welche homosexuelle Inhalte zeigen.