PORTRAIT: Was bedeutet der neue britische Premier für die LGBTI+ Community?

PORTRAIT: Was bedeutet der neue britische Premier für die LGBTI+ Community?
Mit Keir Starmer hatten queere Menschen einen Unterstützer in der 10 Downing Street in London. Nach dessen Rücktritt im Juni folgt nun Andy Burnham als neuer Premierminister von Grossbritannien. Was er für die LGBTI+ Community bedeutet, erfährst Du hier…

Früher als gedacht hat Grossbritanniens Labour-Partei einen neuen Premierminister vorgestellt, der die Nachfolge des am 22. Juni zurückgetretenen Keir Starmer antreten wird. Es ist der 56-jährige Andy Burnham der nicht nur der neue Premier des Landes wird, sondern gleichzeitig auch der neue Vorsitzende der Labour-Partei. Der Politiker war zuvor bereits Abgeordneter im britischen Parlament, hatte mehrere Positionen im Regierungskabinett inne und war zuletzt während rund neun Jahren Bürgermeister von Greater Manchester. Erst im Juni wurde er aber wieder ins britische Parlament zurückgewählt.

Doch wo steht Andy Burnham in Bezug auf die Rechte für queere Menschen? Obwohl er selber der katholischen Kirche angehört, stellt er sich gerade was die Rechte von LGBTI+ angeht, immer wieder gegen die Grundsätze von Rom. So war es etwa im Wahlkampf 2015 als er den damaligen Papst Franziskus aufforderte, die katholische Kirche ins 21. Jahrhundert zu führen, indem er öffentlich seine Unterstützung für die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare zeige.

Im selben Jahr forderte er auch, dass die Zulassung von Männern, die Sex mit Männer haben, für die Blutspende überprüft werden solle. Es solle vielmehr ein risikoreicher Lebensstil zum Ausschluss führen, und nicht die sexuelle Orientierung an sich. Diese könne diesbezüglich nicht das Problem sein, so Burnham damals.

Auch schon zu Studienzeiten zeigte der heutige Politiker sein Engagement für die LGBTI+ Community: Als damals 1988 über die Einführung der Section 28 debattiert wurde, ging er ebenfalls auf die Strasse um an Studentenprotesten deren Ablehnung zu fordern - doch sie wurde trotzdem eingeführt. Die Section 28 unter Margaret Thatcher hat es damals Schulen, Behörden und Gemeinden verboten, Themen rund um die sexuelle Orientierung und die Geschlechtsidentität zu „promoten“ oder positiv darzustellen. Dieser Gesetzesabschnitt wurde erst 2003 endlich abgeschafft, und auch Burnham stimmte damals für die Aufhebung.

Auch alle anderen Anliegen zu Gunsten der LGBTI+ Community unterstützte er offen, wie etwa das Partnerschaftsgesetz im Jahr 2004, das Anti-Diskriminierungsgesetz im Jahr 2007, sowie ein Jahr später auch die Ermöglichung der künstlichen Befruchtung für lesbische Paare und die Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare im Jahr 2013.

2019 sprach er sich zudem für eine Anpassung des Gender Recognition Acts aus, um trans und inter Menschen eine einfachere Anpassung ihres Geschlechts zu ermöglichen. Das Engagement für die Rechte von trans Menschen war für ihn ohnehin immer ein sehr wichtiges Anliegen.

Trotz viel Gegenwind sprach er sich immer offen dafür aus, dass auch trans Frauen die Frauen-Toiletten benützen dürfen. Als das Oberste Gericht 2025 urteilte, dass ausschliesslich das biologische Geschlecht zähle, forderte Burnham, dass dieses Urteil so fair und mitfühlend wie nur möglich umgesetzt werden soll. Geschlechtergetrennte Räume müssen laut seiner Meinung geschützt werden, aber nicht auf Kosten von ohnehin bereits marginalisieren Gruppen. Zudem forderte er alle auf, endlich aufzuhören über trans Rechte zu diskutieren und vielmehr den Ansatz "Leben und leben lassen" zu verfolgen. 

Dass er zudem im Jahr 2022 ein umfassendes Verbot von Konversionsmassnahmen forderte, war damit nur konsequent. Die damalige Regierung hat nämlich ein solches Verbot vorgestellt, aber Konversionsmassnahmen auf Basis der Geschlechtsidentität explizit ausgeklammert. Damals ging auch die LGBTI+ Community in London auf die Strasse und forderte entweder ein allumfassendes Gesetz, welches alle queeren Menschen vor diesen schädlichen Praktiken schützt, oder gar keines. Das Resultat: Trotz vielen Versprechen existiert bis heute kein solches Verbot.

Doch das Engagement von Andy Burnham betraf nicht nur die nationale Ebene, sondern auch in seiner Funktion als Bürgermeister von Greater Manchester stellte er sich stets an die Seite queerer Menschen. So holte er 2018 Carl Austin-Behan als LGBTQ+-Berater der Stadt an Bord. Austin-Behan war aufgrund seiner Homosexualität aus der Royal Air Force entlassen worden und setzte sich fortan für die Queer Community ein. Im selben Jahr gründete er zudem ein LGBTQ+-Gleichstellungsgremium, welches queere Menschen im Grossraum Manchester bei Problemen unterstützen soll.

All diese Anzeichen dürfen queere Menschen positiv auf die nun beginnende Amtszeit von Andy Burnham blicken lassen. Laut dem renommierten LGBTI+ Magazin Attitude in UK darf er sich gut und gern als einer der konstantesten Allys in der britischen Politik bezeichnen, was die Rechte von queeren Menschen betrifft. Nun geht es darum die Anliegen auszuarbeiten, einzubringen und die nötigen Mehrheiten zu beschaffen, um damit auch Taten sprechen zu lassen.

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