GESUNDHEIT: Seltene Hautkrankheit verbreitet sich in der Gay Community
Zwischen Dezember 2025 und Februar 2026 wurden in der Universitätsklinik von Lyon neun Männer behandelt, bei denen eine seltene Hautkrankheit nachgewiesen werden konnte. Sie nennt sich Dermatophilose und wird durch das Bakterium Dermatophilus congolensis übertragen. Normalerweise kommt diese Infektionskrankheit bei Tieren, unter anderem bei Nutztieren vor, und bislang war eine Übertragung auf den Menschen sehr selten.
Da es nun zu diesem gehäuften Auftreten in Lyon kam, haben Wissenschaftler:innen den dortigen Ausbruch genauer untersucht und die Studie nun im Fachmagazin Emerging Infectious Diseases veröffentlicht. Diese Ergebnisse bekamen insbesondere deshalb grössere Beachtung, da die Dermatophilose mittlerweile in zahlreichen weiteren Ländern nachgewiesen werden konnte: So sind derzeit mindestens 70 Fälle in Frankreich, Deutschland, Spanien, Norwegen und Schweden bekannt, wie das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) mitteilt.
Anhand der Studie konnte eine Sauna in Lyon ausgemacht werden: Sieben der neun ersten Fälle des Clusters in Frankreich konnten auf diese zurückverfolgt werden. Eine Person sprach davon, drei Saunen in Paris besucht zu haben und die neunte Person erklärte, in keiner Sauna gewesen zu sein. Zu sexuellen Kontakten soll es unter diesen neun Männern nicht gekommen sein, heisst es von den Wissenschaftler:innen weiter, somit soll es zu keinen Übertragungen zwischen ihnen gekommen sein. Weiter sollen die betroffenen Männer nicht in ländlichen Gebieten wohnen und somit auch nicht mit Nutztieren in Kontakt gekommen zu sein.
Die Symptome bei allen Männern sollen sich in Form von Krusten, schuppigen Stellen, Pusteln oder roten Beulen gezeigt haben, welche an Stellen festgestellt wurden, welche bei sexuellen Kontakten mit dem Gegenüber am meisten in Kontakt kamen, so etwa im Bereich des Barts im Gesicht, an den Beinen, am Oberkörper sowie meist auch im Genitalbereich. Die Ärzte betonten aber auch gleichzeitig, dass alle Patienten gut auf die Behandlung mit Antibiotika angesprochen haben.
Wie die Autor:innen der Studie weiter schreiben, vermuten sie, dass es bei den Männern in Bezug auf die sexuellen Kontakte zu Überschneidungen kam, dass die Übertragungen also quasi im selben Kontaktnetzwerk stattfand, wo es vermutlich zu engem und sexuellen Kontakten kam. Dafür würden verschiedenste Punkte sprechen, so etwa die Orte, wo die Läsionen am Körper der Betroffenen festgestellt wurden, die genomische Verwandtschaft und die gleiche STI-Anamnese. Die Ausbreitung und die Entstehung solcher Hautkrankheiten könne auch damit zusammenhängen und begünstigt werden, da sich die Sexualpraktiken mit PrEP verändert haben, erklären die Wissenschaftler:innen weiter.
Das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) bekräftigt aber auch, dass das Risiko für die Bevölkerung weiterhin gering sei, doch die nun festgestellten Fälle könnten darauf hinweisen, dass sich die Übertragungswege der Infektion verändert haben. In diesem Fall deute vieles auf engen Körperkontakt hin. Weiter rufen sie aber auch dazu auf, bei der Kommunikation über die Infektionskrankheit auf Stigmatisierung zu verzichten.