BELGIEN: Prozess gegen jugendliche Grindr-Mörder - je 15 Jahre Haft

BELGIEN: Prozess gegen jugendliche Grindr-Mörder - je 15 Jahre Haft
Sie waren damals noch minderjährig, doch gingen mit absoluter Brutalität vor. Nun mussten sich die drei Angeklagten im belgischen Gent wegen Mordes vor Gericht verantworten. Ihr Opfer, ein 42-jähriger Mann, sollen sie mit Grindr in einen Park gelockt, ihn misshandelt und dann umgebracht haben. Sie wurden nun zu je 15 Jahren Haft verurteilt.

War es ein LGBTI+ feindliches Hassverbrechen oder ein Raubüberfall? Dies hatte ein Schwurgericht im belgischen Gent zu beurteilen. Angeklagt waren drei junge Männer, heute 21- respektive 22-jährig, welche zum Tatzeitpunkt im März 2021 noch minderjährig waren. Sie mussten sich nun wegen Mord und Raub verantworten.

Den Angeklagten wurde vorgeworfen, dass sie ihr späteres Opfer David P. über Grindr mit der Absicht für ein Date in einen Park nahe Lesseliersdreef in Beveren gelockt haben. Im Profil gaben sie sich als 15-jährig aus. Dort sollen sie ihm aufgelauert, ihn angegriffen, ausgeraubt und in den Oberschenkel gestochen haben. Ihr Opfer verblutete aufgrund der grossen Wunden und wurde am 6. März im Park tot aufgefunden.

Via ihren Anwälten bestreiten die Angeklagten diesen Tathergang. So behauptet einer der mutmasslichen Täter, dass sie das Mobiltelefon des Opfers nur dazu gebraucht haben um den Notruf zu wählen. Es habe weder einen Mord noch einen Raub gegeben.

Ein anderer mutmasslicher Täter wiederum erklärt, dass sie keine Tötungsabsichten gehabt haben. Sie hätten nur den Widerstand des Mannes brechen wollen und haben ihm deshalb ins Bein gestochen und nicht in den Bauch oder den Hals wo sich lebenswichtige Organe befinden. Er habe sich nur verteidigt und dies sei sein gutes Recht gewesen, und er habe nie die Absicht gehabt, David P. zu töten. Der Raub sei einfach aus dem Ruder gelaufen.

Laut Medienberichten sollen sich die drei mit anderen Jugendlichen als sogenannte „Paedo-Hunters“ bezeichnet haben. Als solche sollen sie bereits vor dem Mord an David P., andere Männer angelockt, sie konfrontiert, ausgeraubt und gewalttätig angegangen haben. Dieses „Phänomen“ bereitet den Behörden zunehmend Sorgen und es sind auch bereits Fälle in der Schweiz bekannt.

Das Gericht befand die drei jungen Männer nun für schuldig und verurteilte sie wegen Raubes mit Todesfolge. Dass es als LGBTI+ feindliche Tat behandelt wird, davon sah das Gericht ab. Sie wurden zu je 15 Jahren Haft verurteilt. Bereits im Vorfeld haben die Angeklagten verlauten lassen, dass sie das Urteil akzeptieren und nicht in Berufung gehen werden. In ein paar Jahren werden sie erstmals die Möglichkeit haben um einen Antrag auf frühzeitige Haftentlassung zu stellen.

Die Schwester und der Bruder des Opfers zeigten sich nach dem Prozess zufrieden, sowohl mit dem Urteil, wie auch damit, wie ihr Bruder als Person vor Gericht dargestellt wurde.

Safer Dating - Tipps rund um sicheres Online-Dating:

Keine persönlichen Informationen und Wohnadressen austauschen, bevor man einer Person nicht wirklich vertrauen kann.

Erst an einem öffentlichen Ort, wo es auch viele, andere Menschen hat, treffen.

Auch noch einen Freund informieren, wann und wo man zu einem Date geht, damit noch jemand Bescheid weiss, falls es zu einem Zwischenfall kommt.

Nicht zu viel Alkohol trinken und auf sein Glas aufpassen, etwa wegen Drogen und K.o.-Tropfen.

Das Mobiltelefon sollte immer geladen sein, damit man zur Not auch Hilfe anfordern kann.

Und ganz wichtig: Auf das Bauchgefühl hören. Niemand zwingt einem an einem Ort zu bleiben: Wenn man sich unwohl fühlt, dann soll man lieber gehen als bleiben.

Brauchst Du Hilfe und möchtest Du mit jemandem sprechen? Hier findest Du Hilfe:

Die Schweizer LGBT+ Helpline steht Dir unter der Nummer 0800 133 133 kostenlos zur Verfügung. Mehr Infos: lgbt-helpline.ch

Weitere Information erhältst Du auch unter:
Du-bist-du.ch: Beratung und Information
Milchjugend: Übersicht über queere Jugendgruppen
Transgender Network Switzerland: Dachorganisation für trans Menschen
LOS: Lesbenorganisation Schweiz
Pink Cross: Dachorganisation schwuler und bisexueller Männer