BULGARIEN/ ÖSTERREICH: Zwei Mordfälle erschüttern die Community

BULGARIEN/ ÖSTERREICH: Zwei Mordfälle erschüttern die Community
Der Schock und die Angst in der Community in der bulgarischen Grossstadt Plovdiv sowie in Wien ist gross: In Plovdiv soll ein Mann nach bisherigen Erkenntnissen von einer Jugendgang zu Tode geprügelt worden sein, und auch in Wien wurde ein junger schwuler Mann von einem Jugendlichen via Dating App angelockt und dann brutal ermordet. Gewalttaten via Dating-Portale geschehen derzeit weltweit erschreckend häufig, auch in der Schweiz.

In Plovdiv, der zweitgrössten Stadt Bulgariens, wurde ein Mann schwer verletzt in einem Park aufgefunden. Trotz der sofort alarmierten Rettungskräfte und den Notfallmassnahmen verstarb der Mann wenig später aufgrund seiner massiven Kopfverletzungen im Krankenhaus. Dank der sofort eingeleiteten Ermittlungen und durch Aufnahmen von Überwachungskameras wurden bereits kurze Zeit später mehrere Jugendliche festgenommen. Auf den Aufnahmen ist zu sehen, wie sich zehn bis fünfzehn Jugendliche im Park versammeln und dann in ein Waldstück gehen wo die Tat geschah.

Laut einem Anwohner, soll es schon in der Vergangenheit immer wieder zu solchen Taten gekommen sein. Die Jugendlichen sollen ihre Opfer dabei über Dating Apps angelockt haben. Die Polizei klärt derzeit die genauen Hintergründe der Tat ab. Die Einwohner von Plovdiv organisierten nun eine Mahnwache für das Opfer und mit Demonstrationen fordern sie neben mehr Polizeipatroulien im Park auch die höchstmögliche Strafe für die Täter.

In Wien wiederum hat ein 18-jähriger Tatverdächtiger gegenüber der Polizei gestanden, dass er einen anderen Mann umgebracht hat. Das Tatmotiv soll Hass gegenüber Schwulen gewesen sein. Der Jugendliche soll demnach der „Pädo-Hunter“-Szene angehören und sein Opfer via Dating App kontaktiert haben. Sie sollen sich dann in Langenzersdorf, in der Agglomeration der österreichischen Hauptstadt, in einem Haus getroffen haben und dort soll auch der Mord geschehen sein.

Die Polizei geht nach aktuellen Ermittlungen davon aus, dass der mutmassliche Täter auf ein Haus von Nachbarn aufpasste, während diese in den Ferien waren. Dorthin soll er sein späteres Opfer dann auch eingeladen haben, nachdem sie sich online verabredeten. Der Jugendliche soll dann den jungen Mann mit blossen Händen angegriffen und verprügelt haben, bis er schliesslich leblos liegen blieb.

Die Community in Österreich ist schockiert und fordert die Regierung zum Handeln auf. So soll ein Aktionsplan gegen Hasskriminalität ausgearbeitet werden. Dabei seien nicht nur die Justiz und die Polizei gefordert, sondern auch andere Bereiche, welche gegen die zunehmende Radikalisierung und gegen Hass Massnahmen treffen sollen. So soll insbesondere auch die sogenannte „Pädo Hunter“-Szene verstärkt untersucht werden um diese Netzwerke zu durchleuchten und mögliche Tatverdächtige früh zu entdecken.

Die Fälle in Bulgarien und in Wien in den vergangenen Tagen sind leider keine isolierten Fälle, sondern solche Taten sind derzeit weltweit zu beobachten. Auch in der Schweiz tauchen Fälle von queerfeindlichen Gewalttaten auf, welche gleich oder ähnlich gelagert sind. Die Dunkelziffer dürfte dabei enorm hoch sein, da sich nach wie vor viele Opfer nicht getrauen, diese Taten zur Anzeige zu bringen oder zumindest bei den entsprechenden Stellen, wie etwa in der Schweiz der LGBT+ Helpline, zu melden.

Safer Dating - Tipps rund um sicheres Online-Dating:

Keine persönlichen Informationen und Wohnadressen austauschen, bevor man einer Person nicht wirklich vertrauen kann.

Erst an einem öffentlichen Ort, wo es auch viele, andere Menschen hat, treffen.

Auch noch einen Freund informieren, wann und wo man zu einem Date geht, damit noch jemand Bescheid weiss, falls es zu einem Zwischenfall kommt.

Nicht zu viel Alkohol trinken und auf sein Glas aufpassen, etwa wegen Drogen und K.o.-Tropfen.

Das Mobiltelefon sollte immer geladen sein, damit man zur Not auch Hilfe anfordern kann.

Und ganz wichtig: Auf das Bauchgefühl hören. Niemand zwingt einem an einem Ort zu bleiben: Wenn man sich unwohl fühlt, dann soll man lieber gehen als bleiben.

Brauchst Du Hilfe und möchtest Du mit jemandem sprechen? Hier findest Du Hilfe:

Die Schweizer LGBT+ Helpline steht Dir unter der Nummer 0800 133 133 kostenlos zur Verfügung. Mehr Infos: lgbt-helpline.ch

Weitere Information erhältst Du auch unter:
Du-bist-du.ch: Beratung und Information
Milchjugend: Übersicht über queere Jugendgruppen
Transgender Network Switzerland: Dachorganisation für trans Menschen
LOS: Lesbenorganisation Schweiz
Pink Cross: Dachorganisation schwuler und bisexueller Männer