HINTERGRUND: Die Love-Hate-Relationship zu Grindr

HINTERGRUND: Die Love-Hate-Relationship zu Grindr
Die Kritik an Grindr, insbesondere seit dem Börsengang, ist gross: Seien es die massiven Preiserhöhungen bei den Abos, dass immer mehr Features hinter Bezahlschranken verschwinden oder immer mehr Pop-up-Werbungen erscheinen. Doch gibt es eine echte Alternative beim Online-Dating? Die neusten Wirtschaftszahlen von Grindr und das Verhalten der Community deuten auf ein Nein hin.

Nicht zuletzt aufgrund der wachsenden Kritik an Branchen-Platzhirsch Grindr gab es in diesem Frühling gleich mehrere Dating Apps mit Fokus auf die Queer Community, welche entweder neu lanciert wurden, etwa Gaydar und Goose, oder welche neue Investoren fanden um schneller zu wachsen, so etwa Sniffies. Doch haben sie eine reele Chance gegen die Übermacht von Grindr?

Grindr hat seine Dating App mittlerweile sehr unattraktiv gemacht, wenn nicht dafür bezahlt wird. Immer mehr Funktionen wurden hinter die Bezahlschranke gelegt und die kostenlosen Features wurden immer mehr eingeschränkt. Dies führte nicht zuletzt auch zu grosser Kritik in der Community. Das Ziel war mehr als offensichtlich, denn die User sollen dazu gebracht werden, für das Angebot der Dating App zu bezahlen. Obwohl das Vorgehen - natürlich - unpopulär ist unter den Usern, so scheint es zumindest für den Moment finanziell aufzugehen für Grindr.

An der New Yorker Wallstreet werden derzeit drei Dating Plattformen gehandet: Zum einen Bumble, dann die Match Group mit Tinder und Hinge, sowie Grindr. Auffällig ist dabei, das laut einer Untersuchung einzig Grindr jüngst in der Lage war, seine Basis an zahlenden Usern auszubauen. Sowohl Hinge und Tinder, wie auch Bumble haben offenbar ihren Höhepunkt erreicht und stagnieren, respektive bauen sogar ab.

Dieses Wachstum fällt bei Grindr nicht zu knapp aus: So konnten die User, welche die bezahlten Funktionen der App nutzen, innert Jahresfrist um fast ein Fünftel gesteigert werden. Laut Quartalsabschluss hat Grindr damit rund 1.4 Millionen User mit bezahlten Profilen. Im gleichen Zeitraum verlor etwa Match Group rund 318'000 zahlende User. Auch beim Umsatz konnte Grindr die Erwartungen sogar noch deutlich übertreffen. So ist dieser gegenüber dem Vorjahr mit 38 Prozent um mehr als ein Drittel gestiegen. Bis Ende Jahr soll ein Umsatz von deutlich über einer halben Milliarde US-Dollar erarbeitet worden sein, was dann einem Plus von 22 Prozent gegenüber 2025 entsprechen soll.

Doch dies könnte erst erst der Anfang sein, zumindest wenn es nach den Prognosen von Grindr geht. Derzeit gibt es die Bezahl-Abos Grindr Xtra und Grindr Unlimited - erhältlich je nach Angebot umgerechnet zwischen 15 und 45 Franken im Monat. Doch bereits in der Beta-Phase befindet sich Grindr Edge und es kann bereits getestet werden: Bei diesem Abo ist vor allem AI im Spiel und die Kosten sollen dann, je nach Quelle, bei 350 und bis zu 500 Franken liegen - pro Monat! 

Doch trotz der angekündigten hohen Preisen, welche bereits für viel Kritik sorgten, verspricht sich Grindr viel davon: AI soll Nutzenden unter anderem dabei helfen, passende Matches einfacher zu finden, und Dialoge, sowie User-Interaktionen zusammenzufassen. Weiter soll es auch gleich potentielle Dates in der Umgebung zu organisieren helfen, seien es Vorschläge für queere Locations, Reservationen in Restaurants oder Hotels oder anderes mehr. Kurzum: Grindr will mit Edge dafür sorgen, dass all die störenden "Nebengeräusche", welche es in der App gibt, auf ein absoltutes Minimum reduziert werden. Dies klingt zwar vielversprechend, doch ob User wirklich bereit sind so viel zu bezahlen wird sich weisen.

Grindr hat rund 15 Millionen aktive Nutzende pro Monat, bei derzeit 1.4 Millionen zahlenden Usern gibt es also noch sehr viel Potential: Es stellt sich dabei die Frage, wie gut die App den Spagat als börsennotiertes Unternehmen schafft, einerseits seine Aktionäre zufrieden zu stellen, und andererseits die User nicht mit zu viel Werbung respektive zu hohen Abo-Gebühren zu vegraulen. Aufgrund der aktuellen Zahlen scheint dies derzeit gut zu klappen. Trotz Kritik sind viele User bereit, für das Angebot von Grindr trotzdem zu bezahlen.

Doch trotzdem, es gibt sie auch noch, die weiteren queeren Apps, welche teilsweise bereits seit vielen Jahren bestehen, etwa Jack'd, Hornet, Scruff oder Blued: Sie haben sich allerdings verstärkt auf bestimmte Usergruppen oder geografische Regionen innerhalb der Community spezialisiert und werden zudem von zahlreichen Usern quasi als Plus 1 neben Grindr verwendet. Ob die neuen Apps wie Goose oder Gaydar bestehen können, und ob die Expansion von Sniffies gelingt, wird die Zukunft zeigen.

Interessant dürfte zudem auch die Entwicklung bezüglich dem Thema Sicherheit sein: Dating Apps stehen zunehmend vor grösser werdenden Herausforderungen, wie sie ihre Nutzenden schützen können und wie sie auf Gewalttaten reagieren, welche in ihrem Umfeld geschehen, etwa mittels Fake Profilen. Weltweit häufen sich die Meldungen und Straftaten in diesem Zusammenhang, und sie können nicht länger ignoriert werden. 

Safer Dating - Tipps rund um sicheres Online-Dating:

Keine persönlichen Informationen und Wohnadressen austauschen, bevor man einer Person nicht wirklich vertrauen kann.

Erst an einem öffentlichen Ort, wo es auch viele, andere Menschen hat, treffen.

Auch noch einen Freund informieren, wann und wo man zu einem Date geht, damit noch jemand Bescheid weiss, falls es zu einem Zwischenfall kommt.

Nicht zu viel Alkohol trinken und auf sein Glas aufpassen, etwa wegen Drogen und K.o.-Tropfen.

Das Mobiltelefon sollte immer geladen sein, damit man zur Not auch Hilfe anfordern kann.

Und ganz wichtig: Auf das Bauchgefühl hören. Niemand zwingt einem an einem Ort zu bleiben: Wenn man sich unwohl fühlt, dann soll man lieber gehen als bleiben.

Brauchst Du Hilfe und möchtest Du mit jemandem sprechen? Hier findest Du Hilfe:

Die Schweizer LGBT+ Helpline steht Dir unter der Nummer 0800 133 133 kostenlos zur Verfügung. Mehr Infos: lgbt-helpline.ch

Weitere Information erhältst Du auch unter:
Du-bist-du.ch: Beratung und Information
Milchjugend: Übersicht über queere Jugendgruppen
Transgender Network Switzerland: Dachorganisation für trans Menschen
LOS: Lesbenorganisation Schweiz
Pink Cross: Dachorganisation schwuler und bisexueller Männer