GESUNDHEIT: Sexuell übertragbare Shigellen bereiten Sorge in UK
Ursprünglich kommen Shigellen eher in Ländern mit tiefen bis mittleren Einkommen vor, doch in jüngster Zeit verbreitet sich die Infektionskrankheit, die auch als Ruhr bekannt ist, auch in einigen Communities aus, und dabei insbesondere bei GBMSM, also bei schwulen und bisexuellen Männern, die Sex mit Männern haben. Die Symptome sind dabei Durchfall, der auch blutig sein kann und über einen längeren Zeitraum andauert.
Shigellen sind stark ansteckend und können bereits bei kleinsten Spuren von Fäkalien übertragen werden. Zum Vergleich: Bei Salmonellen sind rund 1’000 Bakterien für eine Übertragung nötig, bei Shigellen reichen jedoch bereits rund hundert Mal weniger. Dabei scheinen sich die Übertragungswege aber in jüngster Zeit stark verändert zu haben.
So gehen Wissenschaftler:innen derzeit davon aus, dass sich mehr als die Hälfte der Infektionen in Grossbritannien auf sexuellem Weg übertragen haben. Knapp ein Drittel sind auf Reisen zurückzuführen und die restlichen rund 20 Prozent geschehen zwischen Kindern. Diese Ausbrüche passieren unregelmässig. Weiter zeigte sich, dass sich die sexuell übertragbare Variante mehr als doppelt so schnell verbreitet. Dabei wurden die verschiedenen Stämme über einen Zeitraum von zweieinhalb Jahren untersucht.
Vor allem in den bekannten Gay Hotspots London, Manchester und Brighton tauchte die sexuell übertragbare Variante der Shigellen besonders häufig. Dabei waren vor allem sogenannte GBMSM betroffen, und insbesondere jene mit einer höheren Anzahl an wechselnden Partnern. Die Übertragung passiert dabei in den allermeisten Fällen via Rimming, sprich dem direkten Kontakt von Mund zu Anus, es kann aber auch via indirektem Kontakt geschehen.
In Grossbritannien geht man derzeit davon aus, dass rund ein Drittel jener Personen, welche sich auf sexuellem Weg mit Shigellen infiziert haben, ins Krankenhaus müssen und dort während vier bis fünf Tagen behandelt werden. Hinzu kommt, dass rund zwei Drittel der infizierten GBMSM zudem auch noch andere STI aufweisen, inklusive HIV.
Shigellen können mittels Antibiotika behandelt werden. Dabei zeigte sich aber, dass mehr als siebzig Prozent jener Stämme, welche sexuell übertragen werden, Resistenzen gegen mindestens eines der bekannten Antibiotika aufweist. Bei jenen Stämmen, welche via Reisen übertragen werden, lag dieser Wert bei 49 Prozent, bei allen Stämmen ausser den sexuell übertragbaren bei 40 Prozent.
Die sonst gängigen Präventionsmassnahmen gegen Shigellen, wie etwa fleissiges Händewaschen und der hygienische Umgang bei der Zubereitung von Lebensmitteln, schützen bei der sexuellen Übertragung nicht. Daher fordern Mediziner eine besser Aufklärung, insbesondere in den besonders betroffenen Communities, sowie eine bessere Überwachung und auch Prävention. Nur so könne die Weiterbereitung wirkungsvoll verhindert werden. Dabei soll auch eine Einstufung als Bedrohung für die öffentliche Gesundheit helfen.
Brauchst Du Hilfe und möchtest Du mit jemandem sprechen? Hier findest Du Hilfe:
Die Schweizer LGBT+ Helpline steht Dir unter der Nummer 0800 133 133 kostenlos zur Verfügung. Mehr Infos: lgbt-helpline.ch
Über die Webseite stophate.ch kannst Du zudem einfach online und in verschiedenen Sprachen Hate Crimes an die LGBTIQ Helpline, der offiziellen Meldestelle für queerfeindliche Hassverbrechen, melden.
Weitere Information erhältst Du auch unter:
Du-bist-du.ch: Beratung und Information
Milchjugend: Übersicht über queere Jugendgruppen
Transgender Network Switzerland: Dachorganisation für trans Menschen
LOS: Lesbenorganisation Schweiz
Pink Cross: Dachorganisation schwuler und bisexueller Männer