USA: Bibliothekarin wurde gefeuert - doch der Support für sie ist überwältigend

USA: Bibliothekarin wurde gefeuert - doch der Support für sie ist überwältigend
Sie weigerte sich Bücher für Jugendliche und Kinder mit queeren Inhalten in die Abteilung der Bücher für Erwachsene zu zügeln, und deshalb wurde sie nun gefeuert. Doch trotzdem gibt es nun eine Art Happy End für die Leiterin einer Bibliothek in Tennessee - Unterstützende sammelten für sie und ihre Familie nämlich bereits über 120'000 US-Dollar.

Nach einem Treffen der Bibliotheksaufsicht wurde entschieden, dass man Luanne James als Leiterin der lokalen Bibliothek entlassen werde. Der Grund: Sie weigerte sich rund 100 Bücher - viele mit queeren Inhalten - von der Abteilung der Kinder- und Jugendbücher zu den Büchern für Erwachsene zu zügeln. Dies sei ein eindeutiger Akt der Diskriminierung aufgrund der Weltanschauung, und dies verstosse gegen den ersten Verfassungszusatz der Freien Meinungsäusserung, erklärte James in einem Brief an die Aufsicht des Rutherford County Library System (RCLS). Aus diesem Grund werde sie dieser Aufforderung nicht nachkommen und die Bücher nicht umplatzieren.

Dass die Bücher umplatziert werden müssen, entschied die Bibliotheksaufsicht bereits anfangs Monat mit 8 zu 3-Stimmen: Dies ging auf eine Anordnung des republikanischen Staatssekretärs des Bundesstaats Tennessee zurück, welcher eine Überprüfung aller Bücher angewiesen hat, um sicherzugehen, dass sie für das Alter angemessen bewertet wurden - natürlich aus konservativer, republikanischer Sicht.

Als sich Luanne James weigerte, die umstrittenen Bücher neu einzuordnen, berief die Aufsicht eine Sondersitzung ein. Dort wurde schliesslich entschieden, dass man Luanne James entlassen werde. Wie nun bekannt wurde, verlief dieses Treffen äusserst hitzig, denn es gab viele, welche der Leiterin auch den Rücken stärkten und lautstark dafür protestierten, dass sie ihren Posten behalten kann. Mindestens ein Dutzend Personen haben auch das Wort für sie ergriffen und eine Rede zu ihren Gunsten gehalten, doch es nützte nicht. Nachdem die Entlassung beschlossen wurde, ist James von Beamten aus dem Raum begleitet worden.

Sie stehe zu ihrer Entscheidung, so Luanne James im Anschluss an das Treffen, und sie werde ihre Meinung diesbezüglich auch nicht ändern. Schon einen Tag nach der Entlassung richteten Unterstützende der Bibliothekarin eine GoFundMe-Seite ein um Geld für James und ihre Familie zu sammeln. Die Einnahmen sollen der Bibliothekarin helfen, damit sie ihre Lebenskosten für die Familie decken kann. Innerhalb von wenigen Tagen kamen so bereits über 120'000 US-Dollar zusammen.

Dass Luanne James tatsächlich gefeuert wurde, zeigt, wie weit der Kulturkampf in den USA bereits geht. Denn die Verdienste der Bibliothekarin sind enorm: Sie verfügt über rund 25 Jahre an Erfahrung und in dieser Zeit gelang es ihr über sechs Millionen Dollar an Fördermittel zu gewinnen, welche in den Ausbau und in neue Programme investiert werden konnten, welche der gesamten Öffentlichkeit zu Gute kamen. So wurden etwa die Computer erneuert, die Internetverbindungen verbessert und es wurde auch ein neues Bibliotheksgebäude gebaut. Zudem konnte ein rollstuhlgerechtes Fahrzeug erworben werden, sowie ein Bücherbus um die weiter entfernten Gebiete der Gemeinde zu erreichen.

Der Aufsichtsrat des Rutherford County Library System (RCLS) ging aber auch noch einen Schritt weiter als die Kündigung der Leiterin. Sie traten als Bibliothek gleichzeitig auch noch aus dem Verband der American Library Association aus. Damit müssen sie sich nicht mehr an deren Leitbild und Richtlinien halten. Sie begründeten den Entscheid damit, dass sie sich die intellektuellen Freiheiten bewahren und selber entscheiden wollen, wie sie die finanziellen Ressourcen einsetzen.

Das letzte Wort in Bezug auf die Kündigung dürfte wohl aber auch im Fall der RCLS noch nicht gesprochen worden sein, denn das Programm America’s Freedom to Read von PEN America wird wohl auch Luanne James vor Gericht vertreten. Die Organisation setzt sich im ganzen Land für die Meinungsfreiheit in Bezug auf Bibliotheken und Bücher ein, so auch dafür, dass queere Bücher nicht verboten oder verbannt werden.