PORTRAIT: Tim Cook trat als CEO von Apple ab - was hat er für LGBTI+ erreicht?
Anfangs sah es nach einer kaum zu erfüllenden Aufgabe aus: Wer die Nachfolge von Steve Jobs antritt, kann eigentlich nur verlieren - eigentlich! Der Status des Mitgründers und langjährigen CEOs von Apple innerhalb der Tech-Community grenzte damals schon fast an kultähnliche Verehrung, doch mit den Jahren hat es Tim Cook allen bewiesen und er konnte sich allmählich von Jobs und dessen Strahlkraft lösen ohne dessen Vermächtnis nicht trotzdem entsprechend zu würdigen.
Nur gut sechs Wochen bevor Steve Jobs an den Folgen einer Krebserkrankung starb, übernahm Tim Cook das Ruder bei Apple. Als Jobs am 5. Oktober 2011 verstarb, ehrte der Konzern das Schaffen seines Mitgründers mit einem grossen Porträt auf der Firmen-Webseite und den Worten „Steve Jobs - 1955 - 2011“. Auf einer speziellen Gedenkseite konnten alle zudem ihre Erinnerungen an ihn mit der Welt teilen. Bis heute haben weit über eine Million Menschen einen Eintrag eingesendet, der darauf dort veröffentlicht wurde.
Jobs direkter Nachfolger Tim Cook kannte die Unternehmung ebenfalls bestens, wurde er doch bereits 1998 von Steve Jobs höchstpersönlich umworben, damit er zu Apple wechselt. Zunächst war er Senior Vice President of Operations, ab 2002 dann Executive Vice President of Worldwide Sales and Operations und ab 2004 auch noch für Macintosh verantwortlich. Es war schliesslich im Oktober 2005 als er zum COO von Apple befördert wurde und damit noch enger mit Steve Jobs zusammenarbeitete.
Wirtschaftlich machte Tim Cook Apple zur wertvollsten Firmenmarke weltweit: Als er das Ruder von Steve Jobs übernahm hatte das Unternehmen einen Markenwert von rund 350 Milliarden US-Dollar, nun, 15 Jahre später sind es bereits gegen 4,9 Billionen Dollar - ein gewaltiger Sprung. Dieser Erfolg schlägt sich auch im Umsatz nieder und mit 416 Milliarden US-Dollar im vergangenen Jahr zählt Apple heute auch zu den umsatzstärksten Unternehmen der Welt.
Doch Tim Cook setzte auch mit seinem Privatleben Akzente, welche weit über seine wirtschaftlichen Erfolge Ausstrahlung haben. Als erster Wirtschaftsführer eines Fortune 500-Unternehmens hatte er im Jahr 2014 sein öffentliches Coming Out. Erst zeigte er sich damals im Juni zusammen mit Mitarbeitenden an der San Francisco Gay Pride, und etwas später folgte dann sein Coming Out bei Bloomberg Businessweek. Seine Worte gingen damals um die Welt: So erklärte er, dass er stolz darauf sei, schwul zu sein und es als eines der grössten Geschenke Gottes betrachte.
Bereits im Jahr 2011 gab es erste Gerüchte um seine sexuelle Orientierung, doch damals schirmte er sein Privatleben noch vollständig von der Öffentlichkeit ab. In seinem Umfeld hatte er damals aber schon länger sein Coming Out und er erklärte, er habe sich nie versteckt. Er traf sich damals auch mit dem bekannten Fernsehmoderator und Journalisten Anderson Cooper, welcher selber sein Coming Out hatte, um mit ihm über dessen Erfahrungen im Umgang mit der Öffentlichkeit zu sprechen, denn er wollte sicherstellen, dass es weiterhin um die Firma Apple und deren Produkte geht und dass sein Privatleben nicht plötzlich ins Zentrum gerückt wird.
Besonders kurz nach seinen Coming Out veröffentlichte Tim Cook auch immer wieder politische Statements zu Gunsten der LGBTI+ Community. So sprach er sich gegen feindliche Gesetze zur Religionsfreiheit aus, welche in erster Linie direkt gegen queere Menschen gerichtet waren. Auch Apple selber mischte mit und sprach sich als einer der ersten Konzerne für den Equality Act aus, kündigte beispielsweise auch einen Investitionsstopp in North Carolina an wegen einem extrem transfeindlichen Gesetz oder forderte den Gouverneur von Georgia auf ein Gesetz gegen LGBTI+ mit seinem Veto zu blockieren.
Mit der zweiten Amtszeit von Donald Trump bekam das Image von Cook als Kämpfer für die Rechte queerer Menschen aber zunehmend Risse. So spendete er eine Million Dollar zur Amtseinführung von Trump, schenkte dem US-Präsidenten ein Apple Logo aus Glas auf einem goldenen Sockel mit 24 Karat und versprach Investitionen von 100 Milliarden Dollar in den USA. Die Folge: Sein Unternehmen wurde mit einer Ausnahmeregelung bei den Zöllen für Halbleiter belohnt.
Trotz der massiven Einschränkungen der Rechte für queere Menschen unter den Republikanern hat es Cook stets vermieden deren Politik oder die Regierung Trump offen zu kritisieren. Vielmehr betonte er, politisch neutral zu sein und er stehe eher in der Mitte. Zudem beschreibt er, dass seine Beziehung zum Weissen Haus eher politische Belange betrafen als inhaltliche.
Anfangs September wechselte Tim Cook nun noch einmal seine Rolle innerhalb von Apple: Er wurde zum Executive Chairman und als sein Nachfolger als CEO wurde John Ternus bestimmt. Er arbeitet bereits seit 25 Jahren bei Apple und war die letzten fünf Jahre Senior Vice President für die Hardware-Entwicklung.
Sein Privatleben hält Tim Cook weiterhin strikt privat. So ist kaum etwas von seinem Familienleben bekannt. Er ist nicht verheiratet, er hat keine Kinder und in einer Rede im Apple Park erwähnte er einzig einmal seien Partner namens Mike - mehr ist aber kaum bekannt über ihn. Er ist aber eng mit seiner Familie verbunden, insbesondere seine Eltern nennt er häufig, sowie seinen Neffen. Ihm hat er nicht nur seine College-Ausbildung bezahlt, sondern er unterstützt ihn auch in der Karriere. Die Mehrheit seines Vermögens, das mittlerweile auf mehrer Milliarden Dollar angewachsen ist, will er zudem spenden.