HINTERGRUND: Diese WM-Fussballer stellen sich queeren Menschen zur Seite
Für queere Menschen sind die vergangenen FIFA-Fussball-Weltmeisterschaften zu einem wahren Spiessrutenlauf geworden: In Russland 2018 überschattete die LGBTI+ feindliche Politik von Putin das Turnier und in Katar 2022 konnte man gar nicht erst daran denken, offen queer aufzutreten. Die Hoffnungen waren entsprechend gross als Kanada, Mexiko und die USA den Zuschlag für die FIFA-WM 2026 erhielten. Zumindest in Bezug auf die USA haben diese Hoffnungen seit der Wahl von Donald Trump zu seiner zweiten Amtszeit aber ebenfalls einen Dämpfer erhalten. Queere Sichtbarkeit wird in vielen Teilen der USA derzeit stark zurückgedrängt.
1‘248 Spieler stehen während dem Turnier für 48 Nationalmannschaften im Einsatz, und kein einziger davon hatte sein öffentliches Coming Out. Doch selbst sogenannte Queer Allies, welche sich offen für queere Menschen und gegen LGBTI+ Feindlichkeiten einsetzen, sind äusserst rar.
Folgend stellen wir Dir ein paar Spieler vor, welche bei der FIFA-Fussball-Weltmeisterschaften 2026 im Einsatz sind, und welche sich in der Vergangenheit für die LGBTI+ Community eingesetzt haben:
Patrick Berg (28) - Norwegen:
Als Captain von Bodø/Glimt konfrontierte er einen "Fussball-Fan", der LGBTI+ feindliche Schimpfwörter in Richtung des Spielfelds rief. Der Vorfall liess Berg keine Ruhe und so thematisierte er es im Anschluss an das Spiel auch noch in einem Fernsehinterview: Dies dürfe nicht akzeptiert werden, nirgends innerhalb der Gesellschaft. Wenn schon niemand sonst sich dagegen ausspreche, dann sehe er es als seine Pflicht, sich dagegen zu wehren. Geschehen ist es im Mai 2024 als seine Mannschaft ein Spiel in Kristiansund gewann. Auch sonst hat sich Patrick Berg schon mehrfach gegen LGBTI+ Feindlichkeiten ausgesprochen.
Lucas Digne (32) - Frankreich:
Sollte sich ein Spieler outen, dann werde er ihn bedingungslos unterstützen. Die Spieler seien offen darüber zu sprechen, doch es würde auch kein grosses Thema in den Teams selber sein, zeigte sich Digne überzeugt, auch aufgrund seiner Erfahrungen, da er bereits in Frankreich, Spanien, Italien und England gespielt hat. Es hätte niemand ein Problem damit.
Bruno Fernandes (31) - Portugal:
Er setzte sich öffentlich für die Regenbogenbinde bei Fussballspielen ein, da es ein wichtiges Zeichen dafür sei, dass alle sich willkommen fühlen. Als der tschechische Mittelfeldspieler Jakub Jankto zudem sein Coming Out hatte, reagierte er mit einem klatschenden Emoji unter dem Social Media-Post. Als Captain von Manchester United hat er sich zudem auch für den queeren Fanclub der Mannschaft stark gemacht und sich für mehr Kampagnen für LGBTI+ Sichtbarkeit in der englischen Premier League ausgesprochen.
Leon Goretzka (31) - Deutschland:
Als ein Botschafter für die WM in Katar öffentlich erklärte, dass Homosexualität ein Schaden im Verstand sei, verurteilte Goretzka die Aussage umgehend als inakzeptabel. Bereits zuvor hat er sich zudem als wahrer Ally der LGBTI+ Community gezeigt. Als die UEFA es München nämlich verboten hat, das Fussballstadion während dem Euro 2000-Spiel Deutschland gegen Ungarn in den Regenbogenfarben zu beleuchten, setzte Leon Goretzka selber ein schönes Zeichen für die Community. Er formte mit seinen Händen vor den ungarischen Fans ein Herz und postete dieses Foto zusammen mit einer Regenbogenfahne und den Worten "Spread Love" in den Sozialen Medien.
