SCHWEIZ: Die Zahl der queerfeindlichen Hassverbrechen bleibt auf hohem Niveau

SCHWEIZ: Die Zahl der queerfeindlichen Hassverbrechen bleibt auf hohem Niveau
Dass der bevorstehende Internationale Tag gegen LGBTI+ Feindlichkeit am 17. Mai nichts von seiner Wichtigkeit eingebüsst hat, zeigt der neue Hate Crime Bericht 2026 der LGBTIQ Helpline. Darin zeigt sich, dass die Zahl der queerfeindlichen Hassverbrechen in der Schweiz auf hohem Niveau bleibt, und dass dringend Massnahmen ergriffen werden müssen um die Dunkelziffer zu reduzieren. Dabei helfen soll unter anderem die neue Webseite stophate.ch, über welche Taten niederschwellig gemeldet werden können.

Nach dem starken Anstieg in den Jahren zuvor, hat sich die Zahl der gemeldeten LGBTI+ Hassverbrechen auf hohem Niveau stabilisiert. Dies darf aber keinesfalls als Entwarnung aufgefasst werden, denn die aktuelle Iceberg-Studie aus Genf belegt, dass queere Menschen mit massiv höherer Wahrscheinlichkeit Opfer von Diskriminierungen, Beleidigungen und Angriffen werden als der Rest der Bevölkerung. Dies bedeutet, dass die gemeldeten Hate Crimes nur die berühmte Spitze des Eisbergs sind und von einer hohen Dunkelziffer ausgegangen werden muss.

Für die queeren Dachverbände ist daher klar: Die Dunkelziffer muss verringert werden, indem die Hate Crimes besser und einheitlicher statistisch erfasst und gemeldet werden. Eine Möglichkeit dazu bildet die neue Plattform stophate.ch: Unter der einfach zu merkenden URL befindet sich ein Formular, über welches direkt und einfach Hate Crimes an die LGBTIQ Helpline gemeldet werden können.

Laut dem Hate Crime Bericht 2026 wurden im vergangenen Jahr in der Schweiz 281 Vorfälle der LGBTIQ Helpline, der offiziellen Meldestelle für queerfeindliche Hassverbrechen, gemeldet. Dies sind etwas weniger als der vorläufige Höhepunkt im Jahr 2024 mit 309 Fällen, aber mehr als doppelt so viele wie die 134 Fälle im Jahr 2022. Die LGBTIQ Helpline berichtete zudem bereits im März, dass im vergangenen Jahr deutlich mehr Beratungen durchgeführt wurden - sei es über Themen wie Coming Out, Asyl, generelle Fragen oder eben über Hassverbrechen.

Bei der Auswertung im Hate Crime Bericht 2026 zeigte sich erneut, dass mit 160 Fällen rund 57 Prozent der Meldungen von Personen unter 30 Jahren stammen. Diese Häufung wurde bereits in den Vorjahren festgestellt. Auffällig ist zudem, dass 222 Taten in deutscher Sprache gemeldet wurden, während von den anderen Landessprachen deutlich weniger Meldungen eingingen. Dies könnte auch damit zusammenhängen, dass die LGBTIQ Helpline erst seit dem 1. April 2025 auch ein Angebot auf französisch anbietet. Mit rund einem Drittel kamen die Meldungen am häufigsten aus dem Kanton Zürich, gefolgt von Bern mit 15 Prozent und Basel-Stadt mit 10 Prozent.

Fast zwei Drittel aller gemeldeten Hate Crimes geschahen im öffentlichen Raum, etwa im und rund um den Öffentlichen Verkehr, auf der Strasse, aber auch in Parks und auf öffentlichen Plätzen. Rund jede zehnte Meldung betraf dabei den Onlinebereich, oder geschah von Institutionen ausgehend. Dabei fanden fast die Hälfte der Fälle tagsüber statt, 27 Prozent am Abend und rund 15 Prozent in der Nacht. 

Fast zwei Drittel der Meldenden berichteten, dass die Tat bei ihnen psychische Folgen hatte, etwa in Bezug auf das Sicherheitsgefühl oder die generelle psychische Stabilität. Bei 9 Prozent lagen körperliche Verletzungen vor. Doch trotz dieser physischen und psychischen Konsequenzen der Taten, wurden nur gerade 10 Prozent bei der Polizei zur Anzeige gebracht. Dies waren mit grosser Mehrheit Taten mit körperlicher Gewalt, während nur 6 Prozent der Vorfälle ohne körperliche Gewalt angezeigt wurden. Diese Zahlen zeigen, dass die Unsicherheit, fehlendes Vertrauen oder auch die Hürden zur Kontaktaufnahme zu gross sein können. Es wurde aber durch den Bericht auch deutlich, dass die Opfer solcher Hate Crimes zwar Hilfe suchen, dies jedoch eher im Freundeskreis, in der Community oder bei entsprechenden queersensiblen Beratungsangeboten, und weniger bei staatlichen Strukturen wie der Polizei.

Wie die Autor:innen des Hate Crime Berichts hervorheben, machen die neusten Erhebungen deutlich, wie wichtig der Nationale Aktionsplan 2026–2030 gegen Hate Crimes gegenüber queeren Personen ist. Dieser wurde im Januar diesen Jahres durch den Bundesrat vorgestellt und verabschiedet. Darin enthalten sind 12 verschiedene Massnahmen, wie queere Menschen besser vor Gewalt und Hassverbrechen geschützt werden sollen. Dessen Wirkung hängt aber von der Umsetzung und auch von den dafür zur Verfügung gestellten finanziellen Mitteln ab. 

Damit einher gehen drei Forderungen, welche die queeren Dachverbände und die LGBTIQ Helpline im Hate Crime Bericht 2026 ausführen. So sollen die im Aktionsplan vorgesehenen Massnahmen auf Bundesebene und auch in allen Kantonen konkret umgesetzt werden. Weiter sollen die zivilgesellschaftlichen Strukturen besser unterstützt und finanziert werden, so etwa die LGBTIQ Helpline, welche für viele die zentrale Anlaufstelle bei Hassverbrechen ist. Diese Angebote müssen langfristig und nachhaltig mit den nötigen finanziellen Mitteln ausgestattet werden. Des Weiteren soll auch der Zugang zu den Institutionen und der Anzeigenweg verbessert werden. So sollen die Polizei, die Justiz, die Opferhilfe sowie Institutionen wie Schulen oder im Gesundheitswesen besser auf queere Anliegen und Themen sensibilisiert und mit niederschwelligen Kontaktmöglichkeiten ausgestattet werden.

Den gesamten Hate Crime Bericht 2026 kannst Du hier lesen. Und den Informationen zur Genfer Iceberg Studie findest Du hier.

Brauchst Du Hilfe und möchtest Du mit jemandem sprechen? Hier findest Du Hilfe:

Die Schweizer LGBT+ Helpline steht Dir unter der Nummer 0800 133 133 kostenlos zur Verfügung. Mehr Infos: lgbt-helpline.ch

Weitere Information erhältst Du auch unter:
Du-bist-du.ch: Beratung und Information
Milchjugend: Übersicht über queere Jugendgruppen
Transgender Network Switzerland: Dachorganisation für trans Menschen
LOS: Lesbenorganisation Schweiz
Pink Cross: Dachorganisation schwuler und bisexueller Männer