GESUNDHEIT: Was ist DoxyPEP und wie wirkt es in Bezug auf Syphilis?
Führende, ehemalige Mitarbeitende aus dem Gesundheitsministerium unter dem vergangenen US-Präsident Joe Biden sprechen von einem enormen Durchbruch, welchen sie mit der neuen Syphilis-Strategie erzielen konnten. Der Grund für diesen Erfolg heisst DoxyPEP. Dabei wird das bereits bestens bekannte, und eigentlich seit Jahrzehnten verfügbare Antibiotikum Doxycyclin von Personen mit erhöhtem Risiko für STI nach einem sexuellen Kontakt präventiv eingenommen.
Wie nun das Center for Infectious Disease Research and Policy in einer neuen Studie der University of Washington hervorhebt, habe es sich gezeigt, dass die Doxycyclin-Postexpositionsprophylaxe (DoxyPEP) die Zahl der Syphilis-Neuinfektionen drastisch senken konnte. Die detaillierte Untersuchung, welche im King County in Washington durchgeführt wurde, habe offenbart, dass durch dieses neue Vorgehen 3‘031 Syphilisfälle verhindert werden konnten, was einem markanten Rückgang von 52.3 Prozent entspricht.
Präventiv innerhalb von 24 Stunden oder spätestens 72 Stunden nach einem sexuellen Kontakt eingenommen, kann DoxyPEP die Übertragung von bakteriellen, sexuell übertragbaren Infektionen verhindern, bevor diese überhaupt entstehen. Dies gilt dabei sowohl für Syphilis, aber auch für Chlamydien.
Damit diese Form der Prävention angewandt werden konnte, wurden unter der Regierung Biden die Richtlinien zur Verschreibung des Antibiotikums Doxycyclin angepasst und klarer formuliert. Damit wurden nicht zuletzt auch die Ärzte darüber aufgeklärt, wie sie dieses seit langem erhältliche Medikament überhaupt richtig einsetzen können. Wie die nun veröffentlichten Zahlen zeigen, führte diese Massnahme bereits jetzt zu grossen und vor allem auch messbaren Erfolgen.
Doch DoxyPEP birgt laut Wissenschaftler:innen auch Gefahren: Die grösste Sorge bildet dabei die Angst vor Antibiotikaresistenzen, dass die Bakterien sich also entsprechend anpassen und resistent gegen das Antibiotikum werden. Dazu heisst es aus den Centers for Disease Control and Prevention, kurz CDC, dass man dies bei der Beurteilung ernst genommen haben. Die Vorteile und Verbesserungen, welche DoxyPEP bringt, wird zumindest derzeit aber als grösser angesehen als die möglichen Risiken und Gefahren. Die Abnahme der Neuinfektionen im genauer untersuchten King County seien enorm gewesen, wird dabei unterstrichen.
Und man beruhigt diesbezüglich auch, da man davon ausgehe, dass sich Syphilis und Chlamydien nicht so schnell an Doxycyclin anpassen können. Dies gilt in Bezug auf Syphilis und Chlamydien, doch was ist mit anderen Bakterien in Körpern? Diese Gefahr ist laut den Forschenden wesentlich grösser und werde derzeit eingehender untersucht. Das grösste Risiko besteht darin, dass es bei einer im schlimmsten Fall tödlich verlaufenden Infektion, längerfristig zu Komplikationen kommen könnte.
Im Fall der USA kommt aber laut den ehemalige Mitarbeitenden des Gesundheitsministerium unter Joe Biden noch eine weitere Gefahr dazu: Jene der Politik! Die Regierung Biden hat die Gesundheit von queeren Menschen zu einer Priorität erklärt, insbesondere da die Fallzahlen bei gewissen sexuell übertragbaren Infektionen wie Syphilis, massiv angestiegen sind. Diese Prioritäten haben sich nun mit der zweiten Amtszeit von Donald Trump aber wieder drastisch verschoben und sind sogar ins Gegenteil gekippt.
Man habe anhand der Studie sehr positive Resultate festgestellt, erklären die ehemaligen Mitarbeitenden, doch das aktuelle Gesundheitsministerium der Regierung Trump unter der Leitung von Robert F. Kennedy ist extrem unberechenbar und könnte die Erfolge, die man erzielt hat, schnell wieder zunichte machen. Dies etwa wenn die entsprechenden Budgets gekürzt oder gar ganz gestrichen, oder wenn die damals ausgearbeiteten neuen Richtlinien zur präventiven Verabreichung von Doxycyclin plötzlich doch wieder abgeändert werden.
Doch trotzdem: Der Erfolg dieser Massnahme durch die Anpassung der Richtlinien für die Verwendung von Doxycyclin ist beachtlich. Dass so schnell positive Entwicklungen sichtbar sind, hat dabei auch mit der Zielgruppe der Männer, die Sex mit Männern haben, zu tun. Jahrelange HIV-Prävention mittels PrEP zeigte Wirkung und entsprechend schnell haben queere Personen auch dieses Angebot genutzt.
Hast du Fragen zum Thema HIV, PrEP oder anderen sexuell übertragbaren Infektionen, brauchst Du Informationen oder möchtest Du dich testen lassen?
Auf der Webseite von www.drgay.ch findest Du die wichtigsten Informationen, sowie Adressen zu Testmöglichkeiten.
Weiter gibt es in Zürich beim Drogeninformationszentrum DIZ auch die Möglichkeit für Drug Checking und Beratung. Weitere Informationsangebote für die Community in Bezug auf Drogen findest Du zudem unter anderem in Bern, Basel, Genf, Luzern und Lausanne.