USA: Präsident Trump ausgebuht - schwuler Journalist festgehalten
Er habe zusammen mit Freunden ein letztes Mal eine Vorstellung im renommierten Kennedy Center geniessen wollen, bevor es im Sommer für zwei Jahre geschlossen wird um es zu renovieren, erklärte Eugene Ramirez gegenüber dem Washington Blade. Als dann kurz vor Beginn der Vorstellung Donald Trump und die First Lady auf dem Balkon erschienen, wurden sie von Applaus begrüsst, aber auch von Buh-Rufen, sowie von Gesten wie dem Daumen nach unten, darunter von Ramirez.
Darauf sei er vom Sicherheitschef des Centers umgehend an den Rand des Saals geführt worden. Umringt von weiterem Sicherheitspersonal sei er dort festgehalten worden, bis das Licht gedimmt wurde und die Vorstellung begann. Erst dann habe er seinen Platz wieder einnehmen dürfen.
Laut dem Sicherheitschef wollen „sie“ keine Buhrufe hören. Dabei habe er aber laut Ramirez nicht genau erklärt, wer mit "sie" gemeint war. Gut möglich, dass es um das Kommunikationsteam des Präsidenten ging, welches ebenfalls anwesend war. Es waren aber auch weitere Pressevertreter vor Ort und ihnen wollte man offenbar ebenfalls zeigen, wie der Präsident gefeiert wird.
Es scheine so, als wolle man den Präsidenten vor jeglichem Widerstand und vor negativer Kritik abschirmen, so der Journalist weiter. Als wolle man quasi die öffentliche Meinung über den Präsidenten kontrollieren. Normalerweise würden die Beamten nur bei Störaktionen während der Vorstellung eingreifen und ansonsten die Lage einfach überwachen.
Von einer Störaktion seinerseits könne kaum die Rede sein, denn aufgrund des Applaus habe man ihn ohnehin kaum hören können. Der Sicherheitschef habe ihm am Ende die Hand geschüttelt, ihm erklärt, dass er auch nur seinen Job mache, und er habe ihn dann wieder auf seinen Sitzplatz gelassen.
Die ganze Aktion der Sicherheitskräfte sei sehr ironisch, so Ramirez weiter, da an diesem Abend gerade Chicago gezeigt wurde. Das passiere wenn Kritik als Störung angesehen werde statt als Recht, und dies gerade in öffentlich finanzierten Kulturstätten wie dem Kennedy Center. Es handle sich zudem bei Chicago um ein Stück, welches um die Manipulation der Presse, die Kontrolle der öffentlichen Meinung und um das Vertuschen von Wahrheiten durch Ablenkungsmanöver gehe. Die Satire gerade in Zusammenhang mit Donald Trump schreibe sich dabei von selber, so der schwule Journalist.
Auf den Aufnahmen des Zwischenfalls fällt aber noch etwas anderes auf: Obwohl Donald Trump der Vorstellung beiwohnte, hatte es gerade im Parkett noch jede Menge freie Sitze. Dies zeigt, was auch die Zahlen des Kennedy Centers belegen. Die Auslastung der renommierten Kulturstätte ist massiv eingebrochen, seit Donald Trump und sein Team kräftig mitmischen und sich sogar bezüglich dem Programm einschalten. Damit wird auch die Theorie unterstützt, dass das Center nicht in erster Linie geschlossen wird, weil die Renovationsarbeiten dringend wären, sondern vielmehr, dass man die Notbremse zog um einen nicht noch grösseren Verlust einzufahren.
Eugene Ramirez war bis 2024 Moderator der landesweit ausgestrahlten Abendnachrichten der Sinclair Broadcast Group. Er trat darauf von seinem Posten zurück, da er sich mit der immer stärk werdenden, rechten Ausrichtung des Senders nicht mehr einverstanden zeigen konnte.