SCHWEIZ: Diskriminierungen von Menschen mit HIV nehmen in der Schweiz erneut zu
Die Diskriminierung von Menschen, die mit HIV leben, ist nach wie vor Realität, dies zeigt auch der jüngste Diskriminierungsbericht 2025 der Aids-Hilfe Schweiz. Als eidgenössische Meldestelle erfasst die Organisation diese Diskriminierungen, aber auch Datenschutzverletzungen in diesem Bereich werden dokumentiert.
Die aktuellen Zahlen, welche zwischen dem 1. Januar und dem 31. Dezember 2025 gemeldet wurden, zeigen deutlich, dass die Stigmatisierung von Menschen mit HIV ein gesellschaftliches Problem ist, und nicht ein Randphänomen. So sind die Zahlen innert Jahresfrist erneut um 12 Prozent auf 102 Fälle im Jahr 2025 angestiegen. Dabei ist besonders bedenklich, dass erneut ein wesentlicher Teil dieser Fälle im Gesundheitsbereich festgestellt wurden.
Es ist dabei von verweigerten Behandlungen die Rede, aber auch von übertriebenen Sicherheitsvorkehrungen oder Verletzungen beim Datenschutz, und dies in einem Bereich, in welchem sich gerade Menschen mit HIV eigentlich sicher fühlen, und wo sie professionell und vetrauensvoll unterstützt werden sollten. Dabei ist es meist das Unwissen über die Wirksamkeit der HIV-Therapien, denn diese führt zu einer Nichtübertragbarkeit des Virus. Dabei gab es auch im vergangenen Jahr wieder gravierende Fälle von Diskriminierungen, wie etwa ein klar sichtbares Schild mit dem Wort HIV am Spitalbett, oder die Verweigerung einer Wundversorgung, nachdem der Patient seinen HIV-Status bekannt gab.
Wer heute mit HIV lebt und Zugang zu einer HIV-Therapie hat, kann das Virus unter Therapie nicht weitergeben, betont Andreas Lehner, Geschäftsleiter der Aids-Hilfe Schweiz. Trotzdem erleben Menschen mit HIV Stigmatisierung und begegnen Unsicherheit – teilweise genau dort, wo sie medizinische Unterstützung suchen. Das zeigt deutlich, dass unsere Arbeit noch lange nicht getan ist, so Lehner.
Im Jahr 2025 wurden 30 Fälle von Diskriminierungen im Gesundheitswesen festgestellt, sowie 27 bei Privatversicherungen. Dabei handelt es sich etwa um abgelehnte Versicherungsanträge. 12 und 11 Fälle wurden zudem bei den Sozialversicherungen respektive im Arbeitsumfeld festgestellt. Dabei ging es etwa um ungerechtfertige Leistungsentscheide, oder um Einschränkungen bei der Karriere.
Ein weiterer Fall betraf einen Schweizer, der in Dubai lebte und arbeitete und der bei der für ausländische Einwohner:innen obligatorischen jährlichen
Gesundheitsuntersuchung positiv auf HIV getestet wurde. Darauf wurde er gleich verhaftet und des Landes verwiesen.
In vielen dieser Fälle von Diskriminierungen stand die Aids-Hilfe Schweiz zusammen mit den regionalen Mitgliedsorganisationen beratend zur Seite, und intervenierte auch entsprechend. Zum Zero Discrimination Day am 1. März hat die Aids-Hilfe Schweiz nun entsprechende Forderungen vorgestellt um Menschen mit HIV besser zu schützen. So soll die Risikobeurteilung bei Versicherung evidenzbasierend sein, im Gesundheitswesen soll es eine verstärkte Sensibilisierung geben und im Gesetz soll ein umfassender Schutz vor Diskriminierung verankert werden.
Da auch der Graubereich gerade rund um Diskriminierungen aufgrund von HIV sehr gross sein dürfte, hat die Aids-Hilfe Schweiz zudem die Kampagne Jetzt melden lanciert. Dort können Betroffene ihre Fälle einfach, direkt und vertraulich melden. Die Fälle werden dort gesammelt und jährlich an die Eidgenössische Kommission für Fragen zu sexuell übertragbaren Infektionen (EKSI) weitergeleitet.