SPORT: Heute beginnen die queeren "Olympischen Spiele“
Die Gay Games 2022 fanden unter schwierigen Bedingungen statt: Erst wurden sie sicherheitshalber aufgrund von Covid auf das Jahr 2023 verschoben, und auch aufgrund der politischen Einflussnahme Chinas in Hong Kong und wegen möglichen Reiseeinschränkungen, entschied man sich neben der asiatischen Metropole mit Guadalajara in Mexiko noch eine weitere Stadt an Bord zu holen. Diese Planänderung und auch die Unsicherheiten führten dazu, dass die Spiele wesentlich kleiner ausfielen als sonst.
Auch die Vorzeichen für Valencia waren anfangs durchzogen: Der politische Wandel und die Erstarkung der Rechtsaussen-Partei Vox machte die LGBTI+ Community zur Zielscheibe und wegen Unstimmigkeiten wandten sich plötzlich lokale Organisationen von der Veranstaltung ab. Darauf konnten die Wogen aber schnell wieder geglättet werden, und die Spiele haben an Fahrt aufgenommen. Nun starten die 12. Gay Games am 27. Juni und sie finden bis zum 4. Juli statt.
Über 10‘000 Sportler:innen haben sich für die verschiedensten Wettkämpfe angemeldet und dies ist rund eine Verdoppelung gegenüber von Hong Kong/ Guadalajara mit gemeinsam rund 5‘000 Teilnehmenden. Dabei reisen die Athlet:innen aus rund 80 Ländern nach Valencia. Rund ein Drittel stammt dabei aus Spanien, Deutschland und Frankreich, während jeweils die USA, UK und Kanada traditionell ebenfallls sehr stark vertreten sind.
Damit hat es Valencia geschafft, die Spiele wieder zu vergangener Grösse zu führen. So nahmen ähnlich viele in Paris 2018 und in Köln 2010 teil. Die absolute Rekordzahl an Teilnehmenden geht aber auf das Jahr 1998 zurück, damals traten 14‘715 Sportler:innen in Amsterdam an. Auch die Spiele von New York mit 12‘600 Teilnehmenden zählten zu den Grössten. Dies waren sogar deutlich mehr als etwa bei Olympischen Sommerspielen mit rund 10‘500 bis 11‘100 Teilnehmenden.
Bei den Gay Games in Valencia werden 39 Disziplinen angeboten, die allen Geschlechtern und Leistungsklassen offen stehen. Daneben bieten die Spiele auch immer ein breitangelegtes kulturelles Rahmenprogramm, sowie politische Anlässe. Hinzukommen zudem rund 600 Helfer:innen, welche als Freiwillige vor Ort sind und die Spiele sowohl an den Sport- wie auch an den kulturellen Austragungsorten unterstützen. Die Pride in Valencia findet jedoch nicht während den Gay Games statt, sondern war bereits am 20. Juni zeitgleich mit Zürich.
Ursprünglich, als die Gay Games 1982 in San Francisco ins Leben gerufen wurden, sollten sie Gay Olympics heissen. Doch aufgrund einer Klage des Internationalen Olympischen Komitees IOC musste das Wort Olympics aus dem Namen gestrichen werden. Das Urteil wurde damals nur rund drei Wochen vor dem Start der Spiele bekanntgeben, so dass viele Merchandise-Artikel, Programme und Schilder vernichtet und neu hergestellt werden mussten. Pläne im Jahr 1986 auch Winter Gay Games zu lancieren, scheiterten damals an logistischen Herausforderungen und mangelndem Interesse bei Sponsoren.
Die nächsten Gay Games werden 2030 in Perth in Australien stattfinden.