TÜRKEI: Razzien in Gay Bars und bei LGBTI+ Aktivist:innen - 50 Verhaftungen

TÜRKEI: Razzien in Gay Bars und bei LGBTI+ Aktivist:innen - 50 Verhaftungen
Die türkischen Behörden gehen massiv gegen die LGBTI+ Community vor: Bei Razzien von verschiedenen queeren Treffpunkten und bei LGBTI+ Aktivist:innen wurden am Wochenende unter anderem in Istanbul und Ankara 50 Personen verhaftet. Auch getroffen hat es Kaos GL, die renommierteste und wichtigste LGBTI+ Organisation im Land. Gegen 162 Personen wird zudem ermittelt.

Wie die Staatsanwaltschaft erklärte, fand die Operation unter dem Titel "Meine Familie ist in Sicherheit" statt. In deren Folge wurden landesweit, insbesondere in den beiden Grossstädten Istanbul und Ankara, rund 50 Personen festgenommen. Dabei gab es Razzien in Gay Bars, aber auch in Häusern und Wohnungen von Menschenrechts- und LGBTI+ Aktivist:innen. Besonders im Fokus war dabei die wichtigste und renommierteste LGBTI+ Organisation des Landes, Kaos GL.

In Istanbul sollen demnach 26 Personen festgenommen wurden sein, und zudem seien Drogen, geschmuggelter Alkohol, eine Schusswaffe und elektronische Geräte beschlagnahmt worden. In Ankara seien weitere 21 Personen festgenommen worden, heisst es von der Staatsanwaltschaft. Insgesamt fand die Aktion in 12 verschiedenen Provinzen statt und 38 Adressen waren betroffen.

Kaos GL spricht von insgesamt 50 Verhafteten, wobei zehn Personen in ihrem Zuhause festgeommen wurden. Auch ihre Webseite und ihre Social Media-Konten seine gesperrt worden. Ihnen werde von der Polizei vorgeworfen, dass sie obszöne Inhalte für Jugendliche verbreiten würden. Auch die Social Media-Accounts von mindestens 15 weiteren Organisationen wurden gesperrt.

Gegen insgesamt 162 Personen wurden im Rahmen dieser breit angelegten Aktion strafrechtliche Massnahmen durchgeführt, dabei auch gegen Unternehmen und Organisationen. Der türkische Justizminister Akin Gurlek wirft inbesondere Kaos GL vor, dass sie Gelder aus dem Ausland erhielten. Diese Geldflüsse würden derzeit untersucht.

Die Behörden rechtfertigen ihr Vorgehen damit, dass die Beschuldigten unter anderem Straftaten im Bereich Prostitution, Obszönitäten und Drogen begangen haben sollen. Weiter sollen sie aktiv die sexuelle Orientierung und Geschlechtsidentität von Minderjährigen zu beeinflussen versuchen. Mit der Aktion wolle man zudem verhindern, dass dieses Verhalten als normal angesehen werde. Dies vor allem zum Schutz der Kinder, der Familie und der moralischen Werte.

Die Türkei hat ihr Vorgehen gegen queere Menschen vor allem in den letzten paar Jahren massiv verschärft. Pride und queere Festivals können nicht mehr stattfinden und es kommt immer wieder zu Razzien. In diesem Jahr wurde auch erstmals einem Kreuzfahrtschiff einer Gay Cruise das Anlegen in türkischen Häfen verboten.