FRANKREICH: Kriegt auch Frankreich bald seinen ersten offen queeren Präsidenten?
Immer mehr Kandidat:innen geben ihre Absichten bekannt, im kommenden Jahr Staatspräsident:in von Frankreich werden zu wollen und damit die Nachfolge von Emmanuel Macron anzutreten. Dieser ist seit 2017 im Amt und kann aufgrund der geltenden Amtszeitbeschränkung nicht mehr selber antreten.
Oft angefragt, hat nun auch der frühere Premierminister unter Macron, Gabriel Attal, die Vermutungen bestätigt und seine Ambitionen bei den Wahlen 2027 bestätigt. Er ist derzeit Parteipräsident von Macrons Renaissance, jene Partei, welche bis 2017 noch En Marche und danach bis 2022 La Republique en marche hiess.
Attal war zudem vom 9. Januar bis zum 5. September 2024 Premierminister Frankreichs, und dabei war er nicht nur der jüngste, sondern auch der erste offen schwule Premiere, den das Land je hatte. Das selbe würde nun für ihn gelten, wenn er die Wahlen im kommenden Jahr für sich entscheiden könnte. Attal wäre dann 38-jährig und Macron war bei seiner Wahl zum Präsidenten 39 Jahre und fünf Monate alt.
Macron und Attal verbindet kaum mehr als die gleiche Parteizugehörigkeit: Es kam zu Verstimmungen zwischen den Beiden als Macron 2024 überraschend entschied das Parlament aufzulösen. Er hat Attal als damaligen Premier nicht vorgängig informiert und ihn damit ohne Ankündigung quasi vor die Tür gesetzt.
Seine Kandidatur gab Attal in Mur-de-Barrez, einem kleinen Dorf mit gerade mal 700 Einwohner:innen im Süden Frankreichs, bekannt. Er zeigte sich dabei mit zehn im nahestehenden Politiker:innen, sowie dem Bürgermeister des Orts. Die Bevölkerung wurde zuvor für eine Bürgerdebatte mit Nachtessen auf dem Dorfplatz eingeladen, ohne dass sie jedoch genau wussten, um was es eigentlich ging. Rund hundert Gäste kamen schliesslich zusammen.
Gabriel Attal hat seine Kandidatur zwar von langer Hand geplant, sich aber bis jetzt nicht in die Karten blicken lassen. So veröffentlichte er ein Buch um seine Geschichte zu erzählen, was ihm zu zusätzlicher Medienpräsenz verhalf. Für Lesungen reiste er dabei quer durchs Land und besuchte aber auch einige europäische Städte wie Athen, Brüssel, Den Haag und Kiew. Damit wollte er sich auch international als idealer Präsidentschaftskandidat für seine Partei positionieren.
Die Wahlen in Frankreich werden mit Spannung erwartet, nicht zuletzt auch, da noch vieles offen ist. So ist noch unklar, ob etwa Marine LePen für die Rechtsaussen-Partei Rassemblement National (RN) antreten darf. Sie hat gegen ein Gerichtsurteil, welches ihr eine Kandidatur verbieten würde, Berufung eingelegt. Ihre Partei führt derzeit in den Umfragen. Mit Edouard Philippe ist zudem ein weiterer, ehemaliger Premier im Rennen. Er hat derzeit laut Umfragen die grössten Chancen gegen Kandidierende von Rechtsaussen. Bei den Konservativen tritt Bruno Retailleau an und möglicherweise will es der ehemalige französische Präsident François Hollande auch nochmals wissen.
Das Coming Out von Gabriel Attal war damals alles andere als freiwillig, denn er wurde 2018 von einem ehemaligen Klassenkameraden via Twitter geoutet. Mittlerweile setzt sich der Politiker auch gegen LGBTI+ Feindlichkeiten ein und er erklärte, dass er eine dicke Haut habe, wenn es um solche Angriffe gehe. Er denke dann immer an die Millionen von Franzosen, welche dies ebenfalls erleben, welche aber nicht so berühmt sind und daher weniger Unterstützung und Privilegien haben wie er selber. Er sei froh, dass es heute kein Hindernis mehr ist, homosexuell zu sein, um in die höchsten Ebenen der Macht zu kommen.