WIRTSCHAFT: Grindr treibt sein Wachstum voran und investiert 250 Mio. Dollar

WIRTSCHAFT: Grindr treibt sein Wachstum voran und investiert 250 Mio. Dollar
Zielstrebig führt Grindr seinen Weg hin zu einer umfassenden Plattform und zur „Gayborhood in deiner Hosentasche“ weiter voran: Das Unternehmen investiert dazu nun weitere 250 Millionen US-Dollar und kündigt die erste grosse Firmenübernahme an.

Grindr soll weit mehr als nur eine Dating App sein, verkündete der aktuelle CEO, George Arison, als er die Geschicke des Unternehmens übernommen hat. Die App soll sich laut dem eigenen Slogan zur „Global Gayborhood in Your Pocket“ entwickeln. Seither wird dieser Kurs strikt verfolgt und nun kommt erstmals eine grosse Firmenübernahme dazu. Grindr nahm dazu viel Geld in die Hand und investiert ganze 250 Millionen US-Dollar, rund 207 Millionen Schweizer Franken.

Wie das Unternehmen nun in einer Mitteilung an seine Investoren schreibt, werde man die 2020 in Kanada gegründete Firma Freddie kaufen, eine Onlineplattform, welche sich unter anderem auf die Beratung und den Versand von PrEP konzentriert. Damit ist Freddie quasi eine barrierefreie, virtuelle Gesundheitsklinik, welche sich voll und ganz auf die Bedürfnisse queerer Menschen ausgerichtet hat.

Sobald der Verkauf von Freddie abgeschlossen ist und das Unternehmen ganz bei Grindr integriert sein wird, ist vorgesehen, dass die User sich nicht nur einfach Informationen über die Verwendung von PrEP holen können, sondern dass das Angebot weit darüber hinausgeht. So soll etwa online abgeklärt werden, ob eine Kostenübernahme möglich ist und es sollen auch direkt Ärzt:inne kontaktiert werden können um Abklärungen und Kontrolluntersuchungen abzumachen.

Derzeit hat Freddie rund 55’000 Patient:innen in Nordamerika, doch durch die Übernahme von Grindr ergibt sich quasi ein direkter Zugang zu einigen Millionen queeren Personen, und dabei insbesondere schwule Männer. Die Onlineplattform bietet zudem neben PrEP auch noch Präventionsangebote für andere sexuell übertragbare Infektionen, Behandlungen bei Erektionsstörungen oder Herpes sowie Medikamente gegen Haarausfall an.

Laut den Unternehmen ist es somit quasi eine Win-Win-Situation: Grindr hat die Kontakte in die Community und kann sie direkt ansprechen, und Freddie bringt die medizinische Expertise mit. Damit könne man den Zugang zu PrEP gemeinsam revolutionieren, zeigt sich Grindr überzeugt, genau so wie die Dating App damals revolutioniert hat, wie sich schwule Männer kennenlernen. Dass es gerade bei PrEP noch Luft nach oben gibt, davon zeigt sich Grindr überzeugt. Derzeit würden rund 650'000 Menschen in den USA PrEP nutzen, obwohl geschätzt 2.2 Millionen davon profitieren könnten.

Bis aber das gesamte Potential ausgeschöpft werden kann, wird es voraussichtlich noch rund zwei Jahre dauern. Wie Grindr-CEO George Arison erklärt, rechne man mit diesem Zeitraum um Freddie in Grindr zu integrieren. Doch es scheint, als ob Arison nun auch noch viel Überzeugungsarbeit bei den Investoren und Aktionären leisten muss, denn der Kurs fiel nach der Verkündung bis zum Ende des Tages um 4.4 Prozent.