DEUTSCHLAND: Mehr als jede zweite Pride 2026 wurde angegriffen
Mit 299 gab es in diesem Jahr zwar so viele Prides und Christopher Street Days in Deutschland wie noch nie, doch gleichzeitig hat sich auch gezeigt, dass die Gefahr sowohl für Veranstaltende wie auch für Teilnehmende so gross war wie nie zuvor. Beschimpfungen, verbale Drohungen bis hin zu körperlichen Angriffen gehören leider schon fast zum Alltag. Wie aus dem neusten CSD-Monitoring der Amadeu Antonio Stiftung hervorgeht erlebten mit 156 Prides und CSDs mehr als die Hälfte Angriffe, dabei oft auch mehrfach.
Lange galten die LGBTI+ feindlichen Angriffe auf Prides und CSDs als ostdeutsches Phänomen, doch dem ist schon lange nicht mehr so. Während der Anteil der Prides, welche in diesem Jahr Angriffe erlebten, in Ostdeutschland bei immer noch hohen 62 Prozent lag, so verzeichneten die betroffenen Prides in Westdeutschland einen starken Zuwachs innert Jahresfrist, nämlich von 38 auf aktuell bereits 47 Prozent. Dies zeige, dass es absolut kein Problem mehr nur von gewissen Regionen ist, so die Stiftung.
Einzig die Zahl der rechtsextremen Gegendemonstrationen ist in diesem Jahr gegenüber dem Vorjahr gesunken, nämlich von 43 auf 27. Die Anzahl Teilnehmenden nahm zudem bei den noch bestehenden Gegendemos ebenfalls ab. Dieser Schein trügt jedoch, denn nun gehen die Angriffe vermehrt von Einzelpersonen aus, welche nicht mehr nur dem rechtsextremen Spektrum angehören und auch nicht teil einer Gegendemonstration sind.
Die physischen Gewalttaten, welche im direkten Umfeld von Prides und CSDs in Deutschland begangen wurden, haben sich benahe verfünffacht: Während 2025 noch vier Taten mit körperlicher Gewalt gemeldet wurden, so waren es in diesem Jahr bereits 19 Taten. Dabei handelt es sich aber nur um die tatsächlich gemeldeten Taten, denn die Dunkelziffer dürfte auch hier hoch sein, wie immer wenn es um LGBTI+ feindliche Hassverbrechen geht.
Als schwerwiegendste Tat nennt die Amadeu Antonio Stiftung den islamistischen Anschlag auf den CSD in Berlin. Dabei wurde im Tiergarten eine Frau getötet und 30 Personen wurden verletzt.
Die Stiftung kritisiert dabei auch, dass abgesehen vom gravierenden Anschlag auf den CSD Berlin, die queerfeindlichen Angriffe auf Pride-Veranstaltungen oftmals kaum in der Öffentlichkeit thematisiert werden, und daher auch weniger wahrgenommen werden. Dies könne bedeuten, dass solche Taten zunehmend als Normalität angesehen werden. Den Trend, dass die Zahl der queerfeindlichen Übergriffe zunehmen, bestätigen auch die Zahlen des Bundeskriminalamtes in Bezug auf politisch motivierte Taten.
Eine Chronik aller Taten, welche von der Amadeu Antonio Stiftung erfasst wurden, findest Du hier.
Brauchst Du Hilfe und möchtest Du mit jemandem sprechen? Hier findest Du Hilfe:
Die Schweizer LGBT+ Helpline steht Dir unter der Nummer 0800 133 133 kostenlos zur Verfügung. Mehr Infos: lgbt-helpline.ch
Über die Webseite stophate.ch kannst Du zudem einfach online und in verschiedenen Sprachen Hate Crimes an die LGBTIQ Helpline, der offiziellen Meldestelle für queerfeindliche Hassverbrechen, melden.
Weitere Information erhältst Du auch unter:
Du-bist-du.ch: Beratung und Information
Milchjugend: Übersicht über queere Jugendgruppen
Transgender Network Switzerland: Dachorganisation für trans Menschen
LOS: Lesbenorganisation Schweiz
Pink Cross: Dachorganisation schwuler und bisexueller Männer