USA: Helpline für LGBTI+ Jugendliche soll wieder eingeführt werden - ein Jahr nach dem Aus
In Krisensituationen ist es essentiell, dass Jugendliche schnell und niederschwellig Hilfe suchen können. Diese Möglichkeit wurde queeren Jugendlichen vor rund einem Jahr durch die Regierung Trump genommen: Durch den von den Republikanern lancierten Kulturkampf wurde diese Option, welche explizit auf LGBTI+ Jugendliche ausgerichtet war, aus dem Angebot der nationalen Suizid-Helpline gestrichen.
Dabei handelt es sich um die 988, die dreistellige, landesweite Helpline zur Suizidprävention. Einmal gewählt, konnte man zuvor mit der Taste „3“ zu jenen Berater:innen weitergeleitet werden, welche besonders für LGBTI+ Jugendliche ausgebildet waren. Alternativ konnte auch eine Nachricht mit dem Stichwort „PRIDE“ geschickt werden, um einen Online-Chat zu beginnen. Etwas mehr als ein Jahr, nachdem die Regierung Trump diese Option gestrichen hat, soll sie nun wieder eingeführt werden, möglicherweise sogar noch in diesem Jahr.
Es war nun der Kongress, der 33 Millionen US-Dollar für LGBTI+ Jugendliche in Krisensituationen bereitgestellt hat, und womit die Helpline wieder auf ihre Bedürfnisse ausgebaut werden soll. Doch wie so oft unter der aktuellen Regierung, so gibt es auch in diesem Fall ein grosses Aber… Ausgerechnet das Trevor Project, jene Organisation, welche sich für queere Jugendliche einsetzt und welche die Option „3“ ursprünglich ins Spiel gebracht hat, soll von diesem neuen Angebot ausgeschlossen werden. Es war auch das Trevor Project, welche diese Option 3 ab 2022 mehrheitlich bedient hat.
Es sind politische und rechtliche Hindernisse, welche eingebaut wurden, und welche nun insbesondere von LGBTI+ Aktivist:innen kritisiert werden und Skepsis hervorrufen. So gibt es Voraussetzungen, welche erfüllt werden müssen, um sich an dieser Helpline zu beteiligen. Diese sind geprägt vom Kulturkampf der Republikaner, und so müssen etwa die Anti-Transgender-Verordnungen der Regierung Trump aus dem Jahr 2025 eingehalten werden.
Weiter kommt hinzu, dass sich nur jene Organisationen für dieses „neue“ Angebot bewerben dürfen, die aktuelle und aktive Mitglieder des 988-Netzwerks sind. Dies trifft auf das Trevor Project nicht zu, da dieses im vergangenen Jahr mit der Schliessung der Option „3“ zum Aufhören gezwungen war. Somit ist ausgerechnet das Trevor Project mit der grössten Expertise und der grössten Erfahrung in diesem Bereich, und welches notabene die Helpline lange selber betrieben hat, nicht mehr teilnahmeberechtigt.
In einer Erklärung schreibt das Trevor Project, dass der Ausschluss ihrer Organisation auf ein weit grösseres Problem hindeute, nämlich, dass die Neuauflage der Helpline transgeschlechtliche und nicht-binäre Jugendliche ganz ausschliesse. Dies weise darauf hin, dass die klinischen Standards zur Beratung und Betreung von Risikogruppen gesenkt wurden. Weiter betont Jaymes Black, der CEO der Organisation, dass Politik in der Suizidprävention gar nichts zu suchen habe.
Das Trevor Project betont aber, dass man ungeachtet dessen, was nun passiere, weiterhin für queere Jugendliche in Krisensituationen da sei. Ihr Expert:innenteam stehe bereit, sowohl um Einzelpersonen aber auch Institutionen zu bedienen, und um ihnen die bestmögliche Unterstützung zu bieten, wie man es schon immer gemacht habe.
Das Trevor Project bietet derzeit eine eigene 24 Stunden-Helpline an, der Nachteil bei dieser: Sie hat keine dreistellige Nummer wie die offizielle Helpline mit der 988 und ist daher weniger einfach zu merken, und sie ist auch nicht Teil der nationalen Kampagnen zur Suizidprävention.
Wie wichtig das Engagement des Trevor Project ist, zeigt ein Blick auf die Zahlen. In den drei Jahren, in denen das Angebot über die 988-Helpline bestand, wurden 1.6 Millionen Anrufe angenommen, dabei hat das Trevor Project rund die Hälfte davon betreut.
Brauchst Du Hilfe und möchtest Du mit jemandem sprechen? Hier findest Du Hilfe:
Die Schweizer LGBT+ Helpline steht Dir unter der Nummer 0800 133 133 kostenlos zur Verfügung. Mehr Infos: lgbt-helpline.ch
Über die Webseite stophate.ch kannst Du zudem einfach online und in verschiedenen Sprachen Hate Crimes an die LGBTIQ Helpline, der offiziellen Meldestelle für queerfeindliche Hassverbrechen, melden.
Weitere Information erhältst Du auch unter:
Du-bist-du.ch: Beratung und Information
Milchjugend: Übersicht über queere Jugendgruppen
Transgender Network Switzerland: Dachorganisation für trans Menschen
LOS: Lesbenorganisation Schweiz
Pink Cross: Dachorganisation schwuler und bisexueller Männer