TRAVEL: Neuer Club in London - Aus dem G-A-Y wurde das Coven
Nicht eben ruhig ging die Ära des G-A-Y im vergangenen Oktober nach 22 Jahren zu Ende. Der Besitzer, Jeremy Joseph, dem auch das legendäre Heaven gehört, hatte genug, und rechnete auch mit der Stadt London und deren Behörden ab. Er begründete die Schliessung des traditionsreichen Clubs damit, dass er genug habe, immer für alles mit dem Westminster Council und mit Nachbarn kämpfen zu müssen. Weiter sagte er dem berühmten LGBTI+ Viertel Soho eine düstere Zukunft voraus: Seine Gäste und seine Mitarbeitenden hätten sich in dieser Umgebung zuletzt auch nicht mehr sicher gefühlt.
Mittlerweile sind neun Monate vergangen und mit Matthew Jacobs Morgan hat ein neuer Betreiber das Lokal an der Old Compton Street übernommen - und er hat auch ein Versprechen an die Community abgegeben: Er werde mit dem neuen Coven mithelfen, das Soho wieder zu dem LGBTI+ Hotspot zu machen, für welchen das Londoner Viertel weltbekannt ist. Dieses Versprechen kommt nicht von ungefähr, weiss er doch um die Bedeutung des G-A-Y, denn schliesslich war es genau dort, wo auch er selber erstmals ins queere Nachtleben Londons eintauchte.
Dass Londons Nachtleben enorm unter Druck ist, ist längst bekannt: Die Immobilienpreise gingen rasant in die Höhe, die Lebenshaltungskosten steigen ebenso, doch auch das Umfeld gerade im Soho wurde schwieriger, etwa wenn es um Bewilligungen geht oder um Lärmklagen von Nachbarn. So wurden etwa immer wieder Gesuche abgelehnt um Öffnungszeiten oder die Zeiten für den Alkoholausschank auszudehnen, und dies obwohl das Soho seit jeher als Ausgangsviertel bekannt ist.
Dass es diesbezüglich Probleme gibt, weiss auch Londons Bürgermeister Sadiq Khan und er wirft auch den Anwohnergruppen vor, dass sie alles mit einem Einspruch belegen, dass irgendwie in Richtung längere Öffnungszeiten oder neue Bewilligungen gehe - insbesondere im Soho. Damit hätten sie einen unangemessen hohen Einfluss, so Khan. Um dem entgegenzuwirken hat er eine Überarbeitung der Genehmigungsverfahren vorgeschlagen. Damit soll die Stadt als Ganzes quasi ein Mitspracherecht erhalten und die Bestimmungen, wie sie in den einzelnen Stadtvierteln gelten, sollen so vereinheitlicht werden.
Matthew Jacobs Morgan hat nun andere Erfahrungen gemacht als damals noch Jeremy Jospeh. Er habe mit verschiedensten Gruppen von Anwohnern Gespräche geführt und viel Unterstützung erfahren, erklärte er. Doch auch sonst habe er viel Support erhalten und damit sei es gelungen, einen Ort von der Community für die Community zu schaffen. So habe man beispielsweise die Dating App Feeld als Sponsor der Sanitäranlagen gefunden, und man habe auch ein Klavier geschenkt bekommen.
An 19. Juni wurde die offizielle Eröffnung gefeiert. Das Coven soll nun zu einem Ort werden, in dem Musik, Nachtleben, Kunst und Community aufeinandertreffen. Dabei soll es auch tagsüber quasi als Café geöffnet sein, und am Abend dann eine Plattform für Queer Artists, Performers, Musiker:innen und DJs bilden. Ursprünglich wurde das Coven bereits im Juni 2025 in Hackney gegründet, doch mit der Möglichkeit, das G-A-Y zu übernehmen, zog das Lokal nun ins Soho.