SCHWEIZ: Nationalrat will betreffend trans Jugendlichen erst Fakten schaffen
Es war die Zürcher Gesundheitsdirektion um SVP-Politikerin Natalie Rickli, welche im vergangenen Jahr mit einer Pressekonferenz vorpreschte um bezüglich trans Jugendlichen von der Bundespolitik in Bern ein nationales Verbot für geschlechtsangleichende Operationen bei Minderjährigen zu fordern. Der Kanton setzte damit auf Polemik und wurde auch von Fachleuten dafür kritisiert. Dieses Vorgehen wurde nun am Dienstag vom Nationalrat korrigiert und es ist auch ein entscheidender Schritt gegen transfeindliche Desinformation.
Mit einer mehr als deutlichen Mehrheit von 123 zu 62 Stimmen hat der Nationalrat ein Postulat von Kinderchirurgin und Nationalrätin Bettina Balmer von der FDP gutgeheissen, um eine dringend nötige Versachlichung der Debatte herbeizuführen. Mit diesem Ja müssen zuerst die notwendigen Grundlagen in Form von Fakten und Studienergebnissen geschaffen werden. Mit dem darauf von Expert:innen erarbeiteten Bericht soll eine solide Basis für künftige, politische Entscheidungen gebildet werden.
Mit diesem Vorgehen soll unter anderem geklärt werden,wie hoch die aktuellen Fallzahlen wirklich sind. Es soll erörtert werden, wo es an Fachpersonal fehlt und wie man die Behandlung und die Begleitung von trans Jugendlichen in der Schweiz verbessern kann.
Jann Kraus, Vorstand des Transgender Network Switzerland, freut sich über das deutliche Ergebnis im Nationalrat und erklärt, dass die Entscheidung über die Gesundheitsversorgung in die Hände von Expert:innen gehöre, und nicht in die Kommentarspalten. Es sei erfreulich, dass dieser Grundsatz in der Schweiz eine politische Mehrheit habe.
Dies sei das Mindeste, was man als Gesetzgeber als Entscheidungsgrundlage brauche, erklärte auch Bettina Balmer, die Initiantin des Postulats, denn unaufgeregte Sachpolitik bedarf einer soliden wissenschaftlichen Faktenlage.