WELTWEIT: Grindr lässt sich in die Karten blicken

WELTWEIT: Grindr lässt sich in die Karten blicken
Grindr gibt Einblick in sein Unternehmen: Wie viele Menschen arbeiten tatsächlich bei Grindr? Welchen Einfluss hat AI? Wie rechtfertigt die queere Dating App die neuen Preispläne? Ist das Limit erreicht? Und wie sieht Grindr die Zukunft der Dating App?

Grindr ging an die Börse und folglich musste die Produktivität massiv gestärkt werden. Wie CEO George Arison gegenüber TechCrunch erklärt, habe man das in erster Linie mit Künstlicher Intelligenz hingekriegt. Er habe immer gedacht, dass er zwischen 300 und 350 Personen brauche um Grindr am Laufen zu halten. Durch AI habe er diese Zahl nun deutlich reduzieren können: Rund 80 Prozent des Coding werde heute durch Künstliche Intelligenz übernommen, so Arison, und entsprechend seien auf der technischen Ebene heute nur noch etwa 95 Mitarbeitende angestellt. Die Arbeit von etwa 350 Personen übernehmen heute also weniger als 100, so Arison. Alleine innerhalb eines Jahres habe man so die Produktivität in der Entwicklung um das Zweieinhalbfache steigern können.

Während der personelle Aufwand massiv gesenkt wurde, so sind hingegen die Preise gestiegen - ebenfalls mit der Begründung von AI. So heisst das neuste Grindr-Feature Edge und es stand bislang als Testversion in verschiedenen Städten zur Verfügung und soll dann ab Ende 2026 oder anfangs 2027 breit angeboten werden. Der Preis von 500 US-Dollar pro Monat, der in den Medien auftauchte und für entsprechende Kritik sorgte, dementiert das Unternehmen mittlerweile.

Kanada war Testmarkt und es waren 500 kanadische Dollar, was rund 350 US-Dollar entspricht. Doch auch dieser Preis sei noch nicht festgelegt, so George Arison. Dabei werde man nicht einfach Künstliche Intelligenz einsetzen, AI werde vielmehr auf bestehenden Angeboten wie Xtra oder Unlimited aufbauen. Dabei nutze AI die bekannten Vorlieben und das allgemeine User-Verhalten um bessere Treffer hinsichtlich möglicher Dates zu erzielen. Dies werde quasi das Premium-Angebot werden, und mit der Zeit auch auf andere Bereiche der App ausgeweitet.

Der Grindr-CEO ist aber auch überzeugt, dass mit 350 US-Dollar noch lange nicht das Ende der Fahnenstange erreicht ist, was den Preis anbelangt, den User gewillt sind zu zahlen. So sagte Arison gegenüber der Financial Times, dass viele gewillt sind noch weit mehr zu bezahlen um eine feste Beziehung zu finden. Man sei noch weit weg von dem Preis, den man als Premium-Angebot ansehe. Damit dürften auch die Einnahmen massiv wachsen - und das passiert schon jetzt: Während der Umsatz 2022 noch 195 Millionen Dollar betrug, so waren es 2025 bereits 540 Millionen Dollar.

Dabei machte Arison ein einfaches Rechenbeispiel: San Francisco habe eine höhere Dichte an queeren Menschen als die meisten anderen Orte im Land, aber trotzdem spreche man von nur etwa 50'000 bis 60'000 Menschen. Wenn man einen neuen Partner suche, dann ist die Auswahl begrenzt und da soll AI ins Spiel kommen und für zuverlässigere Matches sorgen. Dazu komme, dass rund die Hälfte der Männer unter 35 Jahren laut Umfragen auf der Suche nach einer festen, monogamen Beziehung sind, auch da soll Edge von Grindr helfen.

Grindr soll aber nicht einfach nur eine Dating App sein, denn in Zukunft soll es quasi eine Gaybourhood für die Hosentasche werden. So wird beispielsweise das Thema Gesundheit immer wichtiger. Schon jetzt erhalten zehn Millionen User Infos über HIV und darüber, wo sie PrEP beziehen können. Dies soll ausgebaut werden, etwa mit queeren Vertrauensärzten, die via Telefon kontaktiert werden können. Auch diese Dienstleistungen will sich Grindr künftig bezahlen lassen, was eine weitere Einnahmequelle neben den Abogebüren und den Werbeverkäufen werden soll.

Zudem sollen auch die Reisetipps ausgebaut werden und mehr Gewicht erhalten. Queers reisen meist mehr als der Durchschnitt, und dem will die Grindr ebenfalls Rechnung tragen.