Spread Love 🏳️🌈 Yes!!!!!!!! Wembley calling! 💪🏻@DFB_Team @euro2020 #gerhun #EURO2020 🇩🇪 pic.twitter.com/XRGUZKVJMx
— Leon Goretzka (@leongoretzka_) June 23, 2021
Borja Iglesias (33) - Spanien:
Er wurde mit queerfeindlichen Hasskommentaren eingedeckt, weil er sich mit farbigen Fingernägeln gezeigt hat: Dies wollte der Spieler von Celta Vigo nicht hinnehmen und er veröffentlichte die Kommentare kurzerhand in den Sozialen Medien um sie zu verurteilen. Dies führte dazu, dass sich sogar die oberste spanische Fussballliga La Liga genötigt sah, LGBTI+ Feindlichkeiten zu verurteilen. In einem Interview fand Iglesias denn auch klare Worte: Der Kampf gegen Homophobie sei enorm wichtig. Wenn nur eine queere Person, sich wegen solchen Kommentaren fürchte, das Coming Out zu haben, dann kümmere ihn das...
Qué raro, si esto en el fútbol no pasa nunca. https://t.co/bBMvhrXFbX
— Borja Iglesias (@BorjaIglesias9) January 12, 2026
Jackson Irvine (33) - Australien:
Dass die letzte WM in Katar stattfand, verurteilte er zusammen mit der australischen Fussball-Nationalmannschaft mit einer Videobotschaft, insbesondere wegen den dort geltenden Anti-Gay-Gesetzen. Auch als der englische Fussballverband beschloss, trans Frauen aus Frauen-Fussballteams auszuschliessen, war Irvine zur Stelle um sich trans Personen an die Seite zu stellen. Dass er ein echter LGBTI+ Ally ist hängt wohl auch mit seinem Team zusammen: Er ist Captain des wohl queerfreundlichsten Fussballclubs der Welt, nämlich bei St. Pauli in Hamburg.
A message from the Socceroos. pic.twitter.com/Sd2R6ej8kK
— CommBank Socceroos (@Socceroos) October 26, 2022
Harry Kane (32) - England:
Er sei enttäuscht, dass die FIFA die One Love-Captainsbinde bei den Weltmeisterschaften in Katar verboten hat. Um trotzdem ein Zeichen für seinen LGBTI+ Support zu setzen, trug er während verschiedensten Spielen während dem Pride Month jeweils ein regenbogenfarbenes Armband. Höchsten Respekt habe auch das Coming Out des jungen Fussballers Jake Daniels verdient, schrieb Kane in den Sozialen Medien. Gerade für eine jüngere Generation, mache das mächtig Eindruck, und er sei sich sicher, das noch viele Spieler:innen folgen werden, Frauen wie auch Männer.
Manuel Neuer (40) - Deutschland:
Eigentlich trat er vor zwei Jahren in den Fussball-Ruhestand, doch für die Fussball-WM 2026 wurde er nun doch wieder in die Nationalmannschaft zurückgeholt. Der Torhüter hat schon vor 15 Jahren erstmals queere Spieler:innen ermutigt, dass sie sich getrauen sollen, sich zu outen, denn es würde jede Menge Druck von ihnen nehmen, so seine Überzeugung. Als die FIFA die One Love-Binde in Katar verbot, kritisierte er diese Entscheidung öffentlich. Er selber trug während dem Pride Month bereits mehrfach eine Regenbogen-Armbinde während Spielen der deutschen Nationalmannschaft.
Marcus Rashford (28) - England:
Mit einer sehr persönlichen Botschaft gratulierte Rashford damals Josh Cavallo, als dieser im Jahr 2021 als einer der ersten aktiven Profi-Fussballspieler der Welt sein Coming Out hatte. Er ist auch bekannt dafür, dass er gerne an Prides mit der Community feiert.
Weitere Spieler, die es aber leider knapp nicht an die WM geschafft haben:
Richarlison (29) - Brasilien:
Der Spieler von Tottenham Hotspur der englischen Premier League ist zwar im Nationalteam von Brasilien, wurde aber für die Fussball-WM 2026 nicht aufgeboten. Er hat bereits mehrfach erklärt, dass er einen queeren Fussballer uneingeschränkt unterstützen würde. Zum diesjährigen Pride Month wurde zudem ein Video von ihm veröffentlicht, wie er auf witzige Art Queers das Fussballspielen beibringt.
Séamus Coleman (37) - Irland:
Wohl die letzte Chance für eine WM-Teilnahme in seiner Karriere hat Séamus Coleman verpasst: Irland konnte sich nicht für die Weltmeisterschaften 2026 qualifizieren. Coleman ist ein wahrer Ally der LGBTI+ Community. Als Captain von Everton in der englischen Premier League hat er beispielsweise schon eine Videobotschaft zum Pride Month veröffentlicht.
🌈 | A message from our captain Seamus Coleman for @PrideInLpool.@RainbowToffees #AllTogetherNow pic.twitter.com/SGkK3OdbXu
— Everton (@Everton) July 25, 2020