DEUTSCHLAND: Menschen mit Pride-Fahnen von Einkaufszentrum abgewiesen
Es war die grösste Pride die Hamburg je gesehen hat: Eine Woche nach dem Attentat in Berlin war der Anlass politischer, aber auch ernster als sonst. Aus Trauer wurde mittlerweile bei vielen Wut, sowie ein „Jetzt erst recht!“. Rund 300‘000 Teilnehmende waren in Hamburg vor Ort um für die Rechte der LGBTI+ Community, für queere Sichtbarkeit und um gegen Diskriminierung auf die Strasse zu gehen.
Einige Teilnehmende mussten aber genau das wieder erleben: Als sie in die Europa Passage gehen wollten, wurden jene mit Pride-Fahnen an beiden Seiten des Einkaufszentrums vom Sicherheitspersonal aufgehalten und aufgefordert die Fahnen einzupacken, oder ihnen werde der Zutritt verwehrt. Die Stimmung war aufgeheizt und deshalb musste auch die Polizei mehrfach gerufen werden.
Der Sicherheitsdienst berief sich auf die Hausordnung, doch wogegen angeblich verstossen wurde, ist nicht erklärt worden. Später wurde die Praxis aber aufgehoben und Menschen mit Pride-Fahnen wurden nicht mehr daran gehindert, die Passage zu betreten. Wie viele die Securities tatsächlich abgewiesen haben, ist nicht bekannt.
In einer Stellungnahme gegenüber dem Spiegel erklärt das Management der Europa Passage, dass es sich offenbar um ein Missverständnis gehandelt habe und es nur Einzelfälle gewesen seien. Man habe dem Sicherheitsdienst keine Anweisung gegeben, Menschen mit Pride-Fahnen und Transparenten nicht in die Europa Passage zu lassen. Man habe zudem umgehend reagiert und intern klar gestellt, dass es keine solche Weisung gebe.
Man prüfe nun die Vorkommnisse intern um eventuelle Unklarheiten im Nachgang aufzuarbeiten und aufzulösen, so das Management des Einkaufszentrums gegenüber dem Spiegel weiter. Die Europa Passage heisse alle Menschen willkommen und verstehe sich als vielfältiges, offenes und diskriminierungsfreies Haus und ein solches Verbot würde auch nicht zu diesem Anspruch und zum Selbstverständnis passen. Darauf hat Centermanager Karsten Bärschneider zudem auch noch eine offizielle Entschuldigung via den Sozialen Medien verbreitet.
Ob es strafrechtliche Konsequenzen geben wird, auch aufgrund allfälliger Streitigkeiten an den Türen oder gar wegen Gewaltanwendung, hat die Polizei noch nicht bekanntgegeben.