RUSSLAND: Bekannter Buchverlag und Pionier für queere Literatur muss schliessen
Die Literatur- und Kulturbranche in Russland ist arg unter Druck und praktisch jede Veröffentlichung, welche etwas vom Mainstream abweicht wird zur Gratwanderung. Insbesondere seit das Land sein Anti-LGBTI+ Propagandagesetz im Jahr 2022 nochmals massiv verschärft hat, greifen die Zensurbehörden hart durch.
Lange bot der Buchverlag Popcorn Books der Regierung Putin die Stirn. Im Jahr 2018 gegründet, konzentrierte sich das Unternehmen auf Jugendbücher und war zudem ein Pionier für LGBTI+ Inhalte und queere Autor:innen. Dadurch geriet der Verlag immer wieder ins Visier der Behörden. So wurden im vergangenen Mai mit Dmitry Protopopov der Geschäftsführer, sowie zehn weitere Mitarbeitende des Verlagswesens kurzerhand verhaftet und wegen der Beteiligung an „extremistischen Aktivitäten“ angeklagt. Dies ist möglich, da die gesamte „internationale LGBT-Bewegung“ per Gerichtsentscheid seit November 2023 als „extremistisch“ eingestuft wurde. Dmitry Protopopov wurde zudem in die Liste der Extremisten und Terroristen aufgenommen.
Auch die Entscheidung, das Buch „Pioneer Summer“ des ukrainisch-russischen Schriftstellerduos Katerina Sylvanova und Yelena Malisova zu veröffentlichen, sorgte bei den Behörden für mächtig Wirbel. Der Roman handelt von den letzten Jahren der Sowjetunion. Im Mittelpunkt der Erzählung stehen dabei zwei Jungs, welche sich in einem Sommerlager kennenlernen und sich ineinander verlieben. Durch die verschärften Gesetze nahmen immer mehr Buchhandlungen das Buch aus dem Handel und die beiden Autorinnen mussten sogar das Land verlassen.
Die Verantwortlichen von Popcorn Books bedankten sich nun bei ihren Unterstützenden, als sie die Öffentlichkeit über ihre Schliessung informierten: Wenn auch nur eines unserer Bücher in ihrem Buchregal steht, in ihren Erinnerungen oder in ihrem Herzen weiterlebt, dann hat sich das alles bereits gelohnt. Sie seien dankbar, dass sie von ihren Supportern nicht im Stich gelassen wurden, auch wenn es nun zu einer tragischen Wendung gekommen sein.
Die Regierung schränkte in den vergangenen Jahren nicht nur die Meinungsfreiheit in Bezug auf LGBTI+ Themen, oder wie es die Behörden nennen: LGBTI+ Ideologie, ein, sondern auch betreffend dem Angriffskrieg gegen die Ukraine. Immer wieder kommt es zu Razzien in Buchhandlungen, aber auch bei Verlagen. Bücher, welche dem Kreml nicht genehm sind, werden konfisziert und kommen auf eine schwarze Liste. Die Unternehmen erhalten Geldstrafen, oder es kommt sogar zu Verhaftungen - wie bei Popcorn Books geschehen.