TÜRKEI: Noch immer sind viele LGBTI+ in Haft
Es war eine beispiellose Aktion, welche die türkischen Behörden im September durchgeführt haben: Gemäss der Organisation All Out wurden mindestens 117 Personen verhaftet und 83 von ihnen wurden in Untersuchungshaft genommen. Dabei sind von den Razzien sieben LGBTI+ und zwei HIV-Organisationen, sowie queere Treffpunkte betroffen. Vier Vereinen droht zudem die Auflösung. Bereits vor den Verhaftungen wurde des weiteren die Sperrung von rund 420 Social Media-Konten angeordnet, einige wurden in der Zwischenzeit aber wieder hergestellt.
Nun schlägt die Organisation All Out Alarm: Von den Personen, welche in Untersuchungshaft gesteckt wurden, befinden sich noch immer 24 Personen in Haft - auch mehr als einen Monat nach ihrer Verhaftung. So sollen sich einige davon in Isolationshaft befinden, andere gerade gegenteilig in überfüllten Zellen und teils mit ungenügendem Zugang zu einer medizinischen Versorgung. In einem Fall sollen sich 18 Personen eine Zelle mit nur acht Betten teilen. Gegen die Personen, welche sich in Haft befinden, wurde noch immer keine Anklage erhoben und somit ist auch nicht genau bekannt, weshalb sie überhaupt inhaftiert wurden.
Diese weitreichende Aktion insbesondere gegen die LGBTI+ Community begründeten die türkischen Behörden mit dem Schutz der öffentlichen Moral, zudem mit Obszönität und mit dem Verstoss gegen das geltende Vereinsrecht. Mittlerweile haben sich auch die Vereinten Nationen eingeschaltet: 18 UN-Menschenrechtsexperten haben sich bereits zu Wort gemeldet und das Vorgehen aufs schärfste verurteilt. Auch seien die Vorwürfe gegen die Inhaftierten haltlos.