WIRTSCHAFT: Konservative wollten LGBTI+ Engagement von Nike stoppen - und scheiterten
Gerade Sportbrands sind massiv von Trends abhängig: Nike hatte es diesbezüglich in den vergangenen Jahren nicht einfach, was sich auch im Aktienkurs zeigte. Während die Aktie zu ihrem Höhepunkt im November 2021 einen Stand von 179 US-Dollar erreichte, so fiel die Aktie in den vergangenen fünf Jahren um rund 80 Prozent auf gegenwärtig unter 40 Dollar.
Diesen Kurssturz wollten nun konservative und LGBTI+ feindliche Kräfte dazu nutzen, um ihre Sichtweisen durchzudrücken. So forderten sie an der jüngsten Aktionärsversammlung die Verantwortlichen auf, ihr Engagement für die Queer Community, und dabei insbesondere für trans Menschen, zu überdenken. Ihr klares Ziel war dabei offensichtlich, nämlich, dass Kampagnen wie etwa BeTrue mit der eigenen Pride-Linie eingestellt werden.
Hinter diesem Vorstoss gegen die LGBTI+ freundliche Haltung von Nike standen insbesondere der Aktionär William C. Cunningham und Inspire Investing, eine christliche Investmentfirma. Um ihr Anliegen zu untermauern, dass das Unternehmen seine Zusammenarbeit mit der LGBTI+ Community einstellen soll, liessen sie eine Videobotschaft von Sophia Lorey, einer ehemaligen College-Fussballerin abspielen, welche offen ihre transfeindliche Position vertrat. Dabei forderten sie den Konzern auf, zu prüfen, welche wirtschaftlichen Risiken diese Kampagnen mit sich bringen.
Nike ist seit langem für sein Engagement für die LGBTI+ Community bekannt und erreicht im Human Rights Campaign Corporate Index fast den Höchstwert von 100 Punkten. Und an der Aktionärsversammlung wurde diese Haltung nun mit einem mehr als deutlichen Votum unterstrichen. Aktionäre, welche für 99 Prozent des Aktienvolumens verantwortlich sind, hiessen den gegenwärtigen Kurs gut und nur gerade ein Prozent unterstützte den Antrag von William C. Cunningham und Inspire Investing.
Wie es sich zeigte, ging der queerfeindliche Antrag auch von falschen Tatsachen aus: Als die BeTrue-Kampagne 2012 eingeführt wurde, legte die Nike-Aktie einen wahren Höhenflug hin. Der Absturz begann zwar 2021, war jedoch weit nach 2023 am stärksten. Die BeTrue-Linie wurde 2023 zum letzten Mal vorgestellt. Dass hier kein Zusammenhang besteht, stellten auch die überwiegende Mehrheit der Aktionäre fest, und so erlitt der feindliche Kurs deutlich Schiffbruch.
Nike hat jeweils nicht nur eine Pride-Kollektion vorgestellt, sondern früher auch öffentlich Stellung bezogen, wenn es etwa um LGBTI+ feindliche Gesetze ging.