USA: Queere Amerikaner:innen informieren sich über Asyl in Kanada
Anfangs Januar wurde Renee Nicole Good durch Beamte der United States Immigration and Customs Enforcement, kurz ICE, in ihrem Auto erschossen. ICE ist die grösste Polizei- und Zollbehörde des Ministeriums für Innere Sicherheit (DHS) der USA. Die Videos der Tat gingen weltweit viral und lösten auch grosse Proteste in den USA aus. Renee Nicole Good war 37 Jahre alt, Mutter von drei Kindern, verheiratet und US-Bürgerin.
Der Vorfall hat die LGBTI+ Community noch weiter verunsichert, da Good mit einer Frau verheiratet war. Viele queere Amerikaner:innen haben daher die Suchanfrage von Google kontaktiert um sich über LGBTI+ Asyl in Kanada zu informieren. Die Suche nach diesen Begriffen ist im Januar 2026 sprunghaft angestiegen.
Ein ähnlicher Anstieg konnte bereits rund um den 20. Januar 2025 festgestellt werden, damals war die Amtseinführung von Donald Trump als US-Präsident. Damals, im Zeitraum zwischen den Wahlen und der Amtseinführung, wurde zudem auch festgestellt, dass Frauen, queere Menschen und trans Personen vermehrt Waffen gekauft und gelernt haben, wie sie sich im Notfall selbst verteidigen können.
Es stellt sich aber die Frage: Wäre es für queere Amerikaner:innen überhaupt möglich in Kanada Asyl zu beantragen? Theoretisch ja, aber derzeit werden solche Gesuche kaum gutgeheissen. Sollte sich aber die Lage für LGBTI+ in den USA weiter verschlechtern, könnte sich die Situation wieder ändern und Kanada könnte seine Praxis entsprechend anpassen.
Alternativ besteht auch die Möglichkeit nach Kanada umzuziehen. Auch Einwanderungsanwälte, welche Amerikaner:innen bei einem Umzug ins nördliche Nachbarland unterstützen, sprechen von einer starken Zunahme von Anfragen. Gerade für Fachkräfte sei ein solcher Umzug relativ einfach, ebenso wenn es um Familienzusammenführungen geht.
Dass die Sorgen und die Unsicherheit innerhalb der LGBTI+ Community durchaus berechtigt ist, zeigen die Zahlen des ALERT Desk von GLAAD, mit welchem Hassverbrechen gegen queere Menschen in den USA erfasst werden. Der kürzlich veröffentlichte Bericht zeigt bereits einen Anstieg in der Periode vom 1. Mai 2024 bis zum 1. Mai 2025.
So wurden in diesem Zeitraum 932 Taten gezählt, welche explizit als LGBTI+ feindliche Hassverbrechen identifiziert wurden und zu 84 Verletzten und 10 Todesopfern führten. Diese fanden in 49 US-Bundesstaaten, sowie in der Hauptstadtregion Washington DC statt. Dies entspricht rund 2.5 Vorfälle pro Tag. Weiter dürfte die Zahl jedoch eher nur die Spitze des Eisbergs darstellen, denn viele Hassverbrechen dürften gar nicht erst gemeldet oder als solche erkannt worden sein. Dieses Problem dürfte sich in Zukunft zusätzlich verschärfen, wenn das Vertrauen queerer Menschen in die Behörden weiter schwindet, wie dies derzeit der Fall ist.