VATIKAN: Offizieller Bericht zeigt erstmals wie queere Katholik:innen die Kirche erleben
Die Katholische Kirche und die LGBTI+ Community haben ein nicht eben einfaches Verhältnis: Zwar hat sich die Situation nicht zuletzt seit Papst Franziskus merklich verbessert, doch gerade auch das Spannungsfeld zwischen einer teilweise progressiven Kirchenbasis und dem Vatikan ist für viele zermürbend.
Eine Gruppe von Theolog:innen hat nun im Namen des Vatikans während der Bischofssynode erstmals einen Bericht vorgestellt, indem queere Katholik:innen zu Wort kommen und ihre Ansichten und ihre Erlebnisse innerhalb der Kirche persönlich schildern. Zudem zeigt der Bericht , dass nicht nur queere Menschen Konsequenzen erleben, sondern auch deren Familien davon betroffen sind.
So ist von Stigmatisierung, Einsamkeit und sogar von Ängsten die Rede, welche bis hin zu Schmerz und Verletzungen, aber auch Hoffnung und Sehnsüchten führen können. Dabei betonen die Autor:innen des Berichts, dass es zeige, wie es für viele eine gelebte Realität ist, dass sie sich eigentlich innerhalb einer religiösen Gemeinschaft befinden, sich aber trotzdem ausgegrenzt fühlen.
Auch der Umgang der Katholischen Kirche mit queeren Menschen wird durchaus kritisch beleuchtet: So wird die bisherige Herangehensweise durchaus kritisiert, indem etwa die verheerenden Auswirkungen von Konversionsmassnahmen hervorgehoben werden, welche zu tiefem Leid bei den Betroffenen geführt hat. So berichten Opfer, dass sie gezwungen wurden, ihre sexuelle Orientierung zu ändern, um weiterhin am Leben in der Kirche teilnehmen zu dürfen, oder dass sie ihre Identität verstecken oder unterdrücken mussten.
Obwohl der Bericht für Verständnis und Offenheit plädiert, sehen die Autor:innen keine Notwendigkeit darin, die kirchliche Lehre rund um Sexualität und Ehe anzupassen. Der Schwerpunkt solle vielmehr auf dem Dialog und dem Zuhören, sowie auf der Seelsorge liegen, und damit auf den gelebten Erfahrungen. Auf diese Weise soll die Kluft zwischen der Kirche und queeren Menschen überbrückt werden, denn dies sei ein ganzheitlicher Prozess, bei dem neben der Theologie auch Erfahrungen und die Psychologie einbezogen werden soll.
Wie es nach dem Erscheinen des Berichts weitergeht ist ungewiss, denn die Debatte bleibt: Auf der einen Seite jene Mitglieder der katholischen Kirche, welche sich für die Inklusion von queeren Menschen einsetzen, und auf der anderen Seite die Lehre der Kirche, welche die Ehe klar als Beziehung zwischen Mann und Frau definiert. Dies führt dazu, dass wohl auch in Zukunft weiterhin viele LGBTI+ dazu gezwungen sind, im kirchlichen Umfeld ein Doppelleben zu führen.