RUSSLAND: Papst-Autobiografie wurde zensuriert
Es waren nur zögerliche Schritte, oftmals musste er auch wieder öffentlich zurückrudern, doch trotzdem war Papst Franziskus was die Ansichten über queere Menschen betrifft, ein Vorreiter innerhalb der katholischen Kirche. Er war es, der sich öffentlich gegen die Kriminalisierung aussprach, der LGBTI+ Feindlichkeiten als Sünde brandmarkte und der nicht zuletzt die Segnung für gleichgeschlechtliche Paare aufgleiste.
Auch für die trans Community hat sich Papst Franziskus als erster in dieser Rolle stark gemacht. So traf er sich nicht nur mit trans Aktivist:innen um über ihre aktuelle Situation zu sprechen, sondern er erklärte auch, dass trans Menschen durchaus auch Trauzeugen bei Hochzeiten und Taufpaten sein können, wie sie auch selber getauft werden können.
Von all dem werden die Menschen in Russland aber kaum etwas erfahren: Mit etlicher Verspätung ist dort nämlich die Autobiografie Hoffnung von Papst Franziskus in russischer Sprache erschienen, jedoch in zensurierter Form. Wichtige Inhalte über LGBTI+ Themen, welche dem russischen Regime nicht genehm waren, wurden entweder geschwärzt oder gleich ganz gestrichen, wie Leser:innen nun entdeckt haben.
Im Rest der Welt erschien das Buch bereits wenige Monate vor dem Tod des Papstes, doch in Russland war es erst anfangs Jahr soweit. Es brauchte offenbar seine Zeit um es zu überarbeiten. So wurde beispielsweise der Abschnitt ganz gelöscht, in welchem der Papst erklärt, dass Homosexualität kein Verbrechen ist und homosexuelle sowie auch trans Menschen in der Kirche willkommen seien. All diese Reformen werden von der russischen Kirche strikt abgelehnt.
Der Verlag, welcher Hoffnung in Russland herausgibt, hat keine Stellung zu den Zensurmassnahmen abgegeben. Seit die internationale LGBT Bewegung im November 2023 aber durch Russland als extremistisch und gar terroristisch eingestuft wurde, sind queere Inhalte im Alltag praktisch nicht mehr sichtbar. Über 600 Bücher wurden bereits verboten, in Verlagen wurden Razzien durchgeführt und Mitarbeitende verhaftet, und damit ist es wohl auch zu erklären, dass der Alpina Verlag diese Sicherheitsmassnahmen traf.
Der Nachfolger von Franziskus, Papst Leo, geht den Weg von seinem Vorgänger weiter und er setzt sich ebenfalls für queere Menschen ein. In Russland leben rund eine Million Katholiken, dem gegenüber stehen rund 60 Millionen Mitglieder der russisch-orthodoxen Kirche.