SCHWEIZ: Die Absage des Festivals der Zurich Pride als neue Chance

SCHWEIZ: Die Absage des Festivals der Zurich Pride als neue Chance
Die Absage des Festivals der Zurich Pride hat viele Menschen in der Community überrascht. Doch das Herzstück einer jeden Pride, die Demonstration, bleibt bestehen und somit bildet dieser Schritt auch eine Chance für ein neues Fundament für den grössten queeren Anlass der Schweiz.

Dass die Mitglieder der Zurich Pride an der ausserordentlichen Generalversammlung am 17. Februar 2026 mit über achtzig Prozent der Stimmen für die Durchführung einer Demonstration mit allfälligen Nebenevents, aber gegen ein grosses Festival gestimmt haben, war ein deutliches Statement, hat aber auch viele Menschen in der Community überrascht. Ebenso, dass auch der Vorstand den entsprechenden Antrag und damit dieses Vorgehen mehrheitlich unterstützt hat. 

Bereits in den vergangenen Monaten hat es sich abgezeichnet, dass das Eigenkapital des Vereins wegen finanziellen Fehlleistungen der vergangenen Jahre – trotz erfolgreicher Prides – nicht mehr ausreicht, um auch in diesem Jahr wieder ein Festival durchzuführen. Hinzu kamen ausbleibende oder unsichere Sponsorengelder und ein teilweise neu zusammengesetzter Vorstand, notabene ohne Präsidium. Ein Co-Präsident wurde letztes Jahr abgewählt, die verbleibende Co-Präsidentin ist am 17. Februar an der ausserordentlichen GV per sofort zurückgetreten. 

Florian Vock hat zusammen mit anderen Einzelmitgliedern den Antrag eingereicht, um in diesem Jahr auf das Festival zu verzichten. "Das war kein einfacher Entscheid für die Versammlung. Ich habe selbst schon Festivals organisiert, und es ist eine einmalige Erfahrung", so Florian Vock gegenüber gay.ch. Zentral für diesen, wenn auch vielleicht unpopulären und dafür umso mutigeren Antrag waren die finanziellen Risiken – das Eigenkapital des Vereins reicht kaum noch für die Lohnkosten der Geschäftsstelle. "Die auf den Antrag folgende Debatte an der Versammlung habe ich als sehr konstruktiv empfunden", erklärt Florian Vock weiter.

Die in der Kürze entwickelte Alternative mit einem Festival auf dem Turbinenplatz mit einem Eintrittspreis von 25 Schweizer Franken erschien nicht besonders attraktiv und wurde bereits im Vorfeld der Versammlung breit in der Öffentlichkeit diskutiert. Dabei wurden viele, aber mehrheitlich negative Reaktionen ausgelöst. Um die Zurich Pride nun wieder auf ein solides Fundament zu stellen, braucht es Zeit und dafür reichen die wenigen Monate bis zum Anlass nicht. Dies insbesondere auch, da der Verein auf ehrenamtlichen Helfer:innen basiert, welche sich in ihrer Freizeit gemeinsam während vielen Stunden für die Zurich Pride engagieren.

Auch für Florian Vock ist klar: "2027 muss es wieder etwas geben: Ein Festival, ein Stadtfest, einfach ein gemeinsamer Anlass, um nach der Demonstration zusammenzukommen. Dafür müssen aber die Rahmenbedingungen stimmen. Und dafür braucht es Zeit, einen funktionierenden Vorstand und Gespräche mit der Stadt."

Der Verein kann sich nun die Zeit nehmen, in den nächsten Monaten das Konzept 2027 zu entwickeln. Dafür braucht es nicht zuletzt auch Ressourcen, motivierte Freiwillige und Geld. Die Demonstration mit dem diesjährigen Motto "Protest Trans Youth - Zugang schafft Zukunft" findet am Samstag 20. Juni 2026 statt – wie gewohnt laut und bunt, und vielleicht sogar wieder einmal über die berühmte Zürcher Bahnhofstrasse.

Die genaue Route und weitere Details erfährst Du zu einem späteren Zeitpunkt hier bei gay.ch und in unserer Agenda